Facklam-Nachfolger André Pätzold wird Vermarktungschef der Spiegel-Gruppe

Dienstag, 07. Juni 2016
Tritt in die Fußstapfen von Norbert Facklam: André Pätzold
Tritt in die Fußstapfen von Norbert Facklam: André Pätzold
Foto: Spiegel Gruppe

Ein Digitaler wird Vermarktungschef des „Spiegel“: André Pätzold folgt Norbert Facklam als Boss der Werbesparte Spiegel QC. Was die Personalie über die Lage beim „Spiegel“ aussagt.

Dass der Nachfolger des langjährigen „Spiegel“-Vermarktungschefs Norbert Facklam (er hat den Verlag im März verlassen) aus dem eigenen Haus kommen würde, das galt als ausgemacht. Denn ein teurer Zukauf von außen wäre angesichts sinkender Werbeerlöse, Sparkurs und Stellenstreichungen wohl weder sachgerecht noch intern vermittelbar gewesen.

Außerdem hatte „Spiegel“-Geschäftsführer Thomas Hass vor knapp einem Jahr mit Michael Plasse einen Verlagsleiter berufen und unter anderem mit der Vermarktung betraut, der als gleichsam ehrgeizig wie operativ detailinteressiert gilt. Für einen neuen externen Kopf wäre da wohl wenig Platz gewesen an der Spitze von Spiegel QC, der Vermarktungsorganisation der Hamburger Verlagsgruppe („Spiegel“, „Manager Magazin“ samt Online-Auftritte).

Dass Hass und Plasse nun André Pätzold die Krone aufsetzen, darf als Überraschung gelten. Denn der 41-Jährige – der jüngste der drei Kandidaten – ist ein reiner Digitalexperte, und er wirkte mit Abstand am kürzesten im Führungsteam von Spiegel QC: Erst vor einem Jahr kehrte Pätzold ins Haus zurück, als Leiter Digital & Business Development. Er kam von Facebook Hamburg, wo er kurz in der Agenturbetreuung tätig war. Zuvor indes arbeitete er bereits bei Spiegel QC, als Leiter Performance Marketing & Media Solutions sowie als Vize-Digitalchef.

Diese Personalie zeigt zum einen, dass die Chefs des „Spiegel“, der sich mitten im Umbau-, Spar- und Produktentwicklungsprogramm „Agenda 2018“ befindet sowie binnenkulturell innovativer und offener für Ideen von Mitarbeitern werden will, Pätzold hier die größte Tat- und Integrationskraft zutrauen. Und zum anderen, dass sie ihrem Haus attestieren, gerade aus dem digitalen Werbegeschäft noch deutlich mehr herausholen zu können und zu müssen. Zwar erzielt die Gruppe selbst ohne Akquisitionen mit schon jetzt dank Dickschiff Spiegel Online fast 40 Prozent einen deutlich größeren Anteil ihrer Werbeerlöse im Digitalen als etwa Burdas Vermarkter BCN (15 Prozent) und G+J EMS (20 Prozent) – doch können die Zuwächse hier (2015: plus 5 Prozent auf geschätzt knapp 40 Millionen Euro) die Einbrüche bei Print-Werbung (minus 9 Prozent auf geschätzt gut 60 Millionen Euro) noch längst nicht wettmachen. Nur das Digitale verspricht wirkliches Wachstum – doch diese Plus-Kurve flacht bei Spiegel Online ab, angesichts von Adblockern und der steigenden Nutzung von Mobile, das noch schwerer zu monetarisieren ist. Beim „Spiegel“ glaubt man daher mehr denn je, die Werbeschlacht müsse digital geschlagen werden.
Gilt als ehrgeizig und operativ detailinteressiert: Michael Plasse
Gilt als ehrgeizig und operativ detailinteressiert: Michael Plasse (Bild: Olaf Ballnus/Der Spiegel)
Sales-Boss Dirk Schnoor, 49, bleibt Stellvertreter im Leitungsteam der „Spiegel“-Sparte. Er kam 2007 als Anzeigenmarketing-Vize ins Haus. Der Verlagskaufmann und Betriebswirt arbeitete zuvor zwölf Jahre in diversen Funktionen für die Agentur Initiative Media.

Aus den bisherigen Verkaufsverantwortlichkeiten von Pätzold (Agenturgeschäft) und Schnoor (Innen- und Außendienst bei Werbekunden) ergibt sich eine weitere Interpretation des neuen Personaltableaus: Dass beide Verkaufslinien wohl stärker miteinander verzahnt werden sollen.

Mit Pätzold und Schnoor habe man „das perfekte Team für die digitale Transformation und die Weiterentwicklung unseres Kerngeschäfts“ und dafür, die Vermarktung „mit Tempo und Kreativität ausbauen“, lässt sich Verlagsleiter Plasse zitieren, der nach Facklams Abgang die Führung der Sparte interimistisch übernommen hatte. Weiterhin ohne Schulterklappe bleibt Christian Goedecke, seit 2006 im Haus und seit 2009 Leiter Media-Marketing & Disposition. rp

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