Exklusivumfrage zur Bundestagswahl Deutsche rechnen mit Fake News - und informieren sich vor allem im Fernsehen

Donnerstag, 02. März 2017
Wo bilden sich deutsche Wähler ihre politische Meinung?
Wo bilden sich deutsche Wähler ihre politische Meinung?
Foto: Fotolia / Lydia Geissler

Gut sechs Monate vor der Bundestagswahl gehen die Parteien allmählich in den Wahlkampf-Modus über. Nach den Erfahrungen bei den US-Präsidentschaftswahlen müssen die Partei-Strategen auch hierzulande die Frage beantworten, welchen Einfluss vor allem soziale Medien auf den Wahlausgang haben - und wie diese im Media- und Kommunikationsmix berücksichtigt werden. Eine Exklusivumfrage von HORIZONT Online zeigt, dass sich auch viele Deutsche auf Facebook, Twitter und Co über politische Themen informieren - und dass die Debatte um Fake News die Wähler alarmiert hat.
Laut der repräsentativen Umfrage, für die Forsa im Auftrag von HORIZONT Online 510 wahlberechtigte Personen ab 18 Jahren befragt hat, nutzen immerhin 9 Prozent der Deutschen soziale Medien, um sich über politische Themen und das politische Tagesgeschehen zu informieren. Und es sind beileibe nicht nur die ganz Jungen, bei denen Facebook, Twitter & Co hoch im Kurs stehen. Während 12 Prozent der 18- bis 29-Jährigen angeben, sich im Social Web zu informieren, sind es bei den 30- bis 49-Jährigen sogar 13 Prozent. Bei älteren Menschen ab 50 ist die Nutzung von Social Media mit einem Anteil von lediglich 5 Prozent deutlich schwächer ausgeprägt.

Die relevantesten Politik-Informationsquellen der Deutschen

Quelle: Forsa
Den größten Einfluss haben hierzulande freilich nicht Facebook, Youtube & Co, sondern die klassischen Medien - und hier vor allem das Fernsehen. 24 Prozent der Befragten geben an, sich im TV über politische Themen zu informieren. Die Umfrage zeigt allerdings, dass das Fernsehen ein massives Nachwuchsproblem hat. Während sich immerhin 30 Prozent der Über-50-Jährigen vor allem bei "Tagesschau", "heute Journal" und "Maischberger" informieren, sind es bei den 30- bis 49-Jährigen mit 20 Prozent schon deutlich weniger. Von den 18- bis 29-Jährigen geben sogar nur 12 Prozent an, sich vor der Glotze in Sachen Politik auf den neuesten Stand zu bringen.

Deutlich angesagter bei den jungen Leuten sind dagegen die Webseiten von Zeitungen, Zeitschriften sowie von Radio- und Fernsehsendern: Während sich im Schnitt 23 Prozent der Befragten dort informieren, sind es bei den 18- bis 29-Jährigen satte 40 Prozent. Auch bei den 30- bis 49-Jährigen ist der Anteil mit 29 Prozent sehr hoch. 

Werden Falschmeldungen im Bundestagswahlkampf eine entscheidende Rolle spielen?

Quelle: Forsa
Ein noch deutlich dramatischeres Nachwuchsproblem als die TV-Sender haben die Printmedien: Gedruckte Tageszeitungen, Zeitschriften oder Magazine spielen lediglich bei 7 Prozent der 18- bis 29-Jährigen eine Rolle. Über alle Altersgruppen hinweg erreicht Print immerhin noch einen Anteil von 22 Prozent. 

Der Hörfunk spielt als Informationskanal für politische Themen in derselben Liga wie das Social Web: 9 Prozent der Deutschen geben an, sich im Radio über politische Themen schlau zu machen. Beinahe genauso wichtig (8 Prozent) sind den Deutschen persönliche Gespräche mit Freunden, Bekannten, Nachbarn oder Arbeitskollegen. Informationen der Parteien beziehungsweise Wahlwerbung spielt mit einem Anteil von 3 Prozent eine untergeordnete Rolle.

Fast jeder Zweite rechnet mit Fake News

Was die Umfrage auch zeigt: Die öffentliche Debatte um Fake News, die mit dem Ziel verbreitet werden, Kandidaten zu diskreditieren und den Wahlausgang zu beeinflussen, hat viele Deutsche alarmiert. Satte 44 Prozent der Befragten rechnen damit, dass Falschmeldungen im Bundestagswahlkampf eine entscheidende Rolle spielen werden. 51 Prozent glauben das nicht, und 4 Prozent können sich keine abschließende Meinung zu dem Thema bilden.

Bemerkenswert ist, dass die Relevanz von Fake News von den Altersgruppen ähnlich bewertet wird. Vor allem die 18- bis 29-Jährigen messen Fake News mit einem Anteil von 49 Prozent eine hohe Bedeutung bei. Bei den 30- bis 49-Jährigen (45 Prozent) und den Über-50-Jährigen (42 Prozent) ist der Anteil allerdings nicht viel niedriger. 

Für die Umfrage hat Forsa am 22. und 23. Februar 2017 insgesamt 510 in Privathaushalten lebende deutschsprachige Personen ab 18 Jahren befragt. Als Methode kamen computergestützte Telefoninterviews zum Einsatz. mas
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