Funke Mediengruppe Rolf Bollmann bleibt in der Schweiz

Freitag, 30. Mai 2014
Rolf Bollmann tritt seinen Job bei der Funke Mediengruppe nicht an
Rolf Bollmann tritt seinen Job bei der Funke Mediengruppe nicht an


Rolf Bollmann, designierter Geschäftsführer der Tageszeitungen der Funke Mediengruppe, tritt seinen neuen Job in Essen nicht an. Das Medienhaus bestätigte entsprechende Medienberichte. Über die Gründe wird eifrig spekuliert. Der als harte Sanierer bekannte Schweizer hätte ab August die Verantwortung für die Tageszeitungen der Funke Mediengruppe in Nordrhein-Westfalen übernehmen sollen. Doch dazu wird es nun nicht mehr kommen. Bollmann habe "aus persönlichen Gründen" um eine Auflösung seines Vertrages gebeten. "Wir bedauern das sehr und schicken alle guten Wünsche nach Basel. Natürlich sind wir nicht glücklich über diese Entwicklung, die für Herrn Bollmann nicht absehbar war", heißt es in einer Mitteilung der Funke-Geschäftsführung an die Mitarbeiter. Man habe aber bereits "konkrete Vorstellungen", wie es weitergehe und werde "sehr bald" darüber informieren.

Zu den Gründen für die Entscheidung von Bollmann gibt es unterschiedliche Lesarten: Offiziell werden "persönliche Gründe" ins Feld geführt. Die "Süddeutschen Zeitung" spekuliert indes, dass der Manager aus politischen Gründen nicht durchsetzbar war. Bollmann fungiert derzeit als CEO der "Basler Zeitung". Die einst liberale Traditionszeitung hat eine politische Kehrtwende hinter sich, seitdem der rechtspopulistische Unternehmer und Politiker Christoph Blocher den Verlag unter seine Kontrolle gebracht hat. Dass es gegen Bollmann daher vor allem bei dem als SPD-nah geltenden Funke-Flaggschiff "WAZ" Vorbehalte gab, liegt auf der Hand. Die Gesellschafter der Funke Mediengruppe hätten daher seine Kündigung noch vor Dienstantritt beschlossen, berichtet die "SZ".

Nicht gerade hilfreich dürften auch die Aussagen des ehemaligen Profi-Fußballers (Spitzname "Eisenfuß") in einem Interview mit dem Schweizer Medienportal Persoenlich.com gewesen sein, in dem er sich abfällig über Journalisten geäußert hatte: "Wenn die Leser wüssten, welche zum Teil widerliche Figuren im Journalismus rumturnen und was für Taugenichtse solche Artikel schreiben, dann kämen bei ihnen einige Fragezeichen auf. Und sie würden sich mehr Gedanken machen, ob sie diesen Mist glauben sollen."

Funke muss sich nun also schnell nach einem Ersatz für Bollmann umsehen. Um weitere Einschnitte werden die Tageszeitungen der Funke Mediengruppe allerdings kaum herumkommen - unabhängig davon, wer sie exekutiert. dh
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