Fake Accounts Fast jeder Zweite will Social Bots gesetzlich verbieten lassen

Mittwoch, 23. August 2017
Fake News werden vor allem im Netz verortet
Fake News werden vor allem im Netz verortet
© Fotolia / nmann77

Wenn es um Falschnachrichten und deren Verbreitung geht, dann verstehen die Deutschen offenbar keinen Spaß. Die große Mehrheit fordert ein härteres Vorgehen gegen Meinungsmache in Form von Fake News oder Social Bots. Das zeigt eine aktuelle Umfrage von PwC. 

Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft hat für ihre jüngste Studie 1000 Bundesbürger befragt. Das Ergebnis: Satte 68 Prozent wollen Plattformbetreiber wie Facebook oder Twitter verpflichten, Falschnachrichten auf ihren Kanälen aktiv zu löschen. Bei Social Bots, also Programmen, die im Social Web menschliche Verhaltensmuster simulieren und als (falsche) Accounts auftauchen, befürworten 90 Prozent eine stärkere Reglementierung - und sogar 43 Prozent ein gesetzliches Verbot. In der Umfrage lag der Fokus auf Social Bots, welche über soziale Netzwerke vermeintliche Nachrichten verbreiten, um so die öffentliche Meinung zu manipulieren.

"Welche konkreten Effekte Löschungen oder Verbote haben würden, wäre zu überprüfen; in jedem Fall aber zeigt unsere Umfrage, dass viele Menschen in Phänomenen wie Fake News oder Social Bots ein Problem für unsere Demokratie sehen", sagt Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC in Deutschland. "Politik, Plattformbetreiber und etablierte Medien müssen diese Sorgen daher ernst nehmen, gerade im Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl im Herbst 2017", so Ballhaus weiter. 

Die Umfrage zeigt auch, dass die Deutschen die öffentliche Debatte um Fake News durchaus verfolgen. So geben 50 Prozent an, über das Phänomen "relativ gut Bescheid zu wissen". Weitere 34 Prozent meinen, sie wüssten zumindest "ungefähr, was sich dahinter verbirgt". Mit dem Ausdruck Social Bots können dagegen sehr viel weniger Menschen etwas anfangen. Lediglich 14 Prozent sagten, sie wüssten darüber "relativ gut Bescheid", 22 Prozent gaben zu Protokoll, dass sie "ungefähr wissen, was sich dahinter verbirgt. Dagegen meinten 25 Prozent, sie würden Social Bots "nur dem Namen nach kennen", während 39 Prozent den Begriff vor der Umfrage noch gar nicht gehört hatten.

Was die Reglementierung von Social Bots betrifft, sehen 53 Prozent den deutschen Gesetzgeber gefordert. 38 Prozent glauben dagegen, das Problem könne nur auf europäischer Ebene wirkungsvoll angegangen werden, während 50 Prozent der Ansicht sind, Anbieter wie Facebook oder Twitter stünden selber in der Pflicht, den Betreibern von Social Bots das Handwerk zu legen. Hier waren Mehrfachnennungen möglich.

Fake News werden von den Deutschen fast ausschließlich im Internet verortet - obwohl Falschmeldungen auch über herkömmliche Kanäle verbreitet werden können. So meinten 79 Prozent, sie würden Fake News zu politischen Themen am ehesten bei Facebook vermuten, 66 Prozent nannten Twitter, Blogs kamen auf 60 Prozent und Online-Foren auf 55 Prozent. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen rechnen hingegen nur neun Prozent mit Falschmeldungen, bei kostenpflichtigen Tages- oder Wochenzeitungen sogar nur fünf Prozent.

Klassische Medien profitieren

Dass die meisten Menschen bei Fake News und Social Bots offensichtlich sehr stark nach Mediengattung differenzieren, könnte aus Sicht von Ballhaus den klassischen Medien in die Hände spielen. So sagen 61 Prozent, es sei in erster Linie die Aufgabe von Zeitungen, Magazinen, Fernseh- oder Radiosendern, die Öffentlichkeit über Fake News und Social Bots aufzuklären. Und sogar 90 Prozent wünschen sich eine Aufstockung der Redaktionen, um den Wahrheitsgehalt von Informationen besser recherchieren zu können - wobei bezeichnenderweise lediglich 26 Prozent sagen, sie seien auch bereit, dafür mehr zu bezahlen. mas

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