Funke / Media Partisans "Wir haben in einen ambitionierten Wachstumsplan investiert"

Donnerstag, 10. November 2016
Peter Schilling (l.), einer der Gründer der Media Partisans, und Tobias Oswald, Geschäftsführer Funke Digital, machen künftig gemeinsame Sache
Peter Schilling (l.), einer der Gründer der Media Partisans, und Tobias Oswald, Geschäftsführer Funke Digital, machen künftig gemeinsame Sache
Foto: Funke

Als die Funke Mediengruppe im Jahr 2014 Axel Springer für 500 Millionen Euro seine Regionalzeitungen und Zeitschriften abgekauft hat, fanden das viele, nun ja, ganz schön heftig. Mittlerweile sind die Titel in das Essener Verlagsimperium integriert, und Geschäftsführer Manfred Braun scheint ziemlich zufrieden zu sein mit dem Erfolg. Vor zwei Wochen dann der nächste Aufreger: Funke holt sich die Mehrheitsbeteiligung an Media Partisans, dem Unternehmen, dass hierzulande vor allem mit dem anstrengenden, aber extrem gut besuchten Portal Heftig bekannt geworden ist. Der nächste geniale Trick der Essener?
 
Im Interview mit HORIZONT sprechen Tobias Oswald und Peter Schilling nun über ihre gemeinsame Zukunft, Wachstumsschmerzen und erfolgreichen Digitaljournalismus.
Herr Oswald, was hat die Funke Mediengruppe dazu bewogen, ausgerechnet bei Media Partisans einzusteigen? Oswald: Die Funke Mediengruppe und allen voran mein Kollege, Funke-Digitalchef Stephan Thurm, haben die Entwicklung der Media Partisans von Anfang an interessiert beobachtet und in den vergangenen zweieinhalb Jahren gab es immer wieder Kontakt. Wir haben uns in dieser Zeit intensiv mit den Themen und dem Marktumfeld beschäftigt und gesehen, dass die beiden Gründer Peter und Michael in der Lage sind, das Unternehmen herausragend zu entwickeln. Aus interner Sicht ist unser Einstieg deshalb keine Überraschung, sondern folgerichtig und ein stimmiges und wichtiges zukunftsweisendes Investment.


Warum haben Sie zweieinhalb Jahre abgewartet? Sind Sie sich nicht einig geworden über den Preis? Oswald: Wie gesagt, es gab immer wieder Gespräche mit den Gründern. Wir fanden die Arbeit der Media Partisans vielversprechend, es gab aber durchaus Unsicherheiten: Wir konnten uns damals nicht vorstellen, dass das Unternehmen eine solche Dynamik entwickeln wird, und heute einer der wesentlichen Player im Markt ist. In diesem Punkt haben sich unsere Zweifel also längst gelegt. Und natürlich mussten auch Peter und Michael als Gründer davon überzeugt sein, dass die Konstellation mit Funke stimmig ist und beiden Partnern weiterhilft. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für den gemeinsamen Weg gekommen.


Herr Schilling, Sie haben eine unglaubliche Erfolgsgeschichte hingelegt und eigentlich wirkte es bislang so, dass Sie ganz gut alleine klar kommen. Warum nun jetzt doch die Zusammenarbeit mit der Funke Mediengruppe? Schilling: Wir sind in der Tat sehr schnell gewachsen: Im ersten Jahr kam die Vertikalisierung, im zweiten die Internationalisierung, in diesem Jahr liegt unser Schwerpunkt auf Video. Wir sind also sicher gut darin, ein Start-up und immer neue Angebote aufzubauen. Dennoch sind wir mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem wir von den Erfahrungen, dem Background und den Ressourcen einer großen Mediengruppe profitieren können. Wir sehen sowohl Content- als auch Businessseitig eine ganze Menge Potenzial. Wir sind aktuell 65 Mitarbeiter und wir wachsen zügig. Es kommen also neue Anforderungen auf uns zu und wir wollen sicherstellen, dass wir uns auf die Produktentwicklung fokussieren können, ohne uns mit Wachstumsschmerzen zu verfransen.
Michael Glöß ist mit Peter Schilling Chef der Media Partisans und bleibt ebenfalls an Bord
Michael Glöß ist mit Peter Schilling Chef der Media Partisans und bleibt ebenfalls an Bord (Bild: Funke)

Sie wollen weder über den Kaufpreis noch über die Anteile, die Funke an Media Partisans besitzt, sprechen. Aber wer von Ihnen hat ganz konkret operativ das letzte Wort, wenn aktuell Entscheidungen anstehen? Tobias Oswald: Wir haben natürlich in einen ambitionierten Wachstumsplan investiert und nicht in die Aufrechterhaltung des Status quo. Das hätten wir nicht getan, wenn wir nicht an die beiden Gründer glauben würden. Deshalb wollen wir ihnen alle Voraussetzungen geben, damit ihr Unternehmen sich erfolgreich weiterentwickeln kann – denn das ist das, was wir erwarten.

Peter Schilling: Funke ermöglicht uns die größtmöglichen Freiheiten, auch wenn wir uns natürlich immer eng absprechen. Wir wollen weiter wachsen und unsere Erfolgsgeschichte weiter fortschreiben. Es ist hilfreich, wenn wir an manchen Stellen auf die Stärken und Erfahrungen der Mediengruppe zurückgreifen können.


Wie sind Ihre Pläne für 2017? Schilling: Ein ganz wichtiges Thema ist die Monetarisierung unserer Video-Reichweite.  Momentan verdienen wir mit der Hälfte unseres Inventars noch gar kein Geld, weil wir diese Reichweite komplett auf Facebook, also komplett innerhalb der Plattform, aufgebaut haben. Wir reden hier von rund 3 Milliarden Video-Views im 3. Quartal. Das ist ein enormes Potenzial, aber wir brauchen komplett andere Strukturen als in der Display-Vermarktung, die wir erst aufbauen müssen.


Facebook arbeitet bereits an Monetarisierungsmöglichkeiten für den Videobereich. Wie beurteilen Sie den Fortschritt? Schilling: Die Möglichkeiten werden kommen, stecken aber definitiv noch in den Kinderschuhen. Wir zielen aktuell vor allem auf Sponsored Video Posts ab, die Facebook seit geraumer Zeit ermöglicht. Die Einbindung von Markenartikeln und Dienstleistern in nützliche Videos verschafft ihnen in kürzester Zeit eine enorme Bekanntheit.


Was funktioniert im Bereich Video grundsätzlich gut? Schilling: Am wichtigsten ist, dass das Video ein Problem des Nutzers löst, dass er es als informativ oder unterhaltend empfindet. Man braucht relevanten Inhalt. Videos müssen ohne Ton funktionieren, das ist mittlerweile klar, in den ersten Sekunden muss sich bereits Entscheidendes abspielen, so dass der User hängen bleibt. Was die Länge betrifft, hieß es immer, je kürzer desto besser, das hat sich mittlerweile etwas relativiert, sodass eine oder eineinhalb Minuten durchaus okay sind. Einen langen Spielfilm schaut sich auf Facebook natürlich keiner an.
Beiträge für das Angebot Leckerschmecker.me produzieren die Media Partisans im eigenen Studio
Beiträge für das Angebot Leckerschmecker.me produzieren die Media Partisans im eigenen Studio (Bild: Funke)
Was die Inhalte betrifft drängt sich aktuell noch der Eindruck auf, dass sich die Funke Mediengruppe und Media Partisans an zwei entgegengesetzten Polen befinden. Wie finden Sie hier zusammen? Oswald: Natürlich hat das nichts mit dem Journalismus zu tun, den wir in unseren Regionalmedien anbieten. Aber wir können sehr viel von Media Partisans lernen. Darum geht's. Wir suchen als Medienunternehmen weltweit seit 15 Jahren einen Weg, wie wir in der digitalen Welt mit interessanten Inhalten Geld verdienen können. Bisher gibt es kein einziges Erfolgsmodell, an das man glauben könnte und das in den Kennzahlen Erlös und Umsatz an die bisherige „Print-Welt“ herankommt. Ich zumindest kenne keines. Aus Branchensicht ist das eine dramatische Situation. Mit Media Partisans haben wir uns als Funke jetzt an einem schlanken Unternehmen beteiligt, das sehr smart mit einer unglaublichen Effizienz arbeitet und  Content anbietet, der relevant ist für den Nutzer - und damit Geld verdient. Dieses Pfund kann man gar nicht als wertvoll genug einschätzen. Wir investieren in ein in sich schlüssiges, content-getriebenes Wachstumskonzept. Jetzt  haben wir die Chance, neue Erzählformen bei Funke auszuprobieren, Erfahrungen im Bereich New Publishing zu sammeln und als Gruppe davon zu lernen.


Ein Grund für die extrem hohe Reichweite von Angeboten wie Heftig und Co. ist aber auch die Verbreitung über Facebook. Das heißt im Umkehrschluss: Die Abhängigkeit von der Plattform ist enorm. Oswald: Nur auf die Abhängigkeit von Facebook zu schauen, halte ich für völlig unangemessen. Facebook ist DIE Relevanzplattform der heutigen Zeit. Da hat sich einfach die Welt geändert. Und um dort mitspielen zu können, ist es unglaublich wertvoll, mit solchen Experten wie den Media Partisans zusammenzuarbeiten. Sie sind auch einer der wenigen Anbieter, die die neuen Anti-Clickbaiting-Maßnahmen von Facebook völlig unbeschadet überstanden haben - weil das eben dort nicht stattfindet. Wäre es anders, würde der User die Inhalte weder liken noch sharen, aber gerade auf Likes und Shares basiert der anhaltende Erfolg der Media Partisans. Clickbaiting verbietet sich da von selbst. Genau diese Methodenkompetenz, die die Media Partisans mitbringen, können wir mit Sicherheit auch in anderen Bereichen anwenden. Wenn wir uns in zwei Jahren noch einmal unterhalten, werden wir  einige erfolgreiche Fälle präsentieren.


Inwiefern werden Sie in der Vermarktung zusammenarbeiten? Oswald: Hier gibt es keinen konkreten Plan. Aber natürlich sind wir gemeinsam stärker. Unser Hauptaugenmerk liegt jetzt vor allem darauf, dass die Media Partisans erfolgreich eigenständig weiterarbeiten können. Wir werden sorgfältig darauf achten, dass  diese Erfolgsgeschichte weiter gedeihen und wachsen kann und wir als Funke lediglich dort unterstützen und Austausch organisieren, wo es notwendig ist. kan
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