Facebook Liverail-Adserver wird abgeschaltet, Milliardengeschäft mit Audience Network soll ausgebaut werden

Freitag, 08. Januar 2016
Liverail soll auch weiterhin zur Vermarktung von Native- und Video-Formaten genutzt werden können
Liverail soll auch weiterhin zur Vermarktung von Native- und Video-Formaten genutzt werden können
Foto: Facebook

Mit Liverail bietet Facebook Publishern die Möglichkeit, ihr mobiles Werbeinventar so effizient wie möglich zu verkaufen. Nun wird der Adserver der Plattform abgeschaltet, neue Kunden werden nicht mehr angenommen. Stattdessen will Facebook sich künftig stärker auf das Werbenetzwerk Audience Network konzentrieren - dieses ist inzwischen ein Milliardengeschäft.
Liverail ermöglicht Publishern die automatisierter Vermarktung von Werbeplätzen für In-App-Videos und Native Ads. Allerdings konnten Liverail-Kunden die Plattform auch dafür nutzen, Werbevideos auf ihren Desktop-Seiten auszuspielen. Facebooks offizielle Erklärung für die Abschaltung des Liverail-Adservers ist, dass dieser sich mit den im Rahmen des Audience Networks angebotenen Dienstleistungen teilweise überschnitten habe. Zudem sei Adserving durch Liverail nicht wirklich viel genutzt worden. Deshalb sollen Liverail-Kunden dazu angehalten werden, verstärkt die Dienstleistungen des Audience Network in Anspruch zu nehmen. Das 2014 gelaunchte Werbenetzwerk bringt Publisher und Werbungtreibende zusammen und ermöglicht es letzteren, ihre Kampagnen auch auf Apps außerhalb des Facebook-Systems auszuspielen. Dies funktionierte zum Start mit Bannern, Interstitials und Nativen Anzeigen. Seit Kurzem können Werbungtreibende auch die Formate Native Video, Carousel Ads und Click-to-Play-Video wählen.

Im vergangenen Jahr wurde über das Audience Network Werbung im Wert von 1 Milliarde Dollar gebucht, wie Alvin Bowles, Head of Global Publisher Sales and Operations bei Facebook, in einem Blogpost schreibt. Der Großteil der Erlöse werde an die Publisher weitergegeben, erklärt der Facebook-Manager, ohne ins Detail zu gehen. Von daher verwundert es nicht dass Facebook hier weiter Gas geben will. Wie genau, ist  derzeit unklar. Etwa, ob es künftig die Möglichkeit geben wird, dass Werbekunden ihre Kampagnen nicht nur in Apps, sondern auch ins Mobile Web verlängern können.
Mark Zuckerberg F8
Bild: Facebook

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Bowles schreibt hierzu nur: "Wir werden noch weitere Wege einführen, mit denen Publisher von den Vorteilen von Faceboks Werbetechnologie profitieren können". Zu diesen Vorteilen zählt insbesondere das People-Based-Marketing, das Facebook zum legitimen Nachfolger der Cookie-Technologie ausgerufen hat. Dabei werden Nutzer über Daten wie Alter, Geschlecht und Wohnort und vor allem über mehrere Geräte hinweg getargeted. Laut Facebook ist diese Methode wesentlich präziser als Cookies.

Auch wenn der Adserver abgeschaltet wird, bedeutet das nicht, dass die bestehenden Kunden auf die Dienstleistungen von Liverail verzichten müssen. Die Plattform hat Anbindung an gut 75 private Marktplätze für Programmatic Buying, auf denen Werbungtreibende mit festen Preisen auf ganz bestimmtes Inventar von Publishern bieten können. Dabei werde man sich auf Native Ads und Video-Formate konzentrieren, wie Bowles erklärt. "Wir glauben, dass Native und Video Schlüsselformate in der Werbung sind und dass Programmatic-Buying-Plattformen der beste Weg sind, sie auszuliefern", so Bowles .

Personelle Konsequenzen soll das Zurückfahren von Liverail nicht haben. Die Mitarbeiter seien bereits bei der Weiterentwicklung des Audience Network behilflich, wie ein Facebook-Sprecher erklärt. Auch Scott Woods soll seine Position behalten: Der ehemalige Deutschland-Chef von Facebook übernahm nach dem Antritt von Marianne Dölz die Führung von Liverail in Nordeuropa. ire
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