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Sporttotal.tv will das Sport-Streaming revolutionieren
Kurt Steinhausen

Fußball-Streaming Wie sich Sporttotal.tv entwickelt hat - und weiter wachsen soll

Sporttotal.tv will das Sport-Streaming revolutionieren
Zu Beginn des Jahres startete mit Sporttotal.tv ein ambitioniertes Streaming-Projekt im Amateurfußball. Bald wird das Portal der Sporttotal AG, das bislang deutsche Amateurfußballspiele überträgt, sein Spektrum deutlich erweitern: Nicht nur die Expansion ins Ausland ist geplant - auch andere Sportarten sollen gezeigt werden.
von Ingo Rentz, Dienstag, 10. Oktober 2017
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    Der Sprung nach Österreich ist bereits geschafft: Derzeit testet Sporttotal die Übertragung von Amateurligaspielen auf seiner eigenen Streaming-Plattform sowie auf der größten österreichischen Fußball-Plattform Fussballoesterreich.at. Dafür hat sporttotal.tv eine Kooperation mit dem Österreichischen Fußball-Bund (ÖFB) vereinbart. In den nächsten Wochen soll die Technologie allen Regionalliga-Vereinen vorgestellt werden. 

    Und damit nicht genug: Noch in diesem Jahr sollen erste Tests mit Vereinen aus Basketball, Handball und Volleyball starten, sagt Ben Lesegeld, bei der Sporttotal AG verantwortlich für Sporttotal.tv, "spätestens aber im 1. Halbjahr 2018". "Wir heißen ja nicht Fußballtotal.tv." Eine Testphase in einem deutschen Nachbarland war ebenfalls angedacht. Bislang jedoch ist Fußball das Metier des Kölner Unternehmens, das bis vor wenigen Wochen noch Wige AG hieß und als technischer Produktionsdienstleister für große Sportevents positioniert war. Die Umbenennung in Sporttotal soll zeigen, dass man die Zukunft im Streaming-Bereich sieht. 

    Bereits im vergangenen Jahr nahm sporttotal.tv den Betrieb auf: Das Portal zeigte Spiele aus deutschen Amateurligen, um dem niedrigklassischen Fußball zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. Herzstück ist eine von dem israelischen Start-up Pixellot entwickelte Kamera, die Sportereignisse komplett autark ins Netz überträgt. Ein Algorithmus sorgt dafür, dass die Kamera immer weiß, wo auf dem Feld gerade etwas passiert. Als Partner ist der Deutsche Fußball-Bund an Bord, der Sporttotal.tv an sein eigenes Amateurportal fussball.de anbindet. Mit der Deutschen Telekom, der Deutschen Post und der Allianz waren auch namhafte Sponsoren von Anfang an von dem Potenzial des Projekts überzeugt. Mit Springers Bild war zudem zum Start ein Medienpartner an Bord.
    Der Star von Sporttotal: Die Pixellot-Kamera
    Der Star von Sporttotal: Die Pixellot-Kamera (Bild: Kurt Steinhausen)
    Zur Rückrunde der Saison 2016/17 startete Sporttotal.tv Pilotphasen in den Bayernligen Nord und Süd sowie in der Oberliga Niedersachsen. Jüngst kam die Regionalliga West hinzu. Bis Ende des Jahres sollen alle Oberligen mit an Bord und 200 Kamera-Systeme in deutschen Amateur-Stadien installiert sein. Ende 2019 soll diese Zahl auf 3000 steigen. Mit der ersten Bilanz zeigen sich die Sporttotal-Macher zufrieden: "Im Mai hatten wir im Schnitt 15.500 Views pro Spiel", berichtet CEO Peter Lauterbach – nicht live, sondern sämtliche Zugriffe über Website, App und Facebook zusammengezählt. Zwar seien die Durchschnittswerte verzerrt, da manche Spiele viele Zuschauer hätten, während bei anderen nur eine Handvoll Menschen zusehe. Trotzdem: "Grundsätzlich sind wir mit diesem Ergebnis sehr zufrieden, weil es über unseren Erwartungen liegt", so Lauterbach. Auch in der Spitze können sich die Zahlen sehen lassen. Die Partie Meppen gegen Lübeck in der Regionalliga Nord am 5. März brachte es auf knapp 25.000 Live-Views. Insgesamt, also Live-Views und On-Demand-Zugriffe zusammen, liegt die Rekordmarke bei 280.000 Views, erzielt bei einem Spiel des TSV Aubstadt.
    Die Sporttotal.tv-Macher: Digitalchef Tobias Holtkamp, CEO Peter Lauterbach und Projektchef Ben Lesegeld (v.l.)
    Die Sporttotal.tv-Macher: Digitalchef Tobias Holtkamp, CEO Peter Lauterbach und Projektchef Ben Lesegeld (v.l.) (Bild: Kurt Steinhausen)
    Reicht das, um auch genügend Geld reinzuholen? Sporttotal hat das Projekt mit enormer Vorleistung auf die Beine gestellt. Eine Kamera kostet rund 10.000 Euro - die Vereine zahlen allerdings lediglich eine monatliche Gebühr von zehn Euro. Signifikante Erlöse sollen bislang allein über Werbung generiert werden. Lauterbach ist dennoch optimistisch: "Sporttotal.tv soll ab dem ersten Jahr profitabel sein", so der Sporttotal-CEO. "Aber bis die Investments in signifikanter Millionenhöhe amortisiert sind, dauert es einige Jahre."

    Durch den Zehnjahresvertrag mit dem DFB hat Sporttotal nicht nur eine Anbindung an fussball.de, sondern vor allem an alle 21 Landes- und Regionalverbände des weltgrößten Sportverbandes und die darin organisierten Vereine. Das heißt aber nicht, dass das Projekt bei allen Vereinsverantwortlichen auf Begeisterung stößt: Manch einer befürchtet, dass Stadion-Zuschauer durch die kostenlose Übertragung im Netz wegbleiben könnten. Auch die zusätzliche Reichweite für Sponsoren überzeigt nicht jeden: "Was interessiert es Bäckermeister Krause aus Bersenbrück, ob seine Werbebande in Göttingen übers Tablet flimmert?", klagte etwa Arminia-Hannover-Vorstand Frank Willig bei Spiegel Online.

    Bedenken, die in Köln ernst genommen werden – Grund zur Sorge gebe es allerdings nicht, versichern die Sporttotal-Macher: „Wir haben das in Bayern und Niedersachsen statistisch erhoben“, berichtet Lauterbach. "In einem Fall war die Zahl während einer Sporttotal.tv-Übertragung geringer, in der Mehrzahl der Fälle war das Publikum jedoch deutlich größer." Dies sei damit zu erklären, dass der Amateurfußball durch das bundesweite Streaming wieder mehr ins Gespräch komme, nicht zuletzt bei jungen Menschen, so Lesegeld.

    Die Konkurrenzsituation:

    Sporttotal geht sicher mit dem größten Druck in den Markt – niedrigklassigen Sport im Bewegtbild aufzubereiten, haben sich aber auch andere zur Aufgabe gemacht: Mit Soccerwatch startete jüngst ein weiterer Anbieter, der mit einem vollautomatischen Kamerasystem Amateurspiele ins Netz überträgt. Anfang 2018 soll das System bundesweit verfügbar sein, zu den Partnern gehört Vodafone. Schon länger im Markt ist die Online-Plattform FuPa.tv, die seit 2015 Highlights von Amateurspielen im Internet zeigt – erstellt von den Vereinen selbst. Die Pro-Sieben-Sat-1-Tochter 7Sports launchte kürzlich die App You-Sport, mit der Nutzer Highlightclips von Jugend- und Amateurspielen produzieren und online publizieren können.
    Wer ins Stadion gehen wolle, werde das aber auch weiterhin tun: "Die Kamera kann niemals das Vor-Ort-Erlebnis ersetzen", sagt Lesegeld. "Man geht ja nicht nur zum Fußballplatz um die Ecke, um sich ein Spiel anzusehen. Man trifft dort auch auf sein soziales Umfeld. Die persönliche Bindung der Zuschauer zum Amateursport ist viel höher als im Profibereich." Diese Nähe gebe es einige Ebenen höher nicht mehr, gibt Tobias Holtkamp, Senior Vice President Digital Media bei Sporttotal, zu bedenken: "Wenn die Leute die irrsinnigen Summen im Profibereich sehen, wie weit da vieles mittlerweile weg ist, bekommen sie vielleicht erst recht Lust auf ehrlichen Fußball, wo es noch nach Rasen und Bratwurst riecht." ire

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