Facebook vs Adblock Plus Wer blockiert am besten?

Freitag, 12. August 2016
Adblocker versetzen die Werbebranche in Aufregung
Adblocker versetzen die Werbebranche in Aufregung
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Facebook befindet sich im Clinch mit Adblock Plus: Zwischen beiden Unternehmen ist ein regelrechter Wettlauf über die beste Technologie beim Blockieren von Werbung bzw. von Adblockern entbrannt. Das Ganze gleich einem Katz-und-Maus-Spiel - mit ungewissem Ausgang.
Nachdem Facebook am Dienstag bekannt gegeben hatte, künftig Adblocker auf dem Desktop zu umgehen, meldete sich Eyeo, die Entwicklerfirma des weltweit meistgenutzten Werbeblockers Adblock Plus zu Wort. Facebooks Maßnahme sei gegen die Nutzer gerichtet, schrieb Unternehmenssprecher Ben Williams in einem Blogpost. An der Abwehr von Facebooks Adblocker-Blockade wolle man sich nicht beteiligen, hieß es noch am Dienstag: "Wir gehen davon aus, dass die Community eine Antwort finden wird." Allerdings hat Eyeo sehr wohl an einem Weg gearbeitet, um wieder Werbung auf der Desktop-Version von Facebook zu blockieren. Nur zwei Tage nach dem Facebook-Announcement stellte das Unternehmen eine Möglichkeit zur Umgehung der Blockade vor. Doch die Antwort von Facebook ließ nicht lange auf sich warten: Wie das Unternehmen gegenüber "Techcrunch" erklärt, habe man bereits ein Update ausgerollt, mit dem Anzeigen auf dem Desktop trotz aktiviertem Adblocker wieder sichtbar sein sollen. Adblock Plus blende nicht nur Werbung aus, sondern auch normale Posts von Freunden und Seiten, heißt es dem Facebook-Statement. "Wir sind enttäuscht, dass die Adblocker-Firmen die Menschen auf Facebook bestrafen."
Werbeblocker Adbocker
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Damit dürfte die Auseinandersetzung allerdings noch lange nicht beendet sein. Eyeo dürfte weiterhin nach Möglichkeiten suchen, um Werbung bei Facebook zu blockieren. Schon allein, um bei den eigenen Nutzern glaubwürdig zu bleiben. Facebook wiederum ist gewillt, ein Statement gegen Adblocker zu setzen, wie aus der Ankündigung der Anti-Adblocker-Maßnahme am Dienstag herauszulesen war.

Denn das Unternehmen verfolge mit Maßnahmen wie diesen nicht nur wirtschaftliche Interessen, glaubt Digitalberater Thomas Knüwer: "Mark Zuckerberg ist kein neokapitalistisches Arschloch (auch wenn deutsche Medienhäuser das nicht glauben wollen). Er folgt einer unternehmerischen Werthaltung, die im aktuellen Buch 'Chaos Monkeys' sogar als 'messianisch' bezeichnet wird. Zu ihr gehört der Glaube, dass eine Gesellschaft friedlicher wird, wenn wir mehr voneinander wissen und uns einander näher fühlen. Teil dieses Weltbildes ist der Zugang zu journalistisch verfassten Informationen", so der Gründer der Unternehmensberatung kpunktnull gegenüber HORIZONT Online. Doch verliere der Journalismus durch Adblocker eben einen wichtigen Teil seiner Refinanzierung. "Facebook engagiert sich deshalb im Rahmen dessen, was klassische Großkonzerne Corporate Social Responsability nennen", so Knüwer.
Tim Schumacher
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Allerdings liegt Eyeo-Sprecher Williams durchaus richtig, wenn er die Auseinandersetzung der Adblocker-Firmen mit Publishern und Plattformen als "Katz-und-Maus-Spiel" bezeichnet. Diese Form des Wettlaufes gebe es in der digitalen bereits "seitdem Spammails gelernt haben Spammail-Filter zu umgehen." Für Facebook dürfte es daher von entscheidender Bedeutung sein, ob es gelingt, das Versprechen gegenüber der Community einzulösen und nur noch solche Werbung anzuzeigen, die die Nutzer wirklich interessiert. Dafür hat das Unternehmen jetzt die Verwaltungsmöglichkeiten für Werbeanzeigen einem Update unterzogen, um den Nutzern mehr Kontrolle über ihre Einstellungen für Werbeanzeigen zu geben.

Unterstützung in seiner Anti-Adblocker-Initiative bekommt Facebook derweil vom Onlinevermarkter-Kreis im BVDW. "
Wenn sich bekannte Marktteilnehmer wie Facebook dazu entscheiden, individuell gegen Adblocker vorzugehen, begrüßen wir das grundsätzlich", so der stellvertretende OVK-Vorsitzender Oliver von Wersch. "Das hat eine gewisse Signalwirkung und zeigt, dass die Branche sicher nicht vor Adblockern kapitulieren wird. Dadurch entwickelt sich bei Nutzern mehr und mehr ein Verständnis für das Finanzierungsmodell kostenfrei zugänglicher Inhalte und Services im Internet." ire
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