Exit KKR und Permira versilbern letzte Aktien von Pro Sieben Sat 1

Freitag, 17. Januar 2014
Endlich frei: Pro Sieben Sat 1 ist erstmals unabhängig von Großaktionären
Endlich frei: Pro Sieben Sat 1 ist erstmals unabhängig von Großaktionären


Bye bye, Finanzinvestoren: Sieben Jahre nach der Übernahme von Pro Sieben Sat 1 verkaufen die beiden Hauptanteilseigner KKR und Permira ihre letzten Aktien an dem TV-Konzern. Mit dem Verkauf befinden sich sämtliche Papiere des Unternehmens in Streubesitz - Pro Sieben Sat 1 wird damit zu einem heißen Kandidat für den DAX.
Die beiden Finanzinvestoren haben am Donnerstagabend angekündigt, die restlichen 36,3 Millionen von der Holdinggesellschaft Lavena Holding 1 kontrollierten Aktien an institutionelle Investoren verkaufen zu wollen. Der Verkauf sei "der letzte logische Schritt zum Exit der früheren Mehrheitseigner". Das Aktienpaket entspricht einem Anteil von 16,6 Prozent und dürfte den Finanzinvestoren laut dpa rund 1,3 Milliarden Euro einbringen. KKR und Permira hatten Pro Sieben Sat 1 im Dezember 2006 vom US-Finanzinvestor Haim Saban übernommen, nachdem der Verkauf der TV-Gruppe an Axel Springer am Widerstand von Bundeskartellamt und der Aufsichtsbehörde KEK gescheitert war.

"Die Performance von Pro Sieben Sat 1 spricht für sich", lobt Jörg Rockenhäuser, Deutschlandchef von Permira und Mitglied des Aufsichtsrats von Pro Sieben Sat 1 die Entwicklung: "Das Unternehmen hat sein EBITDA über die letzten sieben Jahre deutlich steigern können und sich als digitales Powerhaus unter der Führung des Vorstandsvorsitzenden Thomas Ebeling neu positioniert. Daher ist Pro Sieben Sat 1 heute eine führende Mediengruppe in Europa und hervorragend aufgestellt, um künftige Wachstumsmöglichkeiten im digitalen Zeitalter zu nutzen."

Für Pro Sieben Sat 1 markiert der Verkauf den Schlusspunkt einer bewegten Ära: Nach der Insolvenz der Kirch-Gruppe sicherte sich Haim Saban den TV-Konzern 2003 zum Schnäppchenpreis. Die geplante Übernahme von Pro Sieben Sat 1 durch Axel Springer scheiterte 2006 am Veto der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich KEK und des Bundeskartellamtes. Saban reichte den TV-Konzern daraufhin an die Finanzinvestoren KKR und Permira weiter, die Pro Sieben Sat 1 mit der SBS Broadcasting Group fusionierten.

Der ehemalige Pharma-Manager Thomas Ebeling, der 2009 den Chefsessel von Guillaume de Posch übernahm, trimmte den Konzern durch einen strikten Sparkurs und gezielte Investitionen in Wachstumsbereiche wieder auf Wachstum. Im Jahr 2012 erzielte das Unternehmen einen Rekordumsatz in Höhe von 2,97 Milliarden Euro - allerdings inklusive der mittlerweile an Discovery Networks verkauften Beteiligungen in Nord- und Osteuropa. Der wirtschaftliche Erfolg und der stark gestiegene Aktienkurs erschwerten allerdings die Suche nach einem neuen Käufer - KKR und Permira entschieden sich daher für einen schrittweisen Verkauf des Medienkonzerns über die Börse.

Mit dem Ausstieg von KKR und Permira ist der Konzern erstmals unabhängig von starken Einzelaktionären und könnte damit bald in den wichtigsten deutschen Leitindex Dax aufsteigen. dh
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