Funke-Chef Braun zum Grosso-Gefeilsche "Too big to fail – das dürfen wir nicht zulassen"

Donnerstag, 12. Oktober 2017
Funke-Chef Manfred Braun
Funke-Chef Manfred Braun
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Manfred Braun VDZ Verlagslager Kostensenkung


Bitte keine Gerichte: Vor der nächsten Grosso-Verhandlungsrunde mäßigt Manfred Braun das eigene Verlagslager. „Kostensenkung kann nicht alles sein“, sagt der Funke-Geschäftsführer beim VDZ Distribution Summit. Und warnt vor einem bestimmten Szenario.

In jenen Monaten, in denen Verlage und Grosso-Verband alle fünf Jahre um die künftigen Konditionen im Pressevertrieb feilschen, gelten stets ganz eigene Gesetze der Kommunikation und der Diplomatie. Jeder öffentliche Halbsatz ist schon eine Botschaft, ebenso jedes Schweigen. Interessant ist, dass Braun am Donnerstag in Hamburg mehr Appelle ans eigene Lager richtet als ans Grosso. Bevor die Print-Delegation am 20. Oktober mit dem Grosso-Verband weiterverhandelt, scheint es also auch zwischen den Verlagen noch Bedarf zu geben beim Erwartungsmanagement. Oder signalisiert Braun den Grossisten Entgegenkommen? Wahrscheinlich beides.

Natürlich müsse das Grosso einige Teilmärkte effizienter bearbeiten; natürlich müssten die Kosten sinken (für beides schlägt er gemeinsame Außendienste von Verlagen und Grossisten vor) – und natürlich seien weitere Grosso-Zusammenschlüsse nötig, benennt Braun eher unstrittige Punkte. Und macht sich schließlich ein Grosso-Argument zu eigen: „Bloß weniger und größere Grossisten können unsere Probleme nicht lösen, Qualität ist mindestens so wichtig.“ Mit Blick auf die Vertriebsmärkte in den USA, England und Spanien, wo nach etlichen Konkursen wohl zu wenige und ausgeblutete Zwischenhändler einen Teil der dortigen Vertriebsmisere verursachen, sagt Braun: „Too big to fail – eine solche Fehlentwicklung dürfen wir hier nicht zulassen.“

Auch bei der Frage möglicher Differenzierungen bei Leistungsumfang und Kostenbeteiligung zeigt Braun Verständnis für die Grosso-Position: „Ein Verlag, der bestimmte Zusatzservices will, sollte dafür mehr bezahlen.“ Außerdem fordert der Funke-Chef vom eigenen Lager eine „sorgfältigere Mengenplanung bei Neueinführungen“, anstatt den Handel mit Heften zu überfluten.

Denn der Platz für Presse im Einzelhandel ist (bestenfalls) gleichbleibend, zumindest ist er begrenzt – und immer mehr neue Zeitschriften drängen hinein, pro Jahr netto rund 100. Hier appelliert Braun (wie schon 2011) an Grossisten und Verlage gleichermaßen, sich auf bessere Markteintritts- und Austrittsregeln zu einigen. Und speziell an die Verlage, sich wenigstens schon einmal an die bestehenden Regeln zu halten: „Das Verkaufsregal darf nicht zum Lagerregal werden – sonst wird unsere Vertriebsfreiheit zur Unfreiheit und unseren Markt zerstören.“ Brauns Schlusssatz zeigt die Brisanz der Verhandlungslage: „Lassen Sie uns gemeinsam nach Lösungen suchen! Lassen Sie uns alles tun, dass diese Fragen nicht vor Gericht geklärt werden müssen!“

Zuvor hatte beim VDZ Distribution Summit auch Condé Nast-Geschäftsführer Moritz von Laffert die Bedeutung des Einzelhandels betont: „Der PoS wird zum PoE“, zum Point of Experience. Auch (aber nicht nur) dort schaffe ein Verlag wie Condé Nast, der als „Matchmaker“ Menschen und Marken zusammenbringe, „Begegnungspunkte für Brand Experience und Brand Service“. Insofern sei Vertrieb für ihn „nicht nachgelagerte Logistik, sondern zielgerichtete Feinmechanik“. rp

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