G+J-Digitalchef Arne Wolter "Vereinheitlichungen bringen nicht immer einen Mehrwert“

Montag, 18. April 2016
Gruner+Jahr-Digitalchef Arne Wolter
Gruner+Jahr-Digitalchef Arne Wolter
Foto: Gruner + Jahr

Gemeinsam statt einsam? Verlagsleute, die ihre Konkurrenten zur Zusammenarbeit auffordern, gelten gemeinhin als souverän, einsichtig und modern. Tatsächlich machen Kooperationen ja oft Sinn. Auch Arne Wolter, seit Ende 2015 Chief Digital Officer bei Gruner + Jahr, sieht das grundsätzlich so – allerdings mit bestimmten Einschränkungen.

Jeder Verlag investiert gerade in Technologie und Tech-Personal, zum Beispiel für Content-Management-, CRM- oder Paid-Content-Systeme. Wäre es da nicht sinnvoller, die Häuser würden sich zusammentun, um in Teilen gemeinsame Infrastrukturen aufzubauen? Ja, wegen „überholter Wettbewerbsphantasien“ tun sich die Verlage traditionell schwer, sich gegenseitig zu helfen und zu kooperieren, sagt Wolter im Interview mit HORIZONT.

Andererseits: „Ein gewisses Maß an Partikularinteressen kann ich aber nachvollziehen“, so der G+J-Digitalchef: „Um erfolgreich zu arbeiten, muss man sich manchmal eben – nur – mit seinen eigenen Produkten identifizieren. Daher bringen Vereinheitlichungen nicht immer einen Mehrwert.“ Und beim Kampf gegen Adblocker sei ein Schulterschluss mit einheitlich geregeltem Vorgehen aus (kartell-) rechtlichen Gründen derzeit nicht realistisch, sagt Wolter.

Der Nachfolger von Stan Sugarman, dessen Vize er bis zu dessen Ausscheiden bei G+J war – früher auch mal in dessen Rolle als Vermarktungschef –, relativiert zudem ein paar markante Zielaussagen, die beide noch im vergangenen und im vorletzten Jahr stolz verkündet hatten.

Herr Wolter, die G+J-Digitalerlöse sind im vergangenen Jahr um 19 Prozent gestiegen, 2014 waren es 26 Prozent. Ihr Anteil am Gesamtumsatz ist von 17 Prozent in 2014 auf 19 Prozent gewachsen. Halten Sie am 2014 formulierten Ziel fest, diesen Anteil bis 2018 auf 30 Prozent zu steigern? Wir sind da auf einem guten Weg. Im 1. Quartal 2016 hat sich unser Digitalwachstum auch durch die Akquisitionen wieder deutlich beschleunigt, weitere Zukäufe haben wir in der Pipeline. Allerdings halte ich nicht allzu viel von solchen Kennzahlen, bei denen ja nie so ganz klar ist, welche Umsatzteile man denn nun wie und wo zum Digitalgeschäft hinzuzählt.

Naja, zuletzt haben Sie und Ihr Vorgänger Stan Sugarman diese Zahlen aber eben doch genannt, sogar explizit als Ziele fortgeschrieben – das gab ja auch knackige Schlagzeilen. Ach, ich bin da nicht so dogmatisch. Wir folgen keinem Quotenplan mit scheingenauen Kennzahlen, sondern versuchen, unsere Aktivitäten kraftvoll und sinnvoll auszubauen. Und dann machen es uns unsere Kollegen auch nicht ganz leicht, den Digitalanteil am Gesamtumsatz zu steigern, wenn sie weiterhin so erfolgreiche Print-Neugründungen lancieren wie „Barbara“ oder „Stern Crime“.

Noch ein paar Parolen aus dem letzten Jahr: Europaweit 100 Millionen Euro stehen Ihnen jährlich für digitale Investitionen zur Verfügung, für Zukäufe und organisches Wachstum. Dabei wollten Sie den Akquisitionsanteil von 60 auf 80 Prozent erhöhen. Und außerdem den Schwerpunkt von Werbevermarktung auf Content, Community und Commerce verlagern, also Geschäfte mit Paid-Service- und Transaktionserlösen ausbauen. Gilt das so noch? Auch hier limitieren wir uns nicht selber, sondern schauen uns alle Geschäfte und Unternehmen einzeln an, die strategisch zu uns passen, die wir verstehen, die rentables Wachstum versprechen und deren Aufbau oder Zukauf sich finanziell darstellen lässt. Und bei Akquisitionen kommt es ja auch noch darauf an, welche Targets verfügbar sind. Fest steht: Wir wollen und werden weiterhin massiv investieren, in alle unsere Wachstumsbereiche. rp 

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