Instant Articles 4 Argumente, mit denen Facebook Bedenkenträger kaltstellen will

Mittwoch, 13. Mai 2015
Facebook bietet bei seinen Instant Articles auch interaktive Landkarten an
Facebook bietet bei seinen Instant Articles auch interaktive Landkarten an
Foto: Facebook

Über Facebook und seine Content-Pläne wird seit Monaten spekuliert. Heute hat das Social Network seine Instant Articles im Detail vorgestellt. Die entscheidende Frage, ob Verlage mitmachen sollten oder besser nicht, dürfte in den kommenden Tagen und Wochen heiß diskutiert werden. So viel vorweg: Facebook hat seine Hausaufgaben gemacht. Und Kritiker dürften es schwer haben.
Mit den Instant Articles hat Facebook ein Angebot vorgelegt, das - man kann es nicht anders sagen - zwar in erster Linie natürlich die eigene Content-Strategie und die eigenen Machtinteressen im Blick hat. Dennoch dürften es die Kritiker auf Seiten der Verlage schwer haben, sich durchzusetzen. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe.

1. Die Inhalte: Verlage bleiben King of Content

Die Angst, weiter an Macht und Einfluss zu verlieren und dem Social-Media-Riesen irgendwann ohnmächtig gegenüberzustehen, dürfte in vielen Verlagshäusern allgegenwärtig sein. Das Angebot, das Facebook den Medien mit den Instant Articles macht, soll offenbar genau diese Bedenken zerstreuen. Beispiel Axel Springer: Dass der Verlag mit seinem Flagschiff Bild.de zum Start in einigen Wochen an Bord ist, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass der Boulevardtitel die Hoheit und Verantwortung für die journalistischen Inhalte behält. Dasselbe gilt freilich für die Rechte an den Inhalten. Damit dürften die größten Bedenken inhaltlicher Natur aus dem Weg geräumt sein. Dass Facebook Springer zugesichert haben soll, sich bei der Verwendung der Artikel an "geltende Datenschutzbestimmungen" zu halten, dürfte angesichts des Dauerstreits mit Verbraucherschützern allerdings eher als politisches Zugeständnis an die Verlage denn als belastbare Zusage zu werten sein. Ähnlich sieht es mit der Zusicherung von Facebook aus, in der Testphase gemeinsam mit dem Verlagshaus an einem Bezahlmodell für journalistische Inhalte arbeiten zu wollen. Ob daraus jemals etwas wird, bleibt abzuwarten. Eine Paywall auf Facebook wird es nach HORIZONT-Online-Informationen jedenfalls nicht geben. 
Videos starten bei den Instant Articles automatisch
Videos starten bei den Instant Articles automatisch (Bild: Facebook)

2. Die Vermarktung - as you like it!

 Mindestens genauso wichtig wie die Inhalte: Facebook gesteht den Verlagen zu, auch die Vermarktung selbst in die Hand zu nehmen. So wird etwa die Werbung, die Facebook im Umfeld der Bild.de-Inhalte darstellt, von Axel Springer Media Impact vermarktet. Wie HORIZONT Online erfuhr, können Partnerverlage in ihrem Content-Management-System eine Schnittstelle zu der Instant-Articles-Plattform einrichten und darüber Werbeformate einspielen und platzieren. Der große Vorteil: Die Werbeerlöse gehen zu 100 Prozent an die Verlage. Wem der Aufwand zu groß ist, dem bietet Facebook die Vermarktung über sein Audience Network an. In diesem Fall gehen 70 Prozent der Erlöse an die Verlage, 30 Prozent behält Facebook ein.
 

3. Die Reichweite: IVW und Co zählen mit

Wer seine Inhalte komplett auf Facebook zur Verfügung stellt, der dürfte in den Reichweiten-Rankings von IVW und Co bald massiv an Boden verlieren. Könnte man meinen. Doch dieses nicht zu unterschätzende Argument der Facebook-Gegner wird wohl ebenfalls nicht greifen. Grund: Facebook will nach eigenen Angaben mit den führenden Online-Reichweitenanbietern zusammenarbeiten. Das Ziel: Die Reichweite, die Medien mit ihren Instant Articles auf Facebook erzielen, soll von Comscore (USA) und von der IVW (Deutschland) den Medien gutgeschrieben werden. Einen Reichweitenverlust müssten Partner des Instant-Articles-Projekts also nicht befürchten.
Instant Articles
Bild: Facebook

Mehr zum Thema

Facebook launcht Instant Articles Warum der "Spiegel" beim Test mitmacht

4. Die Features: Usability vom Feinsten

Auch wenn die Instant Articles optisch ähnlich daherkommen wie die diversen Magazin-Seiten auf der Messaging-App Snapchat muss man Facebook zugestehen, in den vergangenen Monaten einen guten Job gemacht zu haben. Glaubt man dem bei Facebook zuständigen Product-Manager Michael Reckhow, dann wird sich die Usabilty massiv verbessern. Beispiel Ladezeit: Bislang dauerte es im Schnitt 8 Sekunden, bis ein Artikel in der mobilen App geladen war. Da für die Instant Articles künftig dieselbe Techologie wie bei Foto- und Video-Uploads zum Einsatz kommt, sollen sich die Beiträge 10 Mal schneller laden als bislang.

Zudem gibt es eine ganze Reihe interaktiver Features, mit denen sich die Instant Articles aufwerten lassen. So können iPhone-Nutzer etwa bei hochauflösenden Bildern eine Zoom-Funktion nutzen, und Videos starten dank der Auto-Play-Funktion von selbst. Außerdem lassen sich interaktive Karten und Sprachbotschaften integrieren. Zudem können Redaktionen selbst bestimmen, an welcher Position im Artikel Like-Buttons und Kommentarfunktion eingeblendet werden.
 

Fazit: Die Verlockung ist groß

Vor dem Hintergrund, dass Facebook für viele Medien ohnehin schon zum unverzichtbaren Kanal für Reichweite geworden ist, werden es sich die Verlage zweimal überlegen, ob sie hier außen vor bleiben wollen. Stefan Plöchinger, Digitalchef der "Süddeutschen Zeitung", hat es gegenüber HORIZONT Online auf den Punkt gebracht: Zwar habe er natürlich ein Interesse daran, die Leser auf Sueddeutsche.de zu halten. Er sagt aber auch: "Die Logik der Instant Articles ist verführerisch". mas 

Social Media

 
Ob und in welcher Intensität Social Media genutzt werden soll, ist einer der Schwerpunktthemen der HORIZONT Digital Days am 13. Und 14. Juli in Berlin. Am ersten Tag beschäftigen sich Redner wie Christoph Bornschein, Torben, Lucas und die gelbe Gefahr, Marc Sasserath, Sasserath Munzinger Plus, Thomas de Buhr, Twitter, Klaus Goldhammer, Goldmedia, Matthias Schäfer, Interone, Benedikt Schaumann, Nestlé, Philiüüe Bernecker, Divimove und Nicolas Lindken alias Tense, worauf es bei Sozialen Netzwerken wirklich ankommt. Der zweite Konferenztag ist ein Learning Day: Andreas Bersch, Gründer Futurebiz, untersucht die Erfolgsfaktoren für Marketing auf Facebook, Instagram und Pinterest. Wer wissen will, worauf es im Digitalbusiness ankommt, darf die HORIZONT Digital Days nicht versäumen. Weitere Infos und Anmeldung unter http://www.conferencegroup.de/digital15


Meist gelesen
stats