"FAZ" Thomas Lindner holt Ex-Focus-Mann Ingo Müller

Montag, 07. April 2014
Ingo Müller wird Leiter des Bereichs Werbemärkte/Media Solutions
Ingo Müller wird Leiter des Bereichs Werbemärkte/Media Solutions


Ingo Müller wird neuer Vermarktungschef des FAZ-Verlags. Der ehemalige Anzeigenleiter des "Focus" übernimmt ab sofort die Leitung des Bereichs Werbemärkte/Media Solutions und verantwortet damit die Vermarktung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", der "FAS" und FAZ.NET. Müller folgt auf Andreas Formen, der den Verlag Ende April verlässt.
Dass es so schnell geht mit einem Nachfolger für "FAZ"-Verlagsgeschäftsführer Andreas Formen, ist keine Überraschung - der Name aber ist es: Der neue starke Mann hinter Geschäftsführer Thomas Lindner heißt ab sofort Ingo Müller. Der 39-Jährige stand bis April vergangenen Jahres bei Burda in Lohn und Brot und machte sich vor allem durch Führungsaufgaben beim Münchner Nachrichtenmagazin "Focus" einen Namen.

Von Formen zu Müller - viel radikaler kann ein Kulturwechsel kaum sein. Müller gilt als einer der offensiven und toughen Vertreter seiner Zunft - und das liegt nicht nur an seinen wilden Rastalocken, die er sich inzwischen freilich abgeschnitten hat. Als Chef der "Abteilung Attacke" soll er der "FAZ" zu mehr Marktpräsenz verhelfen. Ob das auch eine aggressivere Preispolitik bedeutet, wird man sehen.

Und Formen? Der hat sich im Grunde nichts vorzuwerfen. Dass es im Anzeigengeschäft nicht besonders gut läuft und der Stellmarkt weiter auf Talfahrt ist, ist kein Geheimnis. Jedoch, und das ist bei der Beurteilung von Formens Leistung der entscheidende Punkte: Die "FAZ" hat erstens keine Marktanteile in ihrem Segment verloren und zweitens mit dem Konzept, den Werbekunden "Tailormade-Lösungen" zu bieten, einige schöne Erfolge erzielt. Als Grund für Formens Ausstieg wurden in der Pressemitteilung vergangene Woche "unterschiedliche Auffassungen über die künftige Vermarktungsstrategie" genannt. Was sicher auch eine Rolle gespielt haben dürfte: Unter Linders Vorgänger Tobias Trevisan war Formen es gewohnt, weitgehende Freiheiten zu genießen, was Preispolitik und Vermarktungsstrategie betrifft. Linder, seit Anfang des Jahres die Nummer 1 in der Hellerhofstraße, lässt dagegen keinen Zweifel daran, sich auch ins operative Geschäft intensiv einmischen zu wollen. Das konnte Formen nicht gefallen.

Mit Ingo Müller jemanden zu holen, der nicht aus dem Tageszeitungs-Business kommt, ist ziemlich mutig von Lindner. Aber die Entscheidung passt auch ins Bild einer "neuen FAZ". Digital-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron kommt vom "Spiegel", Geschäftsführer Thomas Lindner vom "Stern" da passt die Personalie Müller ganz gut dazu.

Außerdem übernimmt Hannes Ludwig als Leiter den Bereich Neue Geschäftsfelder der FAZ. Der 38-Jährige kommt vom mexikanischen Joint Venture Editorial Motorpress Televisa. Dort hat er als Geschäftsführer den Um- und Ausbau der Marken zu Multi-Channel Produkten verantwortet hat. Der gebürtige Bremer begann seine Laufbahn bei Gruner + Jahr und war für die Motor Presse Stuttgart in Ungarn und Rumänien tätig. Ludwig übernimmt die Aufgaben von Josef Krieg, der aus persönlichen Gründen aus der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH ausgeschieden ist. js/dh
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