"Fassungslos" Günther Jauch verteidigt Giovanni di Lorenzo

Mittwoch, 28. Mai 2014
"Absurd und gemein": Günther Jauch wundert sich über die Angriffe auf di Lorenzo
"Absurd und gemein": Günther Jauch wundert sich über die Angriffe auf di Lorenzo


Günther Jauch hat sich hinter "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo gestellt. In einem Beitrag für die "Bild"-Zeitung wundert sich der Moderator über die Reaktionen, die der Auftritt des Journalisten in seiner Talkshow am Sonntag hervorgerufen hat. Der Deutsch-Italiener hatte bei Günther Jauch zugegeben, dass er bei der EU-Wahl zwei Stimmen abgegeben hat.
Di Lorenzo hatte in Jauchs Sendung am Sonntag freimütig erzählt, dass er als Inhaber eines deutschen und eines italienischen Passes bei der EU-Wahl zwei Mal abgestimmt habe - einmal im italienischen Konsulat und in einem deutschen Wahllokal. Dass dies nicht erlaubt und sogar strafbar ist, war dem Chefredakteur der "Zeit" offenbar nicht bewusst - obwohl die "Zeit" selbst vergangene Woche über die Lücke im Wahlgesetz berichtet hatte, ironischerweise bebildert mit einer deutschen und einer italienischen Flagge. Die Reaktionen reichten denn auch von Verwunderung bis hin zu Rücktrittsforderungen.

In einem Beitrag für die "Bild"-Zeitung hat sich Günther Jauch nun hinter den "Zeit"-Chefredakteur gestellt. "Was aus dieser Petitesse entstanden ist, hat mich fassungslos gemacht", schreibt Jauch. Vor allem die Vergleiche mit Steuerhinterziehern und die Forderungen nach einer Gefängnisstrafe kann Jauch nicht nachvollziehen: "Haben wir die Maßstäbe für Schuld oder Unschuld, für Vorsatz oder Fahrlässigkeit, für Wichtiges oder vergleichsweise Nichtiges völlig verloren?", fragt der Moderator. "Das ist für mich so absurd, dazu noch gemein und im Namen angeblicher 'political correctness' einfach nur daneben."

Er kenne di Lorenzo seit über 30 Jahren "als ebenso aufrechten Journalisten wie aufrichtigen Menschen". "Glücklich das Land, das nach einer solchen Wahl keine anderen Sorgen hat", schließt Jauch. Für di Lorenzo könnte die doppelte Stimmabgabe aber trotzdem ein Nachspiel haben. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen den Chefredakteur. dh
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