Funke Mediengruppe Geschäftsführer Manfred Braun bleibt Essen treu

Mittwoch, 22. März 2017
Funke-Chef Manfred Braun
Funke-Chef Manfred Braun
Foto: Funke

Warum macht er ein Sabbatical anstatt seinen Vertrag zu verlängern? Setzt sich der 64-Jährige zur Ruhe? Muss er gar gehen? Und wer folgt ihm? So tuschelte die Branche in den vergangenen Monaten über Manfred Braun, seit fünf Jahren einer von zwei Geschäftsführern der Essener Funke Mediengruppe. Tatsache ist: Manfred Braun verlängert seinen Vertrag. Die Frage ist nur, für wie lange.

Manfred Braun wirkt wieder entspannt. Vor ein paar Monaten war das anders. Da nagte an dem Funke-Manager der öffentliche Protest mehrerer großer Verlage gegen die Art, wie Stephan Holthoff-Pförtner, immerhin einer seiner Gesellschafter, als VDZ-Präsident inthronisiert wurde. Und dann traten die Kritiker auch noch aus dem Fachbereich Publikumszeitschriften aus – seinem Fachbereich, dessen Vorstandschef Braun ist.


Damit nicht genug, musste er sich anhören, angeblich nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Das verletzte ihn am meisten, verlautet aus seinem direkten Umfeld. Anfang des Jahres hieß es dann plötzlich, Braun sei verschwunden, seit Wochen schon, mache ein Sabbatical, Genaueres wisse man nicht. Was bedeutete das für seine überfällige Vertragsverlängerung?

Seit 2007 arbeitet Braun für die Funke-Gruppe, die damals noch WAZ hieß. Anfangs räumte er das Zeitschriftengeschäft gründlich auf und erhöhte spürbar die Rendite. Seit April 2012 ist er für den gesamten Konzern zuständig, gleichberechtigt neben Michael Wüller.

Schon machten Gerüchte die Runde, wer Braun folgen könnte, was hinter der offensiv zur Schau getragenen Männerfreundschaft zu seinem einstigen Widersacher Philipp Welte stecken könnte. Alles Quatsch – Manfred Braun bleibt Funke vorerst erhalten.
Manfred Braun
Bild: Funke

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Am Montag, bei einer Party, die der Essener Zeitungskonzern für seine Berliner Zentralredaktion schmiss, schien Braun wie befreit von den Lasten der vergangenen Monate. 200 Gäste waren da, eine Mischung aus prominenten Medienmachern, der Berliner und der Bundespolitik, dazu die Chefredakteure fast aller Funke-Blätter. Auch Holthoff-Pförtner war da, dazu die Tochter der Funke-Haupteignerin Petra Grotkamp, Julia Becker. Mit ihr, die im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzt, unterhielt sich Braun besonders angeregt.

Kein Wunder, man ist sich über die Verlängerung des Vertrags einig. Ein paar Details fehlen noch, etwa die Vereinbarung über Brauns neue Vertragslaufzeit. In diesem Jahr wird er 65. Er müsste nicht mehr arbeiten, aber er will. Das wurde ihm klar in den sechs Wochen Auszeit, die er sich gegönnt hat. Es gibt da noch einiges, das er erledigen will, wobei natürlich fraglich ist, ob ein Verlagsmanager je an den Punkt gelangt, alles erledigt zu haben. Funke hat sich unter Braun gewandelt: von der als provinziell belächelten Essener WAZ-Gruppe, deren Gesellschafter sich gegenseitig blockierten, zum bundesweit beachteten Zeitungskonzern, der den mehr als 900 Millionen Euro teuren Kauf von Springers Regionalblättern verkraftet hat. 2016 löste Funke alle Verpflichtungen gegenüber der Axel Springer SE vorzeitig ab. Auch dank der wenig aufs Image, dafür umso mehr in die Bilanz einzahlenden Zeitschriften. Und dann ist da die Zentralredaktion, derer sich Funke rühmt und zu deren Partys Leute kommen, von denen der Essener Konzern früher nur träumen konnte.

Als Nächstes will Braun die Regionalzeitungen lokal tiefer verankern. Dafür macht er sich die Marktforschung zunutze, der er heute noch mehr Bedeutung schenkt als in den 36 Jahren, in denen er zuvor für Bauer gearbeitet hat. Last but not least will er seine eigene Nachfolge regeln. Vorher aber gilt zu klären, wer Manfred Braun an die Spitze des VDZ-Fachbereichs Publikumszeitschriften folgt. Anfang kommender Woche berät sich der Vorstand. usi

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