Funke-Manager Harald Wahls "Wir brauchen Google News nicht"

Freitag, 04. Juli 2014
Harald Wahls ist Geschäftsführer der "Braunschweiger Zeitung" (Foto: Unternehmen)
Harald Wahls ist Geschäftsführer der "Braunschweiger Zeitung" (Foto: Unternehmen)


Klare Kante gegen Google: Harald Wahls, Geschäftsführer der "Braunschweiger Zeitung" und für die nationale Vermarktung der Funke Mediengruppe zuständig, fordert von den Verlegern mehr Selbstbewusstsein. Die Branche sollte mehr über neue Geschäftsmodelle im Internet nachdenken, anstatt nur auf Reichweite und Suchmaschinenoptimierung zu vertrauen. Die "Braunschweiger Zeitung" lässt ihre Artikel daher nicht mehr bei Google News anzeigen - und wächst online trotzdem kräftig. "Wir haben Google News schon vor 18 Monaten beim Relaunch unserer Website abgeschaltet", verrät Wahls im Interview mit HORIZONT. Das Experiment war mit der Funke Mediengruppe abgestimmt. "Wichtig war, dass wir parallel zum Ausstieg bei Google News eine massive Marketingkampagne gestartet haben. Als regionaler Zeitungsverlag haben Sie die Möglichkeit, über Ihre Radiosender, Anzeigenblätter und die eigene Zeitung für ihre Online-Inhalte zu werben. Das hat hervorrragend funktioniert, wie haben die Visits um 27 Prozent und die PIs um 74 Prozent gesteigert. Heute wissen wir: Wir brauchen Google News nicht!"

Auch im Bereich Paid Content gibt sich der Manager selbstbewusst. Seit Anfang Juli verbirgt sich das Online-Angebot der "Braunschweiger Zeitung" komplett hinter einer Paywall. Bislang hatte die Tageszeitung auf ein Metered-Freemium-Modell gesetzt - allerdings stießen nur 6 Prozent der User überhaupt an die Bezahlschranke. "In Wahrheit ist es doch so, dass die Leser über das Löschen von Cookies und über Suchmaschinen die Paywalls der Zeitungen einfach umgehen können. Unsere Branche sollte aufhören, sich selbst etwas vorzumachen", fordert Wahls. Die meisten Erfolgsgeschichten in Sachen Paid Content seien reine Augenwischerei. Entweder es werde gar nicht oder nur sehr wenig bezahlt.

Wahls fordert von der Branche daher insgesamt mehr Selbstbewusstsein - auch vor dem Hintergrund des massiven Preisverfalls bei Display-Advertising: "Das ist ein weiteres Argument dafür, seine Online-Strategie nicht komplett auf Google-getriebene Reichweiten auszurichten, sondern mutig über andere Modelle nachzudenken. js

Das komplette Interview mit Harald Wahls lesen Sie in der aktuellen Ausgabe 27/2014 von HORIZONT.
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