Angriff auf Google Facebook vermarktet jetzt auch mobile Websites

Dienstag, 26. Januar 2016
Im Audience Network werden vor allem native Werbeformate gebucht
Im Audience Network werden vor allem native Werbeformate gebucht
Foto: Facebook
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Facebook gibt die nächste Weiterentwicklung des Werbenetzwerks Audience Network bekannt - und die hat es es wirklich in sich: Ab sofort können Publisher weltweit auch ihre mobilen Websites mit der Facebook-Technologie vermarkten. Bislang funktionierte das nur mit Apps. Die Neuerung ist ein massiver Angriff auf Google.
Der Suchmaschinenriese bietet Publishern mit Adsense ebenfalls die Möglichkeit, ihre mobilen Webseiten zu monetarisieren. Was Facebook immer betont, wenn es um die eigenen Werbeprodukte geht: Die Targeting-Möglichkeiten des sozialen Netzwerks sollen eine wesentlich passgenauere Aussteuerung von Display-Anzeigen ermöglichen. Das hat mit Googles Adsense bislang zwar auch nicht schlecht funktioniert - viele Publisher werden sich dennoch freuen, dass es nun mit dem Audience Network zumindest eine viel versprechende Alternative gibt. Zumal sich für die Kunden nicht viel ändern soll: Laufende Facebook- oder Instagram-Kampagnen sollen sich mit einem Klick auf mobile Websites verlängern lassen. Zur Auslieferung der Anzeigen können die Publisher bereits vorhandene Adserver verwenden.

"Viele Publisher haben inzwischen eigene Apps, aber der Traffic über das mobile Web ist für die Mehrzahl von zentraler Bedeutung", sagt Yoav Arnstein, der Facebooks Publisher Ad Technology in der EMEA-Region verantwortet, im Gespräch mit HORIZONT Online. Die Monetarisierung mobiler Reichweite ist jedoch ein zähes Geschäft, das nicht immer befriedigende Ergebnisse bringt. Hier soll die Erweiterung des Audience Network ansetzen.

In vergangenen Monaten konnten ausgewählte US-Publisher wie Hearst, Slate und USA Today das neue System testen und haben dabei offenbar gute Ergebnisse erzielt. Rich Dredge, CEO des Portal Answers.com, hält die Ausweitung des Audience Network gar für einen "Gamechanger für die digitale Publishing-Industrie".
Yoav Arnstein verantwortet Facebooks Publisher Ad Technology in der EMEA-Region
Yoav Arnstein verantwortet Facebooks Publisher Ad Technology in der EMEA-Region (Bild: Facebook)
Auch müssten sich die Nutzer des Audience Network nicht auf neue Werbeformate einstellen. Zwar bietet Facebook auch Banner und Insterstitials an, doch seien bereits jetzt 80 Prozent der genutzten Formate Native Ads wie etwa Carousel Ads. "Wir sind bei unseren Native Ads schon jetzt sehr flexibel. Zusammen mit den Publishern wollen wir weiter daran arbeiten, die Nutzererfahrung mit Native Ads noch weiter zu optimieren", sagt Arnstein. Hierbei baut Facebook besonders auf kleine Publisher. Diese seien auf gute Werbung angewiesen, da sie nicht so viel Inventar zur Verfügung stellen könnten wie große Website-Betreiber. Generell habe Facebook mit der Ausweitung des Audience Network allerdings sowohl große als auch kleine Publisher im Blick.

Der Schritt erfolgt wenige Wochen, nachdem Facebook die Abschaltung des Adservers der Liverail-Plattform zugunsten des Audience Network verkündet hatte. Gleichzeitig gab das Unternehmen damals bekannt, dass mit dem Audience Network im vergangenen Jahr Werbespendings im Wert von 1 Milliarde Dollar abgewickelt wurden. Der Großteil davon geht laut Facebook an die Publisher. Diese Summe dürfte sich mit der Ausweitung des Netzwerks noch einmal deutlich erhöhen. Konkrete Ziele habe man hierbei nicht, sagt Arnstein. "Es geht uns zunächst einmal darum zu lernen und echte Mehrwerte für unsere Partner zu generieren."

Bis Facebook konkrete Zahlen dazu nennt, wie viel Werbeumsatz mit dem erweiterten Werbenetzwerk generiert wird, dürfte also noch etwas Zeit ins Land gehen. Eines steht allerdings fest: Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Denn der nächste logische Schritt in der Weiterentwicklung des Audience Network ist, auch Desktop-Inventar einzubeziehen. ire

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