Funke Mediengruppe Weitere Zukäufe und neue Allianzen - die Agenda des Manfred Braun

Freitag, 06. Oktober 2017
Funke-Chef Manfred Braun
Funke-Chef Manfred Braun
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Reagiert die Verlagsbranche angemessen auf die Umwälzungen im Werbemarkt, geschieht schon genug? Mitnichten, kritisiert Manfred Braun, Kopf der Funke Mediengruppe, und fordert radikale Schritte: "Für mich steht außer Frage, dass wir in der Werbevermarktung zu völlig neuen Konstrukten kommen müssen. Die Verlage brauchen eine gemeinsame starke Plattform, auf der sie möglichst auch mit anderen Gattungen kooperieren."

Im Gespräch mit HORIZONT Online nimmt Braun auch Stellung zu möglichen Zukäufen, der Bedeutung von Werbewirkungsforschung und sein Verhältnis zu den Gesellschaftern. Das sind die wichtigsten Punkte:

1. Funke ist bereit für weitere Akquisitionen

Spätestens seit dem Kauf der Regionalzeitungen und Zeitschriften wie "Hör zu" von Axel Springer ist die Funke Mediengruppe der große Treiber, wenn es um die Konsolidierung in der deutschen Verlagsbranche geht. In diesem Jahr kamen noch mal "Myself" (Condé Nast) und "Donna" (Burda) dazu. War es das dann? Nein, im Gespräch mit HORIZONT Online macht Braun klar, weiter zukaufen zu wollen. Geht es dabei um einzelne Titel oder sind auch Übernahmen und Zusammenschlüsse im großen Stil denkbar? Braun: " Ich möchte da überhaupt nichts ausschließen. Entscheidend ist für uns: Wir wollen weiter wachsen!  Und wir machen das nicht, um als Sponsoren aufzutreten, sondern weil wir davon überzeugt sind. Mit unseren bisherigen Zukäufen sind wir ja nachweislich sehr gut gefahren."

2. Braun fordert einen neuen "Super-Vermarkter"

Vergangene Woche schreckte Jürgen Blomenkamp, Chef der Mediaagentur-Gruppe Group M, die Branche auf: "Die deutschen Medienhäuser müssen radikal umdenken. Die einzige Möglichkeit, dem Trend Richtung Google und Co etwas entgegenzusetzen, ist der Aufbau eigener relevanter und skalierbarer Plattformen. Passiert das nicht, wird es absehbar sehr schwierig für die deutschen Vermarkter."

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Braun plädiert schon seit über einem Jahr für größere Vermarktungseinheiten - und sieht sich durch die aktuellen Entwicklungen im Werbemarkt darin bestätigt: "Die Zeit der reinen Verlags-Vermarkter läuft ab. Nicht weil sie schlecht sind oder faul, sondern weil wir einfach eine eklatante Fehlaufstellung haben. Wir verlieren schneller Marktanteile als Reichweite. Warum ist das so? Bevor ein anderer Verlag die Anzeige bekommt, reißen wir lieber den Preis runter. Das ist angesichts der herrschenden Wettbewerbssituation doch ein Irrsinn."

Ein gemeinsamer Vermarkter für Zeitungen und Zeitschriften wäre dabei aber nur ein erster, "sehr notwendiger" Schritt. Braun: "Die nächste Frage ist: Wie könnte eine Plattform aussehen, in der nicht nur die Verlage ihr Angebot bündeln, sondern weitere Mediengattungen dazukommen?" Kämen für einen solchen Vermarkter auch TV, Out of Home und anderen Gattungen in Frage? Braun: "Selbstverständlich! Für mich steht außer Frage, dass wir in der Werbevermarktung zu völlig neuen Konstrukten kommen müssen. Die Verlage brauchen eine gemeinsame starke Plattform, auf der sie möglichst auch mit anderen Gattungen kooperieren. Wenn Sie sich die aktuelle Marktentwicklung ansehen, ist ein solcher Schritt nur logisch."

„Bevor ein anderer Verlag die Anzeige bekommt, reißen wir lieber den Preis runter. Das ist angesichts der herrschenden Wettbewerbssituation doch ein Irrsinn.“
Manfred Braun
Bleibt die Frage, wie schnell solche Projekte vorangetrieben werden können. Was das betrifft, gibt sich der Funke-Chef eher zurückhaltend: "Natürlich kann man fragen: Warum geht das nicht alles schneller? Als meine Tochter klein war, sagte sie immer: "Kann alleine!". In diesem Zustand befindet sich unsere Industrie aktuell wohl noch, wahrscheinlich ist die wirtschaftliche Lage der Medienhäuser einfach noch zu gut." Und weiter: "Ich hoffe, dass wir nicht erst durch ein tiefes Tal der Tränen gehen müssen. Es ist ja häufig so, dass die Menschen erst dann bereit sind, etwas zu ändern, wenn die Not groß genug ist."

3. Braun will GiK weiter stärken

Es ist durchaus erstaunlich, wie sich in der Branche der Blick auf Print gerade ändert - zumindest in Ansätzen. Angesichts von Fake News, Hate Speech und Social Bots geraten die Vorzüge von Zeitungen und Zeitschriften wieder stärker in den Blickpunkt. Vergangene Woche veranstaltete mit Group M ein Media-Network sogar einen "Print Summit", zu dem rund 250 Leute kamen, darunter auch Werbungtreibende.

Von einer Renaissance von Print zu sprechen wäre vermessen, viel aber spricht dafür, dass sich Investitionen in Gattungsmarketing und Werbewirkungsforschung durchaus lohnen können. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Gesellschaft für integrierte Kommunikationsforschung (GiK), ein Gemeinschaftsprojekt der Medienhäuser Axel Springer, Bauer, Funke, Gruner + Jahr und Burda.

GiK habe "eine eminent hohe strategische Bedeutung für die Verlage", so Braun. "Wir müssen da noch viel mehr Kraft und Engagement investieren." Das Schöne an der GiK sei auch, "dass wir Verlage hier schon mal ausprobieren können, wie gut die Zusammenarbeit in der Praxis wirklich funktioniert. Ist der Freund an meiner Seite wirklich mein Freund? Man darf ja nicht unterschätzen, was es bedeutet, wenn Konkurrenten, die sich sonst schon mal heftig beharken, plötzlich gemeinsam für eine Sache kämpfen."

4.  Was Braun zur neuen AR-Chefin Julia Becker sagt - und zu seiner eigenen Zukunft

Anfang 2018 übernimmt Julia Becker, die Tochter der Haupt-Gesellschafterin Petra Grotkamp, den Aufsichtsratsvorsitz bei Funke. Wird sie absehbar auch die operative Führung des Hauses übernehmen? Braun: "Es ist geklärt, dass keine der drei Gesellschafter-Familien ins operative Geschäft einsteigt. Julia Becker führt bald den Aufsichtsrat. Das ist eine sehr umfassende und verantwortungsvolle Aufgabe."

Es sei " großartig, dass die Nachfolge geregelt ist und die neue Generation sich so engagiert  für das Unternehmen einsetzt. Das ist ja nicht selbstverständlich und eine sehr, sehr gute Nachricht für Funke." Sein eigenes Verhältnis zu den Gesellschaftern beschreibt Braun als "sehr eng und sehr entspannt": "Das ist bei Familiengesellschaften ja ganz anders als bei Aktiengesellschaften. Man pflegt andere Umgangsformen, alles ist natürlicher, netter und direkter. Das ist natürlich sehr schön." js

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