"FUMS"-Gründer Cord Sauer "Wir lieben Fritz von Thurn und Taxis wirklich!"

Montag, 22. Mai 2017
Cord Sauer hat "FUMS" vor drei Jahren gegründet
Cord Sauer hat "FUMS" vor drei Jahren gegründet
Foto: FUMS

Wer in den vergangenen Wochen die Fußball-Bundesliga verfolgt hat, kam an dem Hashtag #FritzLove zum Abschied von Sky-Kommentatorenlegende Fritz von Thurn und Taxis nicht vorbei. Erfunden haben ihn die Macher des Online-Magazins "Fußball macht Spaß" (kurz: "FUMS"): Gründer Cord Sauer und seine Crew versorgen die Fußball-Gemeinde nun schon im vierten Jahr mit lustigen Fakten, skurrilen Episoden und bissigen Einschätzungen zum besten Spiel der Welt. Ein Gespräch über Fansein, Journalismus und "geilen Scheiß".
Wer am Samstag Sky verfolgt hat, der hörte den Begriff sogar aus dem Mund von Moderator Michael Leopold: #FritzLove. Dass selbst die Kollegen von Sky-Kommentator Fritz von Thurn und Taxis den liebevollen Hashtag verwenden, zeigt, was für eine gute Idee Cord Sauer und sein Team da hatten. Die Macher des Online-Magazins "FUMS" begleiten das Schaffen von "TuT" schon lange - und widmen ihm regelmäßig einen ihrer beliebten Arbeitsnachweise: Dabei werden die besten Stilblüten eines Kommentators aus einer Partie in einer Art Bingo-Spielfeld nebeneinander aufgelistet.
Und Stilblüten, so viel steht fest, liefert Thurn und Taxis einige. Dortmunds Ousmane Dembele etwa heißt bei ihm gerne "Dömbele", der Frankfurter Branimir Hrgota wird zu "Ricotta" und spektakuläre Spielszenen werden mit einem zünftigen "Uiuiui" oder einem langgezogenen "Brrrrima!" bedacht. Den scheidenden Bayern-Kapitän Philipp Lahm verabschiedete von Thurn und Taxis am Samstag so: "Jetzt will der Lahm kochen lernen. Das klingt nicht gut für seine Frau. Mal sehen was das wird. Ein Gulasch vielleicht."

Seit klar wurde, dass von Thurn und Taxis das Mikro nach dieser Saison an den Nagel hängen wird, beschäftigten sich viele Medien in Deutschland mit dem 66-jährigen Österreicher. Und vielen Journalisten wurde klar: Dieser Mann wird im Netz gerade gefeiert wie kaum ein anderer Sportkommentator. Von der "Süddeutschen Zeitung" über die "Welt" bis zum "Kölner Stadtanzeiger": #FritzLove war plötzlich in aller Munde.

Im Interview mit HORIZONT Online verrät "FUMS"-Gründer Cord Sauer, wie es ohne Thurn und Taxis bei dem Magazin weitergehen wird, welche Wachtsumspläne er für die Seite hat und welche Rolle "FUMS" für den Sportjournalismus in Deutschland spielt.
Hand aufs Herz: Schläfst du eigentlich in Bettwäsche mit dem Gesicht von Fritz von Thurn und Taxis darauf? Bist du Fritz-Fan? Der Begriff "Fan" wäre da vielleicht der falsche. Ich bin ja auch Bremer und muss mich trotzdem ab und zu von Werder distanzieren. Ähnlich ist es bei Fritz: Ich liebe was er tut, würde mich aber nicht für ein Autogramm anstellen.

Mit #FritzLove hat ein Hashtag große Medien-Karriere gemacht, den du für FUMS erfunden hast. Was war die Intention dahinter? Wir wollen damit zeigen, dass wir Fritz von Thurn und Taxis nicht ablehnen oder belächeln, sondern wirklich lieben. Das wurde gerade anfangs oft missverstanden. Wir wollen niemanden diskreditieren. Wir finden es geil, wenn Kommentatoren eine sehr eigene Sprache sprechen und auch mal Spielernamen falsch formulieren. Das ist einfach unterhaltsam. Das Gleiche gilt übrigens für Béla Réthy, für den wir noch vor #FritzLove den Hashtag #BélaLove eingeführt haben.

Fritz von Thurn und Taxis hört nach dieser Saison auf. Was macht ihr künftig ohne ihn? Als klar war, dass er aufhört, haben wir uns schon gefragt: Und jetzt? Ich kann nur soviel verraten: Komplett verschwinden wird er vermutlich nicht aus unserer Kommunikation. Aber es gibt ja noch andere tolle Kommentatoren, die wir künftig stärker begleiten wollen. Sky hat sich ja mit Hansi Küpper, Jörg Dahlmann und Frank Buschmann verstärkt. Da geht bestimmt etwas. Und Béla Réthy ist ja auch nicht aus der Welt.

Ein Blick zurück: Wann genau hast du FUMS gegründet? Am 7. Januar 2014.

Du weißt es noch auf den Tag genau? FUMS ist mein Baby. Den Geburtstag des eigenen Kindes merkt man sich.

Der FUMS-Gründer im Porträt:

Cord Sauers Berufswunsch früher lautete: Journalist. Heute steht in seiner Signatur: Social Media und Kommunikation. Nach journalistischen Praktika beim "Weser Kurier" und Stern.de sammelte Sauer parallel zum Studium der Medienkultur in Bremen auch Erfahrungen als Content Manager bei der Sportmarketing-Agentur Jung von Matt/Sports sowie als Social-Media-Manager bei Yahoo Sports. Seit Ende 2016 ist Sauer selbstständig. Für Yahoo ist er auf freier Basis nach wie vor tätig, außerdem berät er Fußball-Profis in Sachen Social Media. Wenn er nicht gerade "FUMS" macht, treibt der 29-Jährige das Projekt #ComebackStronger voran, das er vor zwei Jahren mit den Handball-Profis Dominik Klein und Philipp Reuter ins Leben rief und das verletzte Sportler motivieren soll.

Wie hat sich seitdem die Reichweite entwickelt? Die Website war lange Zeit eher Beiwerk. Seit wir gemerkt haben, wie viel dort brach liegt, ist viel passiert. Inzwischen haben wir monatlich mehr als 150.000 Visits. Es ist toll zu sehen, dass die Linkouts im Social Web auch Traffic auf die Homepage ziehen. Wir kriegen dadurch derzeit einen ganz guten Mix hin aus Native Content und Linkouts.

Wie viel Traffic bekommt ihr über die sozialen Netzwerke? Social Refferals liegen derzeit bestimmt bei 80 Prozent. Man bekommt die Menschen einfacher dort, wo sie sind. Und das sind nun mal Facebook und Instagram. Also muss ein FUMS-Arbeitsnachweis auch dort abrufbar sein. Wir machen das ja in erster Linie für die Fans und nicht für unseren Geldbeutel.

Gutes Stichwort: Verdient FUMS denn Geld? Es ist jedenfalls kein Verlustgeschäft. Unser großes Glück ist, dass unser Team aus Leuten besteht, die absolut brennen. Alle, die im Boot sind, haben Jobs oder andere Verpflichtungen, sei es der Abiturient oder der erfahrene Digitalberater. Alle sehen etwas in FUMS und haben Bock darauf. Aber jetzt, da wir so stark wachsen, wollen wir auch die Vermarktung stärker vorantreiben – ohne dabei die Website mit Werbung zuzukleistern. Wir suchen lieber einige wenige große Partner, die gemeinsam mit uns etwas erreichen wollen.
In welche Richtung gehen eure Überlegungen dabei? Native oder doch lieber klassische Banner? Das steht noch in den Sternen, wir schauen uns derzeit einige mögliche Kooperationen an. Ehrlich gesagt: Etwas Passendes war noch nicht dabei. Aber wir freuen uns, dass die Werbungtreibenden uns jetzt langsam entdecken.

Manchmal verkauft ihr auch T-Shirts. Welche Rolle spielt Merchandising für euch? Die Shirts, die wir anbieten, sind Sonderaktionen, die sich meistens spontan ergeben. Unser Plan ist auf keinen Fall, in den kommenden Jahren Schneidebretter und Frühstückstassen zu verkaufen. Aber wenn die User ein Shirt total cool finden wie das #FritzLove-Shirt, dann nehmen wir das natürlich gerne mit.

Wer gehört außer dir zum FUMS-Team? Lars Kranenkamp ist super-wichtig für FUMS, weil wir mit seinem digital-strategischen Input zusammen die Marschroute vorgeben können. Dieser Austausch ist auch mal aufreibend und manchmal radikal, aber FUMS könnte kaum etwas Besseres passieren. Thomas Poppe, der unter anderem für die "heute show" tätig ist, ist eine Gag-Maschine und ein super Schreiber. Leon Herzog ist unser Rookie und Trend-Radar, absoluter Fußballfachmann. Wenn irgendetwas im Netz passiert, kriegt er das mit und macht uns drauf aufmerksam. Ich würde sagen, diese Mischung ist ziemlich perfekt. Was mich an dieser Kombination jeden Tag wieder überrascht: Wir sind oft so unglaublich schnell.

Außerdem arbeitet ihr seit Kurzen mit Internet-Entertainer Rob Vegas zusammen. Richtig. Rob ist ganz frisch dabei und soll uns helfen, unsere Website und die Vermarktung auf ein neues Level zu heben. Das bestehende Team konzentriert sich auf Content und Strategie – wir können nicht nebenher auch noch vermarkten.
Wahre Liebe: Cord Sauer Fritz von Thurn und Taxis
Wahre Liebe: Cord Sauer Fritz von Thurn und Taxis (Bild: Max Hartmann Photo)
Wie viel Fußball muss man eigentlich schauen für das, was ihr macht? Das Geile ist, dass wir alle rund um die Uhr an etwas dran sind. Für uns alle ist das kein 8-Stunden-Job, bei dem man abends den Stift fallen lässt - sondern dann geht es erst richtig los. Es ist ein Mix aus Social-Media-Aktivität und Live-Fußball im Fernsehen.

FUMS ist ein Magazin neuer Prägung: Was ihr macht, gab es in der Form nicht. Wie seht ihr selbst eure Rolle in Fußball-Deutschland? Ich habe in den vergangenen Jahren festgestellt, dass auch viele alteingesessene Sportmedien zunehmend den Humor entdecken. "11 Freunde" hat hierbei total gute Pionierarbeit geleistet, trotzdem lag dieses Potenzial sehr lange brach. Hier sollte FUMS ansetzen: Wir wollen die Leute einfach mit geilem Scheiß versorgen und zum Lachen bringen. Mit ist natürlich bewusst, dass unser großer Vorteil ist, dass wir einfach machen können, währen die großen Sportmedien oft in ihrem Korsett gefangen sind.
„Wir wollen die Leute einfach mit geilem Scheiß versorgen und zum Lachen bringen.“
Cord Sauer
Seht ihr euch als journalistisches Angebot? Unser Anspruch an uns selbst ist schon, ernstgenommen zu werden. FUMS soll nicht irgendein Kasper-Magazin sein. Wir machen deswegen nicht jeden Trend mit und wollen auch unsere Fans im Lager der Sportjournalisten haben. Und gerade da bekommen wir schon enormes Feedback – gerade unter den Journalisten und auch aktiven Fußballern, Profis und Amateuren, gibt es sehr viele Anhänger. Ich weiß nicht, ob ich den Stempel "Journalismus" auf unserem Label brauche, aber ich möchte Relevanz und Akzeptanz. In beiden Punkten können wir uns gerade nicht beschweren.

Vereine und Spieler werden zunehmend zu eigenen Medienhäusern. Wie nimmst du diese Entwicklung wahr? Ich bin überrascht, dass die Vereine das erst jetzt so langsam professionalisieren, die Möglichkeiten dazu lagen schon lange auf der Straße. Viele Vereine sind diesbezüglich auch noch ganz schön am Dösen.
„Ich weiß nicht, ob ich den Stempel 'Journalismus' auf unserem Label brauche, aber ich möchte Relevanz und Akzeptanz. In beiden Punkten können wir uns gerade nicht beschweren.“
Cord Sauer
Was bedeutet das aus deiner Sicht für den Sportjournalismus? Die Journalisten haben in meinen Augen die Aufgabe, dagegenzuhalten und sich die Deutungshoheit nicht nehmen zu lassen. Sie müssen den Vereinen zeigen, dass es ohne unabhängigen Journalismus nicht geht. Gleichzeitig ist mir klar, dass man mit Kontakten weiterkommt, deswegen herrscht zwischen vielen Journalisten und Vereinen auch eine sehr große Nähe. Aber ich denke, das ist in jeder Branche so.

Welche Pläne und Vorstellungen hast du für FUMS? Natürlich wollen wir weiter wachsen, uns grafisch weiterentwickeln und mehr mit Video-Content experimentieren. Mein persönlicher Traum wäre, dass in ein paar Jahren jedes Kind auf dem Bolzplatz FUMS kennt.

Interview: Ingo Rentz
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