Freiwillige Selbstkontrolle "Dummy" kommt nur zensiert in den Handel

Mittwoch, 18. Dezember 2013
Bei der Freiwilligen Selbstkontrolle fruchtete der Appell nicht
Bei der Freiwilligen Selbstkontrolle fruchtete der Appell nicht

Das Kulturmagazin "Dummy" hat Ärger mit der Freiwilligen Selbstkontrolle im Pressevertrieb. Wegen vermeintlich jugendgefährdender Inhalte darf die aktuelle Ausgabe nur in einer zensierten Version am Kiosk verkauft werden. Beim Dummy Verlag wundert man sich über die Entscheidung - und über die bislang weitgehend unbekannte Prüfinstanz. Stein des Antoßes ist ein Bild von einer Performance des Künstlers Bob Flanagan, auf dem sein Penis zu sehen ist, sowie Zeichnungen von Tätowierungen russischer Häftlinge, die unter anderem erigierte Penisse und Frauen mit gespreizten Beinen zeigen. Der Verlag musste zwei Seiten aus dem aktuellen Heft entfernen sowie das Bild von Bob Flanagan an der entsprechenden Stelle unkenntlich machen, die aktuelle Ausgabe kommt daher mit Verspätung in den Handel.

Mit der Entscheidung rückt die bislang weitgehend unbekannte Selbstkontrollinstanz des deutschen Pressevertriebs in den Fokus: Mit der Prüfung der Zeitschriften ist eine Gesellschaft namens DT-Control betraut, hinter der sich eine Anwaltskanzlei aus München verbirgt. Diese spricht Empfehlungen aus, ob ein Magazin uneingeschränkt verkauft werden kann, nur mit Einschränkungen oder gar nicht zum Vertrieb geeignet ist. Rechtlich bindend ist die Empfehlung von DT Control zwar nicht, der Pressevertrieb folgt den Empfehlungen der Kanzlei aber in der Regel. "Deswegen liegt nun wie immer 'Praline' und 'Coupé' am Kiosk, aber nicht 'Dummy' Nr. 41 zum Thema Schmerz", wundert sich der Verlag auf seiner Website.

Die staatliche Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, die Magazine rechtlich bindend indizieren kann, beschäftigt sich ebenfalls mit dem Fall, deren Urteil liegt aber noch nicht vor. Bis dahin darf die aktuelle Ausgabe von "Dummy" - passenderweise zum Thema "Schmerz" - nur zensiert über den Ladentisch gehen. In ganzer Pracht ist das Magazin aktuell nur auf Bestellung erhältlich. Der Verlag hat die zensierten Seiten unterdessen zum Herunterladen auf seine Website gestellt - übrigens ohne Zugangsbeschränkung. dh
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