G20 / Hamburg 1 "Wir sind keine Anwaltskanzlei, sondern ein unabhängiger privater Fernsehsender"

Donnerstag, 06. Juli 2017
Der Lokalsender Hamburg 1 hat einen Urlaubssperre verhängt
Der Lokalsender Hamburg 1 hat einen Urlaubssperre verhängt
Foto: Screenshot

Nicht nur bei der Polizei, auch bei den Hamburger Lokalmedien herrscht zum G20-Gipfel am 7./8. Juli der Ausnahmezustand. Der Countdown zum G-Day läuft. Beim privaten TV-Sender Hamburg 1 gilt Urlaubssperre – und bei Außeneinsätzen geht die Sicherheit vor.

Im Mittelpunkt stehen bei Hamburg 1 auch weiterhin Service-Infos für die Einwohner: „Inwieweit wird der Gipfel das Leben in der Stadt beeinflussen, und wie sollten sich die Hamburger Bürger verhalten?“ – darum geht es, sagt Geschäftsführer und Chefredakteur Michael Schmidt. Geplant sind Sondersendungen mit Publikumsbeteiligung, Call-in-Formate, Laufband-Ticker und das Bespielen sozialer Medien. Und für die Nachrichten gilt: „Kein Tag ohne G20-Berichterstattung.“ Während der Gipfeltage sind Liveschaltungen angedacht, soweit das die Umstände zulassen. „Aufgrund der zu erwartenden Auseinandersetzungen fühlt sich Hamburg 1 der Unversehrtheit der Mitarbeiter verpflichtet“, betont Schmidt.

Drei Fragen müssen Hamburgs Medien generell für sich klären:
(1) Inwieweit begrüßt man, dass sich die rund 10.000 Teilnehmer (darunter polarisierende Staatschefs wie Trump, Erdogan und Putin, Stäbe und Sicherheitsleute aus 35 Ländern plus Journalisten), 17.000 Polizisten aus allen Bundesländern und bis zu 100.000 Demonstranten unklarer Gewaltbereitschaft ausgerechnet in Hamburg gipfeln?
(2) Möchte man eher Anwalt und Sprachrohr sein der von Straßensperren und Hubschrauber-Dauerlärm genervten Hamburger? Oder als Vermittler erklären, warum das alles nötig sei?
(3) Auf was will man sich als Lokalredaktion konzentrieren: Aufs offizielle Gipfelprogramm? Auf den Glamour der Polit-Prominenz? Die Behinderung des Stadtlebens? Die Protest-Szene?

„Hamburg 1 begleitet den Gipfel mit der gebotenen redaktionellen Neutralität“, sagt Schmidt und ergänzt: „Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass ein solcher Gipfel in der Metropole Hamburg durchführbar sein muss.“ Befürworter und Gegner, Parteien und Senat, Sicherheitsbehörden und NGOs kämen im Programm ausgewogen zu Wort.

Durch die Fokussierung auf regionale Service-Themen rund um G20, wegen der Schmidt an den Gipfeltagen mit steigenden Zuschauerzahlen rechnet, will man die Berichterstattung über die offiziellen Veranstaltungen und die politischen Verhandlungen „als lokaler Fernsehsender auf das unbedingt Notwendige beschränken“. Auch Partei ergreifen mag man nicht. Schmidt: „Hamburg 1 ist keine Anwaltskanzlei, sondern ein unabhängiger privater Fernsehsender.“

Bereits erschienen in der Reihe „G20 und Hamburgs Medien“ sind Beiträge zum „Hamburger Abendblatt“, „Hamburger Morgenpost“, Radio Hamburg, zu den Springer-Titeln „Bild“ und „Welt am Sonntag“ Hamburg sowie zum NDR. rp

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