Financial Times Übernahme Springer scheitert auf den letzten Metern

Freitag, 24. Juli 2015
Die Financial Times bekommt einen japanischen Eigentümer
Die Financial Times bekommt einen japanischen Eigentümer
Foto: dpa/picture alliance

Rund ein Jahr lang soll sich Axel Springer um die "Financial Times" bemüht haben. Am Ende hat der deutsche Medienriese den Kürzeren gezogen. Die rund 1,2 Milliarden Euro, die der japanische Nikkei-Konzern gestern auf den Tisch legte, wollte Springer-Boss Mathias Döpfner offenbar nicht mehr überbieten. Wie knapp das Rennen war, schildert die "Financial Times" heute in einem Beitrag in eigener Sache. Nikkei soll Springer wenige Minuten vor Abschluss des Deals mit seiner Milliarden-Offerte kaltgestellt haben.
Wie die "Financial Times" berichtet, soll der Nikkei-Konzern erst vor fünf Wochen in die Verhandlungen mit dem "FT"-Eigner Pearson Group eingestiegen sein. Springer habe dagegen bereits seit vergangenem Jahr verhandelt. Dabei sei es zunächst um eine Minderheitsbeteiligung gegangen, in den vergangenen Wochen sei eine Komplettbernahme der FT Group näher gerückt. Das Gebot in Höhe von 1,2 Milliarden Euro, mit dem die Japaner Springer schließlich übertrumpften, sei erst am Donnerstagmorgen eingegangen.  Die "Financial Times" hätte gut in das Portfolio von Springer gepasst. Die an sechs Tagen pro Woche erscheinende liberale Wirtschaftszeitung ist nicht nur unbestritten ein international renommierte Qualitätsmarke, sondern hat auch in Sachen Paid Content - ein Steckenpferd von Springer-Boss Döpfner - Erfolge vorzuweisen. So ist die Zahl der Digital-Abos zuletzt stark gewachsen, fast drei Viertel der zahlenden Kunden sind Digital-Abonnenten.
„Wegen des explosionsartigen Wachstums von Mobile und Social Media haben wir inzwischen einen Wendepunkt erreicht. In dieser neuen Umgebung ist es das beste für die FT, Teil eines global agierenden, digitalen Nachrichten-Unternehmens zu sein.“
John Fallon
Auch die Auflage der "Financial Times" ist laut Person in den vergangenen fünf Jahren um 30 Prozent auf 737.000 Exemplare gestiegen. Der Umsatz der "FT"-Gruppe soll 2014 bei umgerechnet 471 Millionen Euro gelegen haben. Die deutsche Ausgabe der Zeitung, die "Financial Times Deutschland", hatte der Verlag Gruner+Jahr besessen, diese 2012 jedoch eingestellt.
Financial Times
Bild: dpa/picture alliance

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uch eine 50-prozentige Beteiligung am Wirtschaftsmagazin "Economist" gehört zu der Gruppe. Diese ist Pearson zufolge aber nicht Teil des verkauften Pakets. Der britische Medienkonzern verdient sein Geld überwiegend mit Bildungsangeboten, unter anderem mit Schulbüchern.

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Wir waren fast 60 Jahre lang ein stolzer Besitzer der FT", sagte Pearson-Chef John Fallon laut einer Mitteilung. "Wegen des explosionsartigen Wachstums von Mobile und Social Media haben wir inzwischen einen Wendepunkt erreicht. In dieser neuen Umgebung ist es das beste für die FT, Teil eines global agierenden, digitalen Nachrichten-Unternehmens zu sein." Nikkei-Chef Tsuneo Kita betonte: "Wir teilen die gleichen journalistischen Werte." mas
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