Funke Mediengruppe Konzern gerät durch Parteispenden unter Rechtfertigungsdruck

Donnerstag, 14. April 2016
Die Essener Mediengruppe hat insgesamt 15.000 an die CDU überwiesen
Die Essener Mediengruppe hat insgesamt 15.000 an die CDU überwiesen
Foto: Funke Mediengruppe

Selbstverschuldet bringt sich die Funke Mediengruppe in den Ruch parteipolitischer Abhängigkeit. Wie die Internetplattform Abgeordnetenwatch.de berichtet, hat der Essener Konzern im Jahr 2014 insgesamt 15.000 Euro an die CDU gespendet.
Parteipolitische Zugehörigkeiten gehören zur DNA der Funke Mediengruppe. Ihre Gründer waren der Sozialdemokrat Erich Brost und der Konservative Jakob Funke. Der eine saß einst für die SPD im Danziger Parlament und floh 1936 vor den Nazis, der andere arbeitete in der Nazizeit als Hauptschriftleiter beim "Essener Anzeiger". Gemeinsam erhielten sie von den Briten 1948 die Lizenz für die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung", die bis vor wenigen Jahren Namensgeber der in Funke umbenannten WAZ-Gruppe war. Das Unternehmen beruhte auf einem System aus "Checks and Balances". Den beiden Gesellschafterstämmen aus Brosts und Funkes Nachkommen gehörte die WAZ-Gruppe zu je fünfzig Prozent, was bei wichtigen Entscheidungen Einstimmigkeit voraussetzte und letztlich zu gegenseitigen Dauerblockaden führte. Mit der mehrheitlichen Übernahme durch die Funke-Tochter Petra Grotkamp im Jahr 2012 hat sich das geändert.

Parteispenden der Gesellschafter waren seit jeher gang und gäbe. Große Aufmerksamkeit erfuhr jene des 2007 gestorbenen Erich Schumann an Helmut Kohl. Obgleich SPD-Mitglied und einst rechtlicher Berater Willy Brandts, half der Brost-Adoptivsohn dem Altkanzler nach der Schwarzgeldaffäre mit einer Spende über 800.000 DM.

Die nun dank Abgeordnetenwatch.de bekannt gewordene Spende von 15.000 Euro an die CDU wirkt dagegen mickrig, überrascht aber umso mehr, da sie nicht von einem der Gesellschafter als Privatperson gezahlt wurde. Absender ist die Funke Mediengruppe selbst. Entsprechend unangenehm ist die Sache für die Journalisten der Zeitungen, von "WAZ" bis "Hamburger Abendblatt", von "Berliner Morgenpost" bis "Braunschweiger Zeitung", mitsamt der Funke Zentralredaktion. Dem Vernehmen nach erfuhren sie von der Spende via Twitter. Der Vorgang setzt sie unter Rechtfertigungsdruck. Unisono betonen sie, trotz der Parteispende ihres Unternehmens parteipolitisch unabhängig arbeiten zu können.

Tobias Korenke, Sprecher der Funke Mediengruppe, bestätigt HORIZONT die Parteispende. Er sagt, sie setze sich aus mehreren kleinen Summen zusammen und sei an "verschiedene lokale Verbände der CDU" gegangen, die sich "addiert insgesamt auf eine Summe von 15.000 Euro beliefen". Ergänzend relativiert Korenke den Vorgang durch den Hinweis, "auch lokale Einheiten anderer demokratischer Parteien wurden im Jahr 2014 unterstützt". Intention sei "die Stärkung der demokratischen, politischen Kultur auf lokaler Ebene". Genauere Angaben über die Empfänger und die jeweiligen Spendenhöhen vermochte Korenke nicht zu liefern. Sollten tatsächlich auch andere Parteien darunter sein, erhielten sie jedenfalls deutlich weniger als die CDU. Nur bei dieser Partei überstiegen die Spenden die Gesamtsumme von 10.000 Euro, zu deren Veröffentlichung Parteien verpflichtet sind.

Welcher der Gesellschafter die Zahlungen im Namen der Funke Mediengruppe veranlasst hat, war von Korenke nicht zu erfahren, also auch nicht, ob es möglicherweise Stephan Holthoff-Pförtner war. Der Adoptivsohn der 2011 gestorbenen Funke-Tochter Gisela Holthoff, öffentlich bekannt als Strafverteidiger seines Freundes Helmut Kohl in der CDU-Spendenaffäre, wurde nach dem Tod des Politikers Philipp Mißfelder vorigen Sommer Schatzmeister der CDU in Nordrhein-Westfalen. usi
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