Kampf gegen Fake News Facebook launcht Info-Tool gegen Falschmeldungen

Donnerstag, 06. April 2017
Das Info-Tool erscheint den Nutzern im News-Feed
Das Info-Tool erscheint den Nutzern im News-Feed
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Facebook intensiviert die Bemühungen, Falschnachrichten auf der Plattform zu erkennen - und setzt dabei auf die Nutzer. Das Unternehmen schaltet nun ein neues Informations-Tool frei, mit dem User verdächtige Nachrichten als Fake News identifizieren können - auch in Deutschland.
Den deutschen Nutzern soll das Tool ab dem 7. April im News-Feed begegnen. Insgesamt bekommen laut Nachrichtenagentur dpa Mitglieder des Online-Netzwerks in 14 Ländern drei Tage lang einen Banner mit zehn Empfehlungen angezeigt. Dabei erscheint zunächst ein Info-Kasten mit der Headline "Tipps zum Erkennen von Falschnachrichten". Tappt der Nutzer darauf, gelangt er zu einer Seite im Hilfebereich von Facebook, auf der zehn solcher Tipps aufgelistet werden. Die Nutzer werden etwa angehalten, die Glaubwürdigkeit einer Quelle zu hinterfragen, Überschriften kritisch zu überprüfen oder Datumsangaben zu checken.
Das Info-Tool führt die Nutzer auf diese Hilfeseite
Das Info-Tool führt die Nutzer auf diese Hilfeseite (Bild: Facebook)

Die Anleitung enthält auch den Satz "Denke kritisch über die Meldungen nach, die du liest, und teile nur Neuigkeiten, von denen du weißt, dass sie glaubwürdig sind". Damit sollen ganz offensichtlich unbedarfte Leser davor geschützt werden, zu Multiplikatoren für Falschnachrichten zu werden. Das Problem ist allerdings mehrdimensional: Denn Fake News werden häufig bewusst und nur allzu gern geteilt, weil sie eine bestimmte Weltsicht bestätigen.
"Wir wissen, dass Menschen verlässliche Informationen auf Facebook sehen möchten. Das möchten wir auch", schreibt Adam Mosseri, Vice President News Feed, in einem Blogbeitrag. "Falschmeldungen schaden der Community, untergraben das Vertrauen und sorgen dafür, dass Menschen schlechter informiert sind. Wir alle stehen in der Verantwortung, wenn es darum geht, die Verbreitung von Falschmeldungen einzudämmen."
Bei der Bekämpfung von Fake News konzentriere sich Facebook auf drei Bereiche, schreibt Mosseri:

Erstens solle es sich nicht mehr finanziell lohnen, Fake News in die Welt zu setzen. In der Tat stecken hinter Falschmeldungen oft wirtschaftliche Motive, wie der Fall einer mazedonischen Fake-News-Bande gezeigt hat.

Zweitens wolle man neue Produkte entwickeln, 
um die Verbreitung von Falschmeldungen einzudämmen und die Informationsvielfalt zu steigern. Dabei will man externe Anbieter und vor allem die Facebook-Community in die Pflicht nehmen: "Wir können nicht selbst Richter der Wahrheit sein – das wäre angesichts unserer Reichweite nicht realisierbar und entspricht nicht unserer Aufgabe", so Mosseri.
Das Info-Tool erscheint den Nutzern im News-Feed
Das Info-Tool erscheint den Nutzern im News-Feed (Bild: Facebook)
Konkrete Maßnahmen hierbei seien etwa die Verbesserung der Meldefunktion von kritischen Inhalten, die Verschlechterung der Sichtbarkeit von offensichtlichen Falschmeldungen im Newsfeed sowie die Zusammenarbeit mit Partnern. Diese sei in Deutschland jedoch noch nicht gestartet. Hierfür hatte Facebook bereits das Recherchebüro Correctiv ausgewählt, bei anderen Medienhäusern war das Unternehmen allerdings abgeblitzt - Gruner + Jahr-Chefin Julia Jäkel fragte sich etwa kürzlich in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", inwieweit Facebook tatsächlich an einer "Partnerschaft auf Augenhöhe" interessiert sei.

Drittens will Facebook die Nutzer dabei unterstützen, "fundierte Entscheidungen zu treffen, wenn sie auf Falschmeldungen stoßen." So wolle Facebook seinen Nutzern etwa mehr Kontext zu den Meldungen bieten, um ihnen die Entscheidung zu erleichtern, "was sie lesen, glauben und teilen möchten". Außerdem sollen Menschen verschiedene Perspektiven zu den Themen erhalten, über die sie sich informieren.
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Wie Mosseri erklärt, sei die Kompetenz im Umgang mit Nachrichten von "globaler Priorität". "Wir werden uns weiter für die Bekämpfung von Falschmeldungen einsetzen und wissen, dass noch viel zu tun ist." Zuletzt hatte Facebook eine Partnerschaft mit Mozilla verkündet, um Nutzer dabei zu unterstützen, Nachrichten besser einschätzen zu können.

Noch Ende des vergangenen Jahres war Facebook der zunehmenden Verbreitung von Fake News anders begegnet. So wollte CEO Mark Zuckerberg zunächst nicht glauben, dass Falschnachrichten auf Facebook den US-Wahlkampf beeinflusst hätten. Kurz darauf ging Facebook gegen Seiten vor, die falsche Inhalte verbreiteten. ire
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