Expertenforum Warum die Generation Y eigentlich gar nicht existiert

Donnerstag, 03. Dezember 2015
Jugendforscher Philipp Ikrath beim Screensforce Expertenforum
Jugendforscher Philipp Ikrath beim Screensforce Expertenforum
Foto: Screenforce

Personaler und Marketingexperten sprechen häufig von ihr: der Generation Y. Wenn es nach dem Jugendforscher Philipp Ikrath geht, gibt es diese aber gar nicht. Auf dem gestrigen Screenforce-Expertenforum äußerte er die These, dass die Generation Y nur etwa 20 Prozent der Jugendlichen ausmacht und die große Mehrheit immer noch an traditionellen Wertvorstellungen festhält.
"Die Generation Y ist flexibel, weltoffen und individualistisch. Diese jungen Menschen sind aber nur der Idealtypus  für einen gesamten gesellschaftlichen Wandel, den sie derzeit verkörpern und vorantreiben", sagt Ikrath, der für das Institut für Jugendkulturforschung und Jugendkulturvermittlung tätig ist. Aus diesem Grund sei die Generation Y besonders für das Marketing interessant, weil sie höchst modern ist und die Elite der gegenwärtigen Jugendorganisation darstellt, sowohl als kulturelle Trendsetter als auch im Sinne ihrer priviligierten sozialen Position. "Die Elite - das waren häufig dicke, alte Männer. Zukünftig sind es junge durchtrainierte Menschen mit Nike-Fuel-Armbändern", so Ikrath.

Die Mediennutzung der jungen Menschen hat sich bekanntermaßen dramatisch verändert in den letzten Jahren, Stichwort Internet. Doch Walter Klingler, Leiter Medienforschung beim SWR und ebenfalls Redner beim Expertenforum, konstatiert: "Fernsehen und Hörfunk bleiben nach wie vor Alltagsmedien." Seit 17 Jahren beobachtet Klingler für die JIM-Studie das Medien- und Freizeitverhalten der 12-19-Jährigen. Und entgegen aller Erwartungen zeige sich, dass die heutige junge Generation immer noch zu 47 Prozent Musik über eher klassische Wege wie CD oder Kassette hört. Auch habe sich der Anteil derer, die gerne Zeit mit der Familie oder Freunden verbringt trotz Facebook und Co nicht verändert. Klinglers Fazit: "Junge Menschen sind junge Menschen, mit den Erwartungen, Bedürfnissen und Herausforderungen von jungen Menschen – auch daran hat sich wenig verändert."
„Junge Menschen sind junge Menschen, mit den Erwartungen, Bedürfnissen und Herausforderungen von jungen Menschen – auch daran hat sich wenig verändert.“
Walter Klingler
Walter Klingler, Leiter Medienforschung beim SWR
Walter Klingler, Leiter Medienforschung beim SWR (Bild: Screenforce)
Dennoch seien die 12-19-Jährigen heute nicht mehr so einfach vor die Flimmerkiste zu locken, muss Christian Nienaber, Bereichsleiter Digital bei RTL 2, eingestehen. Nicht ohne Grund habe man vor einiger Zeit mit "Berlin - Tag und Nacht" ein crossmediales Storytelling initiiert, dass die jungen Zuschauer vor allem auf Facebook und Co versucht zu erreichen. Die Wohngemeinschaft, die der Dreh- und Angelpunkt der Serie ist, betreibt auf Facebook einen eigenen Channel und macht den jungen Fans die Ausstrahlung im TV schmackhaft. Denn, so Nienaber auf dem Expertenforum: "Das alles muss im TV Erfolg haben. Nur dort wird das Geld verdient, nicht im Web." ron
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