"Flair" Was Ahead Media anders macht als Klambt

Donnerstag, 18. Juli 2013
Ahead Media-Verleger Alexander Geringer
Ahead Media-Verleger Alexander Geringer


Als in der vergangenen Woche bekannt wurde, dass der österreichische Verlag Ahead Media das Frauenmagazin "Flair" mit der Oktober-Ausgabe (Erscheinungstermin: 19. September) nach Deutschland zurückbringen will, da sorgte das für Neugierde in der Branche. Schließlich hatte es genau ein Jahr zuvor die deutlich größere Mediengruppe Klambt versucht - und das ambitionierte Projekt kürzlich nach nur elf Monaten beerdigt.
Was will Ahead Media nun besser und anders machen - und mit welchen Erwartungen? Darüber sprach HORIZONT.NET mit Verleger Alexander Geringer, der in diesen Tagen mit dem Lizenzgeber, dem italienischen Verlag Mondadori, den fliegenden Wechsel organisiert.

Da ist erstens das Konzept: Anders als die Klambt-Kollegen, die "Flair" als Mode- und Wohnmagazin konzipiert hatten, lässt Geringer das Heft als international ausgerichtetes und avantgardistisches Mode-, Lifestyle- und Kunstheft auferstehen - wie im Stammland Italien und seit 2008 im kleinen (Test-) Markt Österreich, wo sich Ahead Media mit monatlich über 20.000 "Flair"-Verkäufen gegen alle deutschen Hochglanzmagazine plus noch fünf österreichische Frauenzeitschriften behaupten kann. "Was den Kiosk und das Anzeigenpotential anbelangt, ist Deutschland für uns ein Erholungsgebiet", so der Verleger.

Für Deutschland garantiert Geringer seinen Anzeigenkunden 50.000 Verkäufe, er rechnet aber mit mindestens 80.000, davon über 25.000 im Einzelverkauf mit einem Copypreis, der laut Vertriebsdienstleister Axel Springer "über 4 Euro" liegen wird (bei Klambt waren es 3,50 Euro). Das Gros soll dagegen über Abos und "Kooperationen mit modeorientierten Vertriebspartnern" laufen, so Geringer. Zum Vergleich: Klambt kam auf 110.000 Verkäufe, davon aber nur 54.000 über Kiosk und fast keine Abos.

Neben dem veränderten Vertriebskonzept ist das kleine Haus ("Ahead", "Home", "Anyway") vor allem beim Anzeigengeschäft optimistisch. Hieran war Klambt nach eigenen Angaben bei "Flair" gescheitert. "Für uns als Boutique-Verlag sind Premium-Magazine kein Neuland", sagt Geringer, der sein "Flair" zu mindestens drei Vierteln mit Werbung finanzieren will. Er habe schon viel versprechende Gespräche mit Schlüsselkunden geführt - auch mit solchen, die Klambt gefehlt hätten. Und natürlich werde man eine niedrigere Kostenbasis als Klambt haben, zumal das deutsche und das österreichische "Flair" künftig zu etwa drei Vierteln identisch sein sollen, produziert von einer gemeinsamen Redaktion in Wien und Berlin.

Desirée Treichl-Stürgkh, nicht nur in der österreichischen Kultur und Gesellschaft bestens vernetzt und Editorial Director bei Ahead Media (1995 gegründet), soll diesen Job auch bei "Flair" Deutschland übernehmen; ein geschäftsführender Redakteur soll bald benannt werden.

Zur Premiere hat Ahead Media einen spannenden Termin gewählt, denn etwa zeitgleich startet Burdas "Harper's Bazaar". Doch Geringer gibt sich gelassen. "Harper's Bazaar" verfolge einen anderen Ansatz mit einer anderen Zielgruppe. Außerdem: "Wir freuen uns über den Launch der Kollegen, weil er eine gute Stimmung fürs Segment der hochwertigen Frauenmagazine schafft. Nur schade, dass sich Burda erstmal nur ein Versuchsheft zutraut." rp

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