Fall Tugce DJV verteilt Veröffentlichung des Tatort-Videos als respektlos

Freitag, 05. Dezember 2014
DJV-Vorsitzender Michael Konken
DJV-Vorsitzender Michael Konken
Foto: DJV/Anja Cord

Der Deutsche Journalisten Verband (DJV) hat die Veröffentlichung eines Videos, auf dem die letztendlich tödliche Attacke auf die vergangene Woche verstorbene Tugce zu sehen ist, scharf kritisiert. Der Bundesvorsitzende Michael Konken sieht in der Ausstrahlung des Films einen "klaren Verstoß gegen den Pressekodex".

Die Formulierung aus der Pressemeldung des Verbands ("Es sei mit der Würde des Opfers und seiner Angehörigen nicht vereinbar, dass die Bilder der Überwachungskamera in mindestens einem Medienportal ausgestrahlt würden.") nennt keine Namen. Klar scheint jedoch, dass sich die Kritik vor allem gegen "Bild" richtet. Die Zeitung hatte in ihrer Print-Ausgabe Screenshots aus dem Video abgedruckt und den ganzen Film auf ihrem Online-Portal veröffentlicht. Das Video zeigt den Streit, wie eine Gruppe Jugendlicher vor einer Offenbacher McDonald's-Filiale in Streit gerät, in dessen Folge Tugce schwere Kopfverletzungen erlitt. Wenige Tage später erlag die Studentin ihren Verletzungen.

"Wie ein Mensch stirbt, darf nicht eins zu eins von Medien wiedergegeben werden", so Konken. "So wie die Enthauptungsvideos der Terrororganisation IS nicht in deutsche Medienportale oder Fernsehsendungen gehörten, hat auch das Tugce-Video dort nichts zu suchen." Der DJV zitiert in diesem Zusammenhang Ziffer 11.3 des deutschen Pressekodex: "Die Berichterstattung über Unglücksfälle und Katastrophen findet ihre Grenze im Respekt vor dem Leid von Opfern und den Gefühlen von Angehörigen. Die vom Unglück Betroffenen dürfen grundsätzlich durch die Darstellung nicht ein zweites Mal zu Opfern werden."

Möglicherweise hat die Veröffentlichung sogar ein juristisches Nachspiel: Wie der Hessische Rundfunk berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft Darmstadt in der Sache - allerdings gegen Unbekannt, da noch unklar ist, wer das Video herausgegeben hat. "Es handelt sich um ein unmittelbares Beweismittel", zitiert der HR einen Behördensprecher. Und ein solches gehöre nicht in die Öffentlichkeit, sondern müsse vor Gericht analysiert und bewertet werden.

Auch Freunde und Angehörige der Verstorbenen hatten sich auf einer Facebook-Seite zu Ehren von Tugce über die Veröffentlichung des Videos echauffiert. "Das Video kannte die Familie, da es als Beweismittel gilt. Jedoch war es nicht mit ihr abgesprochen, dass es in der Öffentlichkeit landet", heißt es auf der Seite. ire

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