Expertenumfrage Sender verteidigen Programmqualität im TV

Donnerstag, 03. April 2014
Für die Sender stehen die Zuschauer im Mittelpunkt - nicht das Feuilleton
Für die Sender stehen die Zuschauer im Mittelpunkt - nicht das Feuilleton


Schlechte Programmqualität ist schuld an der sinkenden Werbewirkung im TV - so lautete zumindest der Vorwurf vieler Mediaagenturen an die Sender im vergangenen Jahr. HORIZONT hat Programmdirektoren und TV-Vermarkter mit der Kritik konfrontiert. Denn die Sender sehen das naturgemäß anders.
Thomas Wagner, Geschäftsführer von Seven-One Media, Ladya van Eeden, Programmchefin von Vox, IP-Chef Matthias Dang, El-Cartel-Vertriebsdirektor Andreas Kösling, Stefan Graf, Leiter Verkauf und Services Tele 5 und RTL-Programmplaner Jan Peter Lacher über ihre Vorstellungen von Programmqualität.

Wie definieren Sie Fernsehqualität und welche Formate stehen bei Ihrem Sender dafür?

Thomas Wagner, Geschäftsführer Seven-One Media

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Das Privatfernsehen erfindet sich seit 30 Jahren immer wieder neu und hat der TV-Landschaft eine bemerkenswerte Programmvielfalt beschert. Neue Sender wie Sixx, Sat 1 Gold und Pro Sieben Maxx zeigen dies deutlich. Mit unserem Programm wollen wir in erster Linie die Zuschauer, nicht die Feuilletonisten, überzeugen. Wir bieten den Menschen Sendungen, die ihre Lebenswirklichkeit widerspiegeln und sie begeistern. Dass sich hochwertige Programmumfelder und Zuschauerzuspruch nicht ausschließen, beweist unsere Sendergruppe mit Show-Formaten wie "The Voice" oder der neuen Staffel der Kinder-Variante "The Voice Kids". Auch die Show "Circus Halligalli" kommt nicht nur bei der jungen Zielgruppe gut an, sondern gefällt ebenso den Kritikern. Gleichzeitig setzen wir mit aufwendigen deutschen Produktionen wie "Der Minister", aber auch mit der Ausstrahlung von internationalen Serien wie "Homeland" Maßstäbe. Qualitätsbemühungen, die uns der Werbemarkt mit steigenden Werbeerlösen dankt.

Ladya van Eeden, Programmdirektorin Vox

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Qualität stellt sich über ganz unterschiedliche Parameter dar, je nachdem welchen Blickwinkel man einnimmt. Grundsätzlich gelten bei Vox relevante Inhalte, Unterhaltungs- und Mehrwert für den Zuschauer oder auch der Produktionsaufwand, der für ein Format betrieben wird, als Qualitätskriterien. Beispielhaft für die unterschiedlichen Facetten von Qualität stehen bei Vox sowohl die hochwertigen US-Serien wie "Arrow", "Grimm" oder "Rizzoli & Isles", die vierstündigen, aufwendig-recherchierten Dokumentationen oder auch die vielfältigen Vox-Eigenproduktionen wie "Shopping Queen" mit Goldene Kamera-Preisträger Guido Maria Kretschmer oder das mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnete "Perfekte Dinner". An den Vox-Eigenproduktionen schätzen Agenturen wie Zuschauer die Authentizität, die echten Menschen wie Du und ich, die hier eine Bühne bekommen genauso wie die starken und charmanten Charaktere wie Martin Rütter, Daniela Katzenberger oder Steffen Henssler. Aus der Perspektive der Werbetreibenden und Agenturen gibt es natürlich noch andere qualitative Aspekte. Agenturen schätzen an Vox beispielsweise die verlässlichen Umfelder, die Kontinuität auf qualitativ hohem Niveau und das große Involvement der Zuschauer.

Matthias Dang, Geschäftsführer IP Deutschland

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Eigentlich nervt mich diese Diskussion um Qualität ja eher keine zwei Menschen meinen dasselbe, wenn sie den Begriff benutzen, und trotzdem redet sich die Mediarepublik die Köpfe heiß, dass sie Qualität in den Medien vergeblich sucht. So pauschal ist das Blödsinn, es gibt reichlich qualitativ hochwertige Inhalte, die von genau den Menschen genutzt werden, die die Werbekunden zu Konsumenten machen wollen mal haben diese Inhalte eine große Reichweite, mal nicht, wenn die Zielgruppe sehr spitz definiert ist. Das zu diskutieren ist müßig. Worüber leider weniger gesprochen wird, ist die Wirkung der einzelnen Plattformen und Inhalte, und ihr Beitrag zum Erfolg von Kampagnen. In diese Qualitätsdiskussion steige ich sofort und sehr gern ein!

Andreas Kösling, Vertriebsdirektor El Cartel Media

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Nach meinem Eindruck gibt es keine breite Kritik der Mediaagenturen an den Programmumfeldern. TV-Werbung wurde immer schon nach objektiven Leistungswerten eingekauft und nicht nach individuellen Geschmäckern. Wenn Programme bei den Zuschauern gut ankommen, greifen auch die Werbekunden zu. Von daher mögen solche Debatten vielleicht auf Podien oder in den Feuilletons stattfinden, für das tägliche Mediageschäft haben sie keine Bedeutung. Der beste Beleg dafür ist das nach wie vor hervorragende Abschneiden des Mediums Fernsehen im Werbemarkt. Und auch die Vermarktung von RTL II macht derzeit richtig Spaß, da hören wir keine Kritik an unserem Programm. Im Gegenteil wird überall anerkannt, welch positive Entwicklung der Sender in den vergangenen Jahren genommen hat in jeder Hinsicht. Ein dringendes Qualitätsproblem haben vielmehr die Printmedien, die sich ihr gewohntes inhaltliches Niveau strukturell immer weniger leisten können.

Stefan Graf, Leiter Verkauf und Services Tele 5

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Unsere Vorgehensweise heißt: Auf der einen Seite hohe Verlässlichkeit bieten, andererseits neue Programme und Umfelder entwickeln. Werbeumfelder müssen von hoher Produktionsqualität sein und verlässliche Reichweiten generieren. In diesem Spannungsfeld stehen wir. Tele 5 bietet mit hochwertigen Spielfilmen und Serien maximale Sicherheit für die Mediaagenturen und mit den Eigenproduktionen neue Programmimpulse. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Qualität in der Werbeinsel selbst. Bei vielen Sendern findet hier ein spürbarer Qualitätsverlust statt, weil sie zunehmend mit billig produzierten Spots, Eigenwerbung und platt inszenierten Clips für Internetseiten gefüllt werden. Da werden die Werbeinseln zum Abschalter. Unsere Strategie ist deshalb: In der wichtigsten Werbezeit von 17 bis 23 Uhr gibt es auf Tele 5 nur Markenwerbung. Bei uns arbeiten Programm und Vermarktung unter einem Dach. Deshalb kennen wir unsere Umfelder und können Kundenwünsche zuverlässig erfüllen.

Jan Peter Lacher, Bereichsleiter Programmplanung RTL

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Fernsehqualität erreichen sie mit relevanten Inhalten in handwerklich gekonnter Umsetzung. Mit Vielfalt in Unterhaltung und Information. Mit Zuschauernähe und Haltung. Mit der Fähigkeit, Themen zu setzen, über die das ganze Land spricht. Mit Mut zu inhaltlich kritischen und auch mal polarisierenden Programminhalten. Mit Verlässlichkeit und Überraschung, Markenstärke und natürlich Reichweite. All das sind für uns Kriterien, die uns täglich anspornen, unser Publikum kompetent zu informieren und gut zu unterhalten. Sie gelten für verschiedene Programmgenres in unterschiedlicher Ausprägung. Für "Das Jenke-Experiment" anders als für "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", für "RTL aktuell" anders als für "Ich bin ein Star Holt mich hier raus!".

Mehr zum Thema finden Sie im Report TV-Marketing. hor
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