"Flow"-Ableger "Wolf" im Test "Achtsamkeit ist nicht mehr unmännlich"

Mittwoch, 23. November 2016
Achtsamkeit für Männer: Das Magazin "Wolf" aus der Deutschen Medien-Manufaktur
Achtsamkeit für Männer: Das Magazin "Wolf" aus der Deutschen Medien-Manufaktur
Foto: Gruner + Jahr

Vorwärts gedacht, rückwärts gelesen: "Wolf" heißt das neue Männermagazin der Deutschen Medien-Manufaktur (Gruner + Jahr / Landwirtschaftsverlag), welches das Joint Venture ab kommendem Dienstag zunächst als One-Shot testet. "Wolf" ist ein Ableger des Wohlfühl-Frauenmagazins "Flow". Also geht es dort auch um – Achtung, Jungs: Achtsamkeit!

Zielgruppe sind 35- bis 55-jährige "Männer in der Rush Hour ihres Lebens, wenn bei Karriere, in Familie und Freundeskreis alles gleichzeitig passiert", sagt "Flow"- und "Wolf"-Chefredakteurin Sinja Schütte. Der neue Titel will auf 140 Seiten (Copypreis: 8,50 Euro) die Haltung von "Flow" auf männliche Lebenswelten und Identifikationsfiguren übertragen, etwa bezüglich Musik, Filme oder Autos. Gedruckt werden 70.000 Hefte. Bei Erfolg soll "Wolf" ab 2017 mindestens viermal pro Jahr am Kiosk wildern.

Der Titel will "Männern Inspiration bieten, den Fokus auf sich selbst und das Wesentliche zu behalten", sagt Schütte. Mehr offline sein, Platz für sich haben, Entschleunigung – das sind so die Leitmotive. "Die Lektüre soll etwas mit den Männern machen, ausdrücklich auf Basis von Achtsamkeit", sagt Schütte: "Dieses Thema ist schon lange nicht mehr unmännlich!"

Achtsamkeit anstatt konkreter Männermagazinthemen à la "GQ", "Kicker", Computer oder – um im Hause G+J zu bleiben – Fußball ("11 Freunde"), Fleisch/Kochen ("Beef") oder Outdoor ("Walden")? Ist die Herrenwelt schon so weit? "Die Frauen haben sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten in Richtung ehemals klassischer Männerfelder wie Berufsleben und Selbstverwirklichung emanzipiert, begleitet von vielen Magazinen rund um ihre Befindlichkeiten", sagt Schütte. Und die Männer emanzipierten sich seit einiger Zeit in Richtung der klassischen Frauenthemen: "Auch Männer entdecken nun mehr und mehr das Thema Selbstachtsamkeit – und wir geben ihnen die Chance, darüber nachzudenken."

"Wolf" erscheint wie "Flow" in Lizenz des niederländischen Verlags Sanoma. Allerdings gibt es – anders als bei "Flow" – dort kein entsprechendes Vorbildmagazin; "Wolf" ist eine Entwicklung des Teams um Sinja Schütte. Der Titel erscheint deshalb unter dem Markendach von "Flow", um dessen Bekanntheit, Community und Marketingkanäle (Social Media, Direktmarketing) nutzen zu können. "Wir ermuntern unsere 'Flow'-Leserinnen, den Männern in ihrem Umfeld 'Wolf' nahezubringen", sagt Publisher Matthias Frei.

Im Heft, das vier Sorten Papier, eine besonders wertige Haptik, einen Kurzroman und ein Filmauto-Quartett zum Herausnehmen sowie fünf offenbar bezahlte Anzeigenseiten (Rolf Benz, Duravit, Audi, Mini, Amazon) bietet, sind kluge Reflexionen über das Leben zu lesen, als Portraits, Text- und Bildreportagen oder Interviews, ob nun über Affären, Hütten im Grünen oder die Rückkehr der Schallplatte. Und die ganz harten Geschichten, etwa der Erfahrungsbericht über ein Achtsamkeitsseminar, sind mit der gebotenen Ironie geschrieben.

Fazit: Die Zielgruppe von "Wolf" gibt es. Doch ist sie groß genug? Kriegt sie mit, dass es "Wolf" gibt? Und will Mann, wenn er sich endlich mal eine Oase der Entschleunigung freigekämpft hat, dann wirklich ein Magazin lesen? Oder nicht lieber – wie empfohlen – eine Schallplatte am Stück hören, mit Freunden essen (und trinken), auf ein Konzert gehen (ohne es mit dem Handy zu filmen), durch die Stadt streifen oder einfach nur aufs Meer schauen? rp
Achtsamkeit für Männer: Das Magazin "Wolf" aus der Deutschen Medien-Manufaktur
Achtsamkeit für Männer: Das Magazin "Wolf" aus der Deutschen Medien-Manufaktur (Bild: Gruner + Jahr)

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