Fachverlag vor Verkauf? Goldman Sachs soll IDG vergolden

Freitag, 08. Januar 2016
Der Fachverlag IDG soll verkauft werden - idealerweise als Ganzes
Der Fachverlag IDG soll verkauft werden - idealerweise als Ganzes
Foto: Screenshot IDG.com
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Colin Crawford Goldman Sachs Patrick J. Mcgovern


Steht der weltweit tätige US-Fachverlag IDG vor dem Verkauf? Das behauptet jedenfalls der frühere IDG-Top-Manager Colin Crawford per Twitter. Bei IDG kommentiert man das auf eine Weise, die diese Lesart nicht ausschließt. Denn von ungefähr kommen die Überlegungen nicht.

Laut Crawford, bei IDG früher Chef unter anderem von "PC World", sei die Investmentbank Goldman Sachs auserkoren, den Verlag "idealerweise als Ganzes" verkaufen. Ein IDG-Sprecher in den USA bestätigt lediglich, dass man aufgrund bestimmter "operativer Notwendigkeiten" mit Hilfe der Finanzspezialisten die strategischen Optionen der Unternehmensfortentwicklung ausarbeiten wolle.

Zu möglichen Verkaufsabsichten passen die Umbauten und Veränderungen, die IDG im vergangenen Jahr unternommen hat, auch und gerade in Deutschland. Hier hat das Haus 2015 seine Entertainment-Konsumentenmedien abgestoßen und weitere Einschnitte vorgenommen, um sein Geschäftskunden- vom Privatlesergeschäft zu trennen (HORIZONT 51/2015). Ziel sei es, IDG zum "reinen Tech-Media-, Data- und Service-Unternehmen" zu entwickeln. Medieninhalte seien hier nur ein Teil des Ganzen.

Weltweit beschäftigt das Haus mehr als 10.000 Mitarbeiter in fast 100 Ländern, davon über 1500 Journalisten. IDG publiziert international über 180 Zeitungen und Zeitschriften, über 460 Webseiten und rund 200 mobile Angebote. Nach dem Tod des Verlagsgründer und Chairman Patrick J. McGovern 2014 achtet die neue Führungsspitze der US-Mutterfirma in Boston strikter als früher auf internationale Synergien.

Vielleicht eben auch deshalb, um das Haus für einen möglichen Verkauf hübsch zu machen. Hintergrund: IDG ist seitdem in der Hand einer Familienstiftung, die wiederum das von McGovern gegründete Institute for Brain Research an der Elite-Universität MIT bezahlt. Die Erbenfamilie dürfte vor der Frage stehen, ob sie den Verpflichtungen der Hirnforschung gegenüber mit einem im Kapitalmarkt gut angelegten IDG-Verkaufserlös vielleicht besser nachkommen kann als mit eher schwankenden und ungewissen Gewinnen eines Verlages, der sich im digitalen Zeitalter teilweise neu erfinden und dafür auch investieren muss. "Wir möchten für die Zukunft die beste Balance herstellen zwischen dem Wohl für IDG und Pat McGoverns Stiftungsmission", so der Sprecher. rp

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