Facebook-Manager Will Cathcart "Wir sind auf die Inhalte der Publisher angewiesen"

Freitag, 24. Juni 2016
Will Cathcart ist Vice President Product Management bei Facebook und steuert von Menlo Park aus unter anderem die Entwicklung des Newsfeeds der Plattform
Will Cathcart ist Vice President Product Management bei Facebook und steuert von Menlo Park aus unter anderem die Entwicklung des Newsfeeds der Plattform
Foto: Facebook
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Facebook Will Cathcart


Instant. Für Digitalexperten ist dieses Wort der neue Status quo, was die Geschwindigkeit des Internets betrifft. Sofort und genau in dem Augenblick, in dem sich der Nutzer für bestimmte Inhalte interessiert, sollen diese, vor allem auf dem Smartphone, verfügbar sein. Instant Articles könnten, nicht nur wegen des passenden Namens, ein ähnlicher Standard im Web werden. „Wir registrieren einen enormen Zuspruch seitens der Publisher“, sagt Will Cathcart, Vice President Product Management bei Facebook, im Interview mit HORIZONT.
Mister Cathcart, im Frühjahr vergangenen Jahres hat Facebook – begleitet sowohl von großer Neugier als auch ebenso großer Skepsis der Medienbranche – seine Instant Articles eingeführt und Publishern damit erstmals die Möglichkeit gegeben, ihre Inhalte fernab der eigenen Website und ohne Verlinkung auf Ihrer Plattform zu veröffentlichen. Wie hat sich das Geschäftsmodell aus Ihrer Sicht seitdem entwickelt?
Bei Instant Articles interessieren uns vor allem zwei Dinge: Wie kommen sie bei den Lesern an, und: Wie funktionieren sie für die Publisher? Wir sind mit beiden Bereichen wirklich sehr zufrieden. Ein paar Zahlen dazu: User, die viele Instant Articles in ihrem Newsfeed sehen, klicken mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent beim nächsten Mal lieber auf einen Instant Article als auf einen anderen Text, weil sie wesentlich schneller laden und umfangreicher informieren. Die Wahrscheinlichkeit, den Beitrag nicht zu Ende zu lesen, sinkt bei Instant Articles um 70 Prozent, die des Teilens mit Freunden ist dagegen um 30 Prozent höher! Das ist ziemlich gut. Zudem standen wir von Anfang an in regem Austausch mit den Medienhäusern und haben viele Dinge angepasst und verändert. Seit wir das Angebot nun für alle Publisher zugänglich gemacht haben, registrieren wir einen enormen Zuspruch. Sie werden künftig noch sehr viel mehr Instant Articles auf Facebook sehen.
Wie ist es für Facebook gelaufen? Es gibt ja kein direktes Monetarisierungsmodell für Instant Articles, abgesehen von der potenziellen Beteiligung an den Werbeerlösen der Publisher. Aus purer Gutmütigkeit wird Facebook das Angebot aber kaum geschaffen haben.
Facebook profitiert durch die Verbesserung des Newsfeeds. Unsere User wollen News, und wenn wir ihnen diese besser und schneller zugänglich machen, wenn wir ihre Ansprüche und Wünsche besser befriedigen, verbessert sich natürlich ihr gesamtes Nutzererlebnis auf Facebook. Deshalb sind wir auf die Inhalte der Publisher angewiesen. Und Letztere würden Instant Articles sicherlich nicht nutzen, wenn sie nicht gut für sie funktionieren würden. Das war uns von Anfang an bewusst.
Trotzdem zögerten anfangs viele deutsche Verlage, ihre Inhalte aus der Hand und sie stattdessen einem Konzern zu geben, dessen Pläne in der Regel nicht sonderlich transparent sind. Haben Sie den Eindruck, dass sich diese Skepsis mittlerweile gelegt hat?
Ich hoffe es! Wie gesagt, wir stehen in ständigem Austausch mit unseren Partnern und haben ihnen in der Vergangenheit immer wieder die Möglichkeit gegeben, Änderungen an Instant Articles vorzunehmen. Als Publisher mehr Anzeigen in einen Artikel einbauen wollten, ermöglichten wir es. Mittlerweile gibt es Videowerbung und sogar Branded Content in Instant Articles – alles Reaktionen Facebooks auf Wünsche der Publisher.
Zudem unterstützen wir Medien, die mit uns zusammenarbeiten, darin, Leser zu erreichen, die sie sonst nicht erreicht hätten, und helfen ihnen, ihre Nutzer besser kennenzulernen.
Mithilfe der Publisher ist Facebook zu einem der größten Distributionskanäle für News geworden, den es auf der ganzen Welt gibt. Kein anderes Medium erscheint in einer annähernd großen Reichweite. Das bringt nicht nur eine sehr große Vielfalt von – manchmal sehr radikalen – Meinungen, sondern auch eine hohe Verantwortung mit sich. Wie gehen Sie damit um?
Unsere Aufgabe ist es, den Nutzern des Newsfeeds das zu geben, was sie möchten. Sie wollen News? Sie  bekommen News! Auf ihren individuellen Geschmack und ihre persönlichen Interessen zugeschnitten, aus verschiedenen Blickwinkeln zu unterschiedlichen Themen und von mehreren Medien. Wir sehen es nicht als unsere Aufgabe, an irgendeiner Stelle strukturierend oder ordnend einzugreifen.


Wie wird es mit Instant Articles weitergehen?
Der nächste Schritt wird sein, Instant Articles mit den bestehenden Paywalls der Publisher zu verknüpfen und dadurch weitere Monetarisierungsmöglichkeiten zu schaffen. Außerdem arbeiten wir daran, das Angebot überall auf der Welt und unabhängig von den jeweiligen Devices nutzbar zu machen. Das letzte Jahr hat uns gezeigt, wie extrem wichtig es vor allem mobil ist, dass News schnell laden und in einer nativen Art und Weise auf dem Smartphone angezeigt werden. Und das macht auch den bisherigen Erfolg der Instant Articles aus. kan
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