#FreeDeniz-Kampagne Initiatoren kontern Kommentar von "FAZ"-Herausgeber Kaube

Mittwoch, 01. März 2017
Das Motiv erschien als ganzseitige Zeitungsanzeige
Das Motiv erschien als ganzseitige Zeitungsanzeige
Foto: freedeniz.de

Die Initiatoren der Aktion #FreeDeniz haben zu dem Kommentar von "FAZ"-Herausgeber Jürgen Kaube Stellung bezogen. Dieser hatte die Macher der Solidaritätsanzeige für den in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel in einem Kommentar scharf kritisiert und ihnen "Spielchen" vorgeworfen. Stein des Anstoßes war offenbar, dass der Name von "FAZ"-Mitherausgeber Berthold Kohler irrtümlicherweise auf einem Entwurf der Anzeige gelandet war. 
In einer Mail an die Unterstützer der Solidaritätsadresse für Deniz Yücel, die HORIZONT Online vorliegt, heißt es, man habe den Kommentar von Kaube "mit einiger Bedrückung zur Kenntnis genommen" und wolle "den von Herrn Kaube unvollständig und fehlerhaft wiedergegebenen Sachverhalt aufklären". Demnach war der Name von Kohler durch einen Kommunikationsfehler auf eine vorläufige Version der Unterzeichnerliste gesetzt worden. So habe eine unzureichend gekennzeichnete E-Mail eines Unterstützers die Kontaktdaten des FAZ-Herausgebers enthalten, damit man mit diesem persönlich und unkompliziert wegen der Anzeigenschaltung in der "FAZ" Kontakt aufnehmen könne. Diese Mail - nach Angaben des Teams eine von rund 1200 versendeten und empfangenen Nachrichten - wurde falsch zugeordnet, der Name von Kohler wurde auf die Liste der Unterstützer gesetzt. Der Fehler sei nach einem Hinweis der "FAZ" aber umgehend korrigiert worden. "Wir wollten Herrn Kohler nie fälschlicherweise Solidarität unterstellen, das hätte unsere Aktion karikiert - und wenn, hätten wir es schlauer gemacht", heißt es einer per Tweet verbreiteten weiteren Stellungnahme von Shahak Shapira.

Auch den von Kaube dargestellten zeitlichen Ablauf schildern die Initiatoren in ihrer Mail an die Unterzeichner anders. So habe die "FAZ" die Bitte um Abdruck der Anzeige wie alle anderen Medien am Montag
vormittag um 10.40 Uhr erhalten. Das die "FAZ" nicht reagierte, wurde um 14.33 Uhr eine weitere Mail geschickt. Außerdem habe man bis Montagnachmittag auf verschiedenen Ebenen versucht, mit der "FAZ" telefonisch Kontakt aufzunehmen. Kaube hatte in seinem Kommentar unterstellt, es sei wohl gar nicht gewollt gewesen, dass sich Vertreter der "FAZ" an der Aktion beteiligen und den Initiatoren "Spielchen" vorgeworfen.  "Wir stellen uns mit aller Entschiedenheit dem im F.A.Z. Leitartikel von Jürgen Kaube erweckten Eindruck entgegen, wir hätten bei der Organisation der Anzeige 'Spielchen' gespielt und etwas anderes im Sinn gehabt als einen möglichst breiten, lagerübergreifenden Solidaritätsausdruck für Deniz Yücel und alle in der Türkei inhaftierten Kolleginnen und Kollegen", so die Initiatoren. Unterzeichnet ist die Mail von Margarete Stokowski, Sibylle Berg, Özlem Topçu, Johanna Adorján und Jan Böhmermann. Shahak Shapira hat die Herausgeber der "FAZ" in seinem Tweet erneut dazu eingeladen, die Petition zur Freilassung von Deniz Yücel zu unterzeichnen. "Denn es geht hier, wie Herr Kaube schon richtig bemerkt hat, um Deniz Yücel. Nicht um Spielchen." dh
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