G20 und Hamburgs Medien "Abendblatt" will "nahezu rund um die Uhr berichten" / Sonderheft in Millionen-Auflage

Mittwoch, 28. Juni 2017
Das Cover der G20-Sonderbeilage des "Hamburger Abendblatts"
Das Cover der G20-Sonderbeilage des "Hamburger Abendblatts"
© Hamburger Abendblatt

Nicht nur bei der Polizei, auch bei den Hamburger Lokalmedien herrscht zum G20-Gipfel am 7./8. Juli der Ausnahmezustand. Der Countdown zum G-Day geht schon jetzt los. Das "Hamburger Abendblatt" verteilt an diesem Mittwoch ein Sonderheft – an alle Haushalte. Und auch am Gipfelwochenende will Chefredakteur Lars Haider den Heimvorteil ausspielen.

Über 1 Million Haushalte im Großraum Hamburg erhalten die 20-seitige Sonderausgabe des "Abendblatts" (Funke Mediengruppe). Die im Vergleich zu sonst versiebenfachte Auflage hat einige Anzeigenkunden angelockt. Beworben wird das Heft mit dem Slogan "AchtunG20! ZeitunG20!"

Am kommenden Freitag (7. Juli), Samstag (8. Juli) und Montag (10. Juli) erscheint die Zeitung dann mit jeweils bis zu 20 Gipfel-Sonderseiten. Für diese Ausgaben habe man bereits "politisch motivierte Anfragen für Anzeigen und Beilagen" erhalten, die man wie üblich vorher von der Rechtsabteilung prüfen lasse, sagt Dennis Rößler, Geschäftsführer von Funkes Norddeutschland-Zeitungsvermarkter Mediahafen Hamburg.
Das Cover der G20-Sonderbeilage des "Hamburger Abendblatts"
Das Cover der G20-Sonderbeilage des "Hamburger Abendblatts" (Bild: Hamburger Abendblatt)
Zu den Gipfeltagen "sind so gut wie alle Redakteure im Dienst", erklärt Chefredakteur Lars Haider. Man werde "nahezu rund um die Uhr berichten, stündlich sind Liveschaltungen zu den entscheidenden Orten geplant, am Sonntagabend gibt es einen Live-Talk zum Gipfel".

Drei Fragen müssen die Hamburger Medien dabei für sich klären:
(1) Inwieweit begrüßt man, dass sich die rund 10.000 Teilnehmer (darunter polarisierende Staatschefs wie Trump, Erdogan und Putin, Stäbe und Sicherheitsleute aus 35 Ländern plus Journalisten), 17.000 Polizisten aus allen Bundesländern und bis zu 100.000 Demonstranten unklarer Gewaltbereitschaft ausgerechnet in Hamburg gipfeln?
(2) Möchte man eher Anwalt und Sprachrohr sein der von Straßensperren und Hubschrauber-Dauerlärm genervten Hamburger? Oder als Vermittler erklären, warum das alles nötig sei?
(3) Auf was will man sich als Lokalredaktion konzentrieren: Aufs offizielle Gipfelprogramm? Auf den Glamour der Polit-Prominenz? Die Behinderung des Stadtlebens? Die Protest-Szene?

"Begrüßen ist das falsche Wort", sagt Haider. Allerdings: "Wir freuen uns, weil es für uns natürlich sehr viel zu berichten gibt." Und welche der zwei Rollen will das "Abendblatt" dabei einnehmen? "Beides ist wichtig", so der Chefredakteur: "Wir werden die Hamburger sowohl über die politischen Themen als auch über Straßensperrungen, Demonstrationen und weiteres informieren – lieber zu viel als zu wenig." Dabei wolle man sich "mit möglichst allen Aspekten beschäftigen". Und hofft darauf, der überregionalen oder gar internationalen Politikpresse auch mal ein Schnippchen schlagen zu können: "Selbstverständlich dürften wir zu vielen Bereichen andere Zugänge haben als Kollegen, die zum ersten Mal in der Stadt sind", sagt Haider mit Augenzwinkern. Und mit Blick auf Behörden- und Hotelpersonal. rp

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