Fall Kachelmann "Bild" zu 635.000 Euro Entschädigung verurteilt

Mittwoch, 30. September 2015
Sieg vor Gericht gegen die "Bild": Jörg Kachelmann
Sieg vor Gericht gegen die "Bild": Jörg Kachelmann
Foto: dfv

Die "Bild"-Zeitung ("Bild", "Bild am Sonntag" und Bild.de) ist vom Landgericht Köln zur Zahlung einer Rekordsumme von 635.000 Euro Entschädigung an Jörg Kachelmann verurteilt worden. Das bestätigten am Mittwoch sowohl der Anwalt des Fernsehmoderators, Ralf Höcker, als auch eine Sprecherin der Axel Springer SE. Die Summe gilt als die bisher höchste in einem solchen Verfahren.
"Herr Kachelmann musste die schlimmste Hetzkampagne der deutschen Presserechtsgeschichte über sich ergehen lassen", sagte Höcker. "Sein Ruf wurde durch 'Bild' & Co. vollständig ruiniert. Dieses Urteil ist die Quittung. Es wird hoffentlich abschreckende Wirkung auf den Boulevard haben." Mit Zinsen und Schadenersatz summiere sich das Schmerzensgeld sogar auf 800.000 Euro, so Höcker auf Twitter.
Springer hingegen sieht sich in dem Verfahren auch ein wenig als Sieger, da die Forderungen Kachelmanns, die sich auf insgesamt 2,25 Millionen Euro beliefen, weitestgehend abgelehnt worden seien. "Erwartungsgemäß ist in beiden Verfahren von den absurd hohen Forderungen Kachelmanns nur ein Bruchteil übrig geblieben, im Prozess gegen Bild und Bild am Sonntag sogar nur gut ein Fünftel", so Claas-Hendrik Soehring, Leiter Medienrecht bei Axel Springer. "Trotzdem: Wir werden auf jeden Fall in Berufung gehen. Denn es liegt weder im Interesse einer freien Presse noch der Öffentlichkeit, dass Medien irrwitzige Geldentschädigungen zahlen müssen, wenn sie über Aufsehen erregende Strafprozesse gegen bekannte Persönlichkeiten berichten."

Kachelmann war 2011 vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden. Er sieht sich durch die Prozess-Berichterstattung weiter Teile der Medien verleumdet. Mit der Hubert Burda Media ("Bunte"/"Focus") hatte er sich im Mai außergerichtlich geeinigt. Der Springer-Konzern hatte vor der Entscheidung aus Köln bereits mitgeteilt, im Falle einer Verurteilung Berufung beim Oberlandesgericht Köln einlegen zu wollen. dpa/ire

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