G+J-Chefin Julia Jäkel "Wir schaffen Neues und bringen es zum Wachsen"

Donnerstag, 02. April 2015
Julia Jäkel setzt auf Neugründungen, Akqusitionen und Ausbau von Vorhandenem
Julia Jäkel setzt auf Neugründungen, Akqusitionen und Ausbau von Vorhandenem
Foto: Jorinde Gersina / Gruner + Jahr
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G+J Julia Jäkel Gruner + Jahr Bertelsmann Umsatz


Seit zwei Jahren steht sie an der Spitze von Gruner + Jahr. Dessen Gesellschafter (Bertelsmann, bis Ende 2014 auch die Jahr-Familie) und früheren Vorstände hatten jahrelang entscheidende Weichenstellungen und Investitionen versäumt – das alles muss nun Julia Jäkel liefern. Bisher hat sie vor allem Geschäfte verkauft und Kosten gespart. Doch wo will sie hin mit dem Verlag? Zeit für eine erste Zwischenbilanz im großen HORIZONT-Interview, vollständig zu lesen in der aktuellen Print- und E-Paper-Ausgabe 14/2015.

Frau Jäkel, Sie haben das Haus mit einem Umsatz von 2,2 Milliarden Euro (2012) übernommen – und 2014 lag dieser nur noch bei 1,7 Milliarden Euro. Hätten Sie damals gedacht, dass Sie so viel Schrumpfung managen müssen?
Also, jetzt mal langsam. G+J hat einen grundlegenden Transformationsprozess begonnen, das haben wir von Anfang an deutlich gesagt. Und wir haben ebenso deutlich gesagt, dass wir dabei ganz bewusst auf Umsatz verzichten – und zwar auf wenig profitablen Umsatz und solchen, der nicht zu unserer Zukunftsstrategie passt. Deshalb haben wir uns etwa vom Druckereigeschäft getrennt. Wir machen G+J damit für die Zukunft stärker. Und wenn wir auf die Zahlen des Jahres 2014 schauen, dann sehen Sie, dass unser Ergebnis bereinigt um das Druckereigeschäft auf dem Niveau des Vorjahres liegt. Und das, obwohl wir erheblich investiert haben.

Aus manchen europäischen Ländern hat sich G+J verabschiedet, die US-Druckerei verkauft, ebenso den Entertainment Media Verlag in München. Und in großen Redaktionen wie bei "Stern" und "Brigitte" gab es Kündigungen. Können Sie den Eindruck nachvollziehen, dass die Transformation von G+J vor allem aus Abbau, Rückbau und Sparprogrammen besteht?
Dieser Eindruck täuscht erheblich. Klar, mehr Effizienz und ein klareres Portfolio gehören zum Programm – und diese Maßnahmen haben vieles kommunikativ überlagert, damit haben wir gerechnet. Mindestens genauso wichtig ist aber, dass wir jedes unserer Hefte besser machen und in neue Hefte, neue Technik und neue, vor allem digitale Geschäfte investieren. In all diesen Bereichen haben wir in recht kurzer Zeit gute Fortschritte gemacht. Unser Spektrum reicht schon jetzt vom Magazin auf feinstem 300-Gramm-Papier bis hin zum intelligenten Digital-Vermarktungsalgorithmus.
Bertelsmann Zentrale Firmenschild
Bild: Foto: Bertelsmann

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Über Print reden Sie immer noch am liebsten, oder?
Ich rede gern über Journalismus und gern auch über gedruckten, ist daran etwas verkehrt? So gut wie jedes unserer Magazine ist heute besser als vor zwei Jahren. 2014 haben wir vier neue Titel lanciert, darunter mit "Flow" die erfolgreichste Neueinführung des Jahres. Zwei sind aus dem Stand profitabel. Welche Geschäfte schaffen das in anderen Branchen? Und auch in diesem Jahr werden wir neue Titel herausbringen. Bereits ein Drittel unserer Auflagen erzielen wir mit Heften aus der jüngeren Vergangenheit. Und wir erleben, wie Titel, die für eine Nische konzipiert wurden, sich weit darüber hinaus entwickeln. Neues schaffen und zum Wachsen bringen – das können wir bei G+J mittlerweile gut, und das werden wir thematisch noch breiter gefächert machen. G+J war 2014 einer der innovativsten Magazinverlage, und wir legen 2015 nach.

2014 lag das Umsatzminus bei 13 Prozent, organisch bei knapp 4 Prozent. Selbst falls Sie nun keine weiteren Aktivitäten mehr verkaufen: Woher sollen denn die ganzen Umsätze kommen, die das alles ausgleichen?
Es wird neue Titel geben, wir verstärken das digitale Publishing, die digitale Vermarktung, die Zusatzgeschäfte und unsere Kundenmediensparte Corporate Editors, die mittlerweile für zehn der Dax 30-Konzerne arbeitet. Wir setzen einerseits auf organisches Wachstum, auf den Ausbau von Vorhandenem und auch auf digitale Neugründungen. Und natürlich auf Akquisitionen, das ist selbstverständlich. rp

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