G20 / "Hamburger Morgenpost" "Wenn Trump und Putin nachts noch ,Mexikaner‘ trinken, berichten wir auch das"

Donnerstag, 29. Juni 2017
Frank Niggemeier, Chefredakteur der Hamburger Morgenpost
Frank Niggemeier, Chefredakteur der Hamburger Morgenpost
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Nicht nur bei der Polizei, auch bei den Hamburger Lokalmedien herrscht zum G20-Gipfel am 7./8. Juli der Ausnahmezustand. Der Countdown zum G-Day geht schon jetzt los. Die "Hamburger Morgenpost" plant eine Aktion zu Trump. Und wenn der sich nachts mit Putin noch irgendwo am Tresen trifft, berichtet die "Mopo" natürlich auch darüber.

Das DuMont-Boulevardblatt will seine Druckauflage zum Gipfel leicht erhöhen, sagt Geschäftsführerin Susan Molzow. Und hat dabei mögliche logistische Behinderungen im Hinterkopf: "Wie alle anderen werden auch wir und unsere Vertriebsdienstleister zum Teil Einschränkungen durch Absperrungen haben. Hier und da, insbesondere im Umkreis der Sicherheitszone, kann es dazu kommen, dass einige Händler nicht oder nur verspätet beliefert werden können."

"Er macht Hamburg zur Festung": Eine Mopo-Titelgeschichte der Berichterstattung über den G20-Gipfel
"Er macht Hamburg zur Festung": Eine Mopo-Titelgeschichte der Berichterstattung über den G20-Gipfel (Bild: Hamburger Morgenpost)
Und die Redaktion? Werde in der kommenden G20-Woche "in größtmöglicher Stärke arbeiten", sagt Chefredakteur Frank Niggemeier. Sowohl die Print- als auch die Online-Produktion werde in mehreren Schichten erfolgen. "Mopo.de wird live und nahezu rund um die Uhr berichten", auch auf Facebook und Twitter. Für den kommenden Mittwoch plant er eine Aktion, bei der sich die Leser "zum amerikanischen Präsidenten positionieren" können. Drei Fragen müssen Hamburgs Medien generell für sich klären:
(1) Inwieweit begrüßt man, dass sich die rund 10.000 Teilnehmer (darunter polarisierende Staatschefs wie Trump, Erdogan und Putin, Stäbe und Sicherheitsleute aus 35 Ländern plus Journalisten), 17.000 Polizisten aus allen Bundesländern und bis zu 100.000 Demonstranten unklarer Gewaltbereitschaft ausgerechnet in Hamburg gipfeln?
(2) Möchte man eher Anwalt und Sprachrohr sein der von Straßensperren und Hubschrauber-Dauerlärm genervten Hamburger? Oder als Vermittler erklären, warum das alles nötig sei?
(3) Auf was will man sich als Lokalredaktion konzentrieren: Aufs offizielle Gipfelprogramm? Auf den Glamour der Polit-Prominenz? Die Behinderung des Stadtlebens? Die Protest-Szene?

"Grundsätzlich halten wir es für sinnvoll, dass G20-Treffen in demokratischen Staaten stattfinden – anders als 2016 in China", sagt Niggemeier. Da ein solcher Gipfel allein aufgrund der enormen Teilnehmerzahl nur in einer Großstadt durchführbar sei, kämen in Deutschland (hat in diesem Jahr die G20-Präsidentschaft) nur Hamburg, München und Berlin (wie 2004) infrage. Niggemeier: "Sicher ist, dass das G20-Treffen Hamburg für einige Tage in den Mittelpunkt des Weltinteresses bringen wird – welches Image dabei nach außen transportiert wird, hängt vom Verhalten und Auftreten aller Beteiligten ab."

Die "Mopo" will dabei über alle Aspekte berichten, über die Ergebnisse des Gipfels ebenso wie über Krawalle, Sperrungen, kreativen Protest und über die Anliegen der G20-Kritiker. "Und wenn Trump und Putin nachts noch 'Mexikaner' trinken, wird das genauso in der ,Mopo‘ und auf Mopo.de stehen." Schließlich gilt: "Hamburg ist unsere Heimat, anders als die überregionale Presse kennen wir hier jede Ecke." Dabei sei sein Blatt "wie immer Anwalt und Sprachrohr der Hamburger, ob nun genervt oder nicht", so Niggemeier. rp

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