Friede Springer "Es gibt keinen Machtkampf bei Springer"

Mittwoch, 02. März 2016
Friede Springer mit Mathias Döpfner
Friede Springer mit Mathias Döpfner
Foto: Christian Kielmann
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Friede Springer, Mehrheitsaktionärin der Berliner Axel Springer SE, hat Gerüchte über einen Machtkampf in ihrem Medienhaus vehement zurückgewiesen. Entsprechende Medienberichte seien "Unsinn", sagte Springer in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. "Ich weiß natürlich sehr wohl, dass ich Vorsorge treffen muss für den Zeitpunkt, ab dem ich nicht mehr selbst entscheiden kann", erklärte die 73-Jährige, zu deren Verlagshaus unter anderem "Bild" und "WeltN24" gehören. Dabei setze sie voll auf den Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner.
Warum ist die neue Rechtsform für Axel Springer, die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA), am Ende doch nicht umgesetzt worden?
Wir haben das gründlich geprüft. Das Unternehmen soll und wird weiter wachsen, und ich möchte durch eine stabile Stimmenmehrheit die Kontinuität sichern. Die Konstruktion einer KGaA hätte sich dafür sehr geeignet. Als Mathias Döpfner mich dann aber Mitte Februar über die Entscheidung des Vorstands informierte, die Pläne nicht weiter zu verfolgen, war ich sehr erleichtert und habe sofort zugestimmt. Vieles hat zu diesem Zeitpunkt einfach nicht gepasst. Die anderen Aktionäre wollten es nicht, die Berater waren sich nicht einig. Und ich hatte auch kein gutes Gefühl. Mehrere Medien berichten, es habe Streit über die KGaA im Aufsichtsrat gegeben, und sie wollen sich nun zwei Jahre Zeit nehmen, bevor irgendetwas entschieden wird.
In den Berichten, die ich vor allem in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hierzu gelesen habe, hat nun wirklich fast gar nichts gestimmt. Streit oder auch nur Meinungsunterschiede im Aufsichtsrat hat es dazu nie gegeben. Das ist eine Erfindung. Und zum Entscheiden brauche ich keine zwei Jahre, denn für mich stand schon immer fest, dass ich zwei voneinander getrennte Welten möchte. Auf der einen Seite die Stiftungen, die wohltätige und medizinische Zwecke verfolgen, und auf der anderen Seite eine Gesellschaft, die sich um das Unternehmen Axel Springer kümmert. Beides ist auch heute voneinander getrennt, und so möchte ich es auch künftig beibehalten.
Friede Springer mit Mathias Döpfner
Bild: Christian Kielmann

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Wie geht es nun weiter?
Am liebsten wäre es mir, wenn alles immer so bleiben könnte wie es ist, denn ich bin gerade sehr glücklich mit der Entwicklung des Unternehmens. Und ich gehe jeden Morgen gerne ins Büro. Aber ich weiß natürlich sehr wohl, dass ich Vorsorge treffen muss für den Zeitpunkt, ab dem ich nicht mehr selbst entscheiden kann. Selbstverständlich muss geregelt sein, wer dann zum Wohle des Unternehmens und seiner Mitarbeiter in meinem Sinne, im Sinne von Axel Springer, handelt. Und das wird jemand sein, der aus dem Verlag kommt, der weiß, wie man ein Unternehmen führt und dessen Herz für Journalismus schlägt.

Über einen Machtkampf hinter den Kulissen zwischen ihrer Rechtsanwältin Karin Arnold und Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner wurde in den vergangenen Wochen ebenso wie über Ihr Vertrauensverhältnis zu Döpfner viel spekuliert ...
Was für ein Unsinn! Das wünschen sich vielleicht manche unserer Wettbewerber, die ich aber enttäuschen muss. Ich bin sehr glücklich, dass Mathias Döpfner so entschieden die richtigen Weichen für eine erfolgreiche Digitalisierung und Internationalisierung von Axel Springer gestellt hat. Ich bin froh, dass er gerade wieder einen neuen Fünfjahresvertrag hat. Wir wollen ein journalistisches Haus bleiben. Da kommt es gerade jetzt darauf an, mit eigenen digitalen Projekten und auch Zukäufen die Zukunft zu sichern. Interview: Sven Gösmann, dpa

Zur Person

Friede Springer ist seit dem Tod ihres Mannes Axel Springer im Jahr 1985 als Haupterbin maßgeblich für das Medienhaus verantwortlich. Sie ist Mehrheitsaktionärin und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Axel Springer SE. Im operativen Geschäft war sie nie direkt tätig, allerdings übte sie großen Einfluss bei Personalentscheidungen aus. So stand sie unter anderem hinter der Berufung von Mathias Döpfner zum Vorstandsvorsitzenden.

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