Essena O'Neill Die gnadenlose Abrechnung eines Instagram-Models mit der Social-Media-Welt

Mittwoch, 04. November 2015
Essen O'Neill in ihrem Abrechnungsvideo
Essen O'Neill in ihrem Abrechnungsvideo
Foto: Essena O'Neill / Screenshot Youtube
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Essena O'Neill ist Model und eine Ikone auf Instagram. Mit ihren Posts verzückte sie Millionen und zog lukrative Werbepartnerschaften an Land. Das ist nun vorbei: In einem emotionalen Video erklärt O'Neill, warum sie Schluss mit ihren Social-Media-Aktivitäten machen will.
"Mich von Social Media zurückzuziehen, ist ein Weckruf für alle, die mir folgen", so die 19-Jährige in dem Video, das sie auf ihrem mittlerweile abgeschalteten Youtube-Kanal veröffentlichte (siehe Mirror-Upload des Videos unten), wo sie etwas mehr als 200.000 Abonnenten hatte. Dass sie mit ihrem Aufschrei einen Nerv getroffen hat, merkt man an den Abrufzahlen: Nach dem Upload am 2. November kam "Why I REALLY am quitting social media" schnell auf mehr als 1 Million Views.
Wer ihren Instagram-Account ansieht, so erzählt O'Neill, würde sagen: Die hat's geschafft. Ihre Bilder zeigen ein bildhübsches, schlankes Mädchen, häufig mit einem
Lächeln auf den Lippen, das Mode-Shootings vor den traumhaftesten Kulissen machen darf. Mehr als 700.000 Follower hatte sie auf ihrem Kanal, dazu einen Vertrag mit Australiens größter Model-Agentur und zahlreiche Marken-Partnerschaften. Ihr ganzes Leben habe sich nur noch darum gedreht, mehr Likes und Views zu bekommen, erzählt die junge Frau. Ich dachte, wenn ich viele Views habe, würden die Menschen mich sehen. Und ich würde mich geschätzt fühlen und glücklich sein." Doch in Wahrheit habe sie sich immer schlechter gefühlt, je größer sie in Social Media wurde. Die Jagd nach Likes sei kein Leben, klagt O'Neill. Es sei mittlerweile ein Business. "Unternehmen kennen die Bedeutung von Social Media, und das nutzen sie aus", sagt O'Neill in Richtung der werbungtreibenden Industrie. In sozialen Netzwerken erfolgreich zu sein, habe jedoch keinerlei Bedeutung für das echte Leben. Mit Leuten sprechen, sie zu umarmen, mit ihnen in den Park zu gehen: Das sei es, worum es im Leben gehe. Sie berichtet von einem Freund, den sie in Los Angeles datete, der sogar noch berühmter war als sie. Er sei depressiv gewesen - und auch an sich selbst habe sie Anzeichen einer Depression festgestellt. Ihre Entscheidung, sich aus Social Media zurückzuziehen, habe sie für ihr zwölfjähriges Ich getroffen, so O'Neill, die im Verlauf des Videos in Tränen ausbricht.

Ihr Social-Media-Exit verlief dabei phasenweise: Ihren Instagram-Account benannte O'Neill zwischenzeitlich um in
"Social Media Is Not Real Life". Einige ihrer eindrucksvollsten Fotos ließ sie stehen und versah sie mit neuen Beschreibungen, die die Wirklichkeit wiedergeben sollen. Unter einem Bild, das sie fröhlich lächelnd in Großaufnahme zeigt, schrieb sie: "Hier hatte ich Akne, da ist viel Makeup. Ich habe gelächelt weil ich dachte, ich sehe gut aus." Ein weiteres Foto zeigte sie am Strand im Bikini, darunter stand: "Ich habe über 100 davon in ähnlichen Posen gemacht, damit mein Bauch gut aussieht."

Das letzte Überbleibsel von O'Neills Social-Media-Karriere ist die Website Let's Be Game Changers. Hier wolle sie mit Menschen in Kontakt treten, die wie sie mehr vom Leben wollen, schreibt sie. Und sie wolle eine positive Wirkung auf andere haben. ire
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