G+J US-Druckgeschäft Brown Printing verkauft - doch was tun mit dem Erlös?

Montag, 07. April 2014
Gruner + Jahr trennt sich von seinem Druckgeschäft in den USA
Gruner + Jahr trennt sich von seinem Druckgeschäft in den USA


Es ist geschafft: Gruner + Jahr verkauft sein US-Druckgeschäft, das im Unternehmen Brown Printing gebündelt ist. Seit Jahren will G+J die Druckerei, deren Wertberichtigungen dem Verlag immer mal wieder den Gewinn verhagelten und die längst nicht mehr zur G+J-Inhaltestrategie passte, loswerden - was allerdings bisher nie bestätigt wurde. Nun hat sich ein Käufer gefunden, der aus Sicht von G+J genügend Geld auf den Tisch legt. Der börsennotierte US-Druckkonzern Quad/Graphics übernimmt Brown Printing und die drei Druckereien in Waseca, Woodstock und East-Greenville nach eigenen Angaben für umgerechnet 73 Millionen Euro, wenn die dortigen Kartellbehörden zustimmen. Bei früheren Verkaufsversuchen wollte G+J deutlich höhere Preise erzielen - vergeblich. Allerdings hat der Verlag mit Brown Printing seitdem "Cash Flows in einer Höhe erwirtschaftet, die zusammengenommen mit dem jetzigen Verkaufserlös in die gleiche Kaufpreisregion führen wie frühere Bewertungen", erklärt ein G+J-Sprecher auf Anfrage. Hinzu kommt, dass Druckereien stets Investitionen in die Maschinen erfordern; die kann sich G+J nun sparen.

Laut Käufer Quad/Graphics erwartet Brown Printing in diesem Jahr einen Umsatz von umgerechnet 255 Millionen Euro. Für die vergangenen Jahre nennt G+J keine Einzelerlöse, allerdings kann man sie aus den G+J-Bilanzen errechnen: Demnach erzielte Brown Printing 2013 einen Umsatz von knapp unter und 2012 von knapp über 300 Millionen Euro.

Brown Printing ist das letzte operative G+J-Geschäft in den USA, nachdem die Magazine dort bereits 2005 veräußert wurden. Der Druckkonzern wurde 1957 gegründet, 1979 erwarb G+J das Unternehmen. Aktuell werden dort rund 1000 Zeitschriften- und Katalogtitel für rund 600 Kunden hergestellt. Das US-Unternehmen beschäftigt insgesamt etwa 1850 Mitarbeiter.

Oliver Radtke, Vorstand Operations bei G+J, bezeichnet den Verkauf mit Blick auf die G+J-Unternehmensgeschichte als "Zäsur". Mit Blick auf die Zukunft und auf die angestrebte Transformation von G+J vom Druck- und Verlagshaus hin zu einem "kreativen Haus der Inhalte" sei der Deal hingegen "ein wichtiger Meilenstein".

Doch was stellt G+J nun an mit den zusätzlichen 73 Millionen Euro? An die Gesellschafter (Bertelsmann, Jahr-Familie) weiterreichen, die sich zuletzt mit mageren Gewinnen zufrieden geben mussten? Oder erhöhen die Erlöse den Investitions- und Akquisitionsspielraum - doch in was will G+J, wie seit langem angekündigt, investieren? Und vor allem: Was akquirieren?

Zur Erinnerung: "Wir sind bereit, in G+J zu investieren", sagte Bertelsmann-CEO Thomas Rabe jüngst. Und man sei "sogar bereit, dafür in den nächsten Jahren teilweise auf Gewinne und Dividenden zu verzichten". Rund eine halbe Milliarde Euro - 200 bis 300 Millionen Euro für Investitionen in Technik und E-Commerce-Zukäufe plus etwa noch einmal so viel für Umbaukosten, vor allem für sozialverträglichen Stellenabbau - lassen sich die Gesellschafter die G+J-Neuerfindung in den kommenden zwei bis vier Jahren kosten. Auch für Zukäufe ist Geld da. Doch außer zwei kleinen mehr (Delinero) oder weniger (Tausendkind) erfolgreichen Internetshops für Feinkost und Kinderartikel hat G+J bisher nicht viel präsentiert. Daher stellt sich durch den Verkauf von Brown Printing eine Frage lauter: Quo vadis, Gruner + Jahr? rp

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