"Es gibt mehr als Grillen, Wichsen und Pumpen" Media-Experten begrüßen neue Medienangebote für Männer

Montag, 26. September 2016
Unterschiedliches Konzept, ähnliche Zielgruppe: "Zeit Magazin Mann" und Männersache.de
Unterschiedliches Konzept, ähnliche Zielgruppe: "Zeit Magazin Mann" und Männersache.de

Mit dem "Zeit Magazin Mann" und dem Portal Männersache.de von Bauer Xcel Media sind in den vergangenen Wochen zwei neue Medienangebote für Männer an den Start gegangen - wenn auch mit sehr unterschiedlichen Konzepten. HORIZONT hat bei Media-Experten nachgefragt, was sie von den beiden neuen Produkten halten.
Generell begrüßen die Experten die zusätzlichen Angebote für männliche Zielgruppen. Thomas Jablonski, Director Insight Planning bei PHD Germany, findet beide Produkte "sehr gelungen" und sieht dafür auch noch Platz im Markt. Männer und auch die Anforderungen an sie seien heute komplexer und vielschichtiger: "Wie Margarete Stokowski in ihrer Spiegel-Kolumne so treffsicher bemerkte, gibt es für Männer heute mehr Betätigungsfelder "als Grillen (Beef), Wichsen (Playboy), Pumpen (Men's Health) und Schwulsein (Männer)". Auch Roland Köster, Geschäftsführer bei JOM Jäschke Operational Media zieht noch Raum für neue Männermedien: "Das Zeit Magazin Mann ist im Online-Shop schon nach 10 Tagen vergriffen und  maennersache.de hat nach 10 Tagen Online schon eine beachtliche Zahl an Seitenabrufen. Diese beiden Tatsachen sprechen auf jeden Fall schon mal dafür." Guido Friebel, Director Print Publicis Media, sieht vor allem für das "Zeit Magazin Mann" gute Chancen: Für dieses "journalistische Kleinod" sei "definitiv" noch Platz.

Thomas Jablonski, Director Insight Planning PHD Germany

Thomas Jablonski ist Director Insight Planning bei PHD Germany
Thomas Jablonski ist Director Insight Planning bei PHD Germany (Bild: PHD Germany)
Mit dem "Zeit Magazin Mann" und dem Bauer-Portal Männersache buhlen zwei neue Medienangebote um männliche Leser. Welches Angebot finden Sie überzeugender?
Ich finde beide Formate – vor dem Hintergrund ihres eigenen Anspruchs – sehr gut gelungen. Das Zeit Magazin, das noch vor wenigen Jahren Männermagazine in ihrer damaligen Form für "überflüssig" erklärt hat, macht bzw. versucht nun das einzig Richtige: Nicht nur kritisieren, sondern selber und besser machen. Tolle Artikel, spannende Geschichten, zurückhaltend aber mit der nötigen Tiefgründigkeit, qualitativ wertvoll ohne zu abgehoben zu sein. Das Erstlingswerk hat mich jedenfalls voll überzeugt.

Das liefert das Onlineportal Männersache von Bauer so nicht, will es aber auch gar nicht. Stattdessen gibt es hier locker leichte Kost, unkompliziert, für schnell mal zwischendurch. Viel aus dem Bereich unnützes Wissen, was die Welt nicht braucht, was aber dafür so herrlich unterhaltsam ist. Ich freue mich schon darauf, beim nächsten Small-Talk einige dieser "Wissens-Bonbons" loszuwerden. 

Ist im Markt überhaupt noch Platz für neue Männermedien?
Definitiv. Aus Werbe-, aber auch aus persönlicher Sicht. Männer an sich sowie die Anforderungen an sie sind heute komplexer und vielschichtiger denn je. Wie Margarete Stokowski in ihrer Spiegel-Kolumne so treffsicher bemerkte, gibt es für Männer heute mehr Betätigungsfelder "als Grillen (Beef), Wichsen (Playboy), Pumpen (Mens Health) und Schwulsein (Männer)."

Roland Köster, Geschäftsführer JOM Jäschke Operational Media

Roland Köster, Jäschke Operational Media
Roland Köster, Jäschke Operational Media (Bild: JOM)
Mit dem "Zeit Magazin Mann" und dem Bauer-Portal Männersache buhlen zwei neue Medienangebote um männliche Leser. Welches Angebot finden Sie überzeugender?
Die Frage ist so nicht zu beantworten, da es sich um zwei komplett unterschiedliche Konzepte für unterschiedliche Zielgruppen handelt.

"Zeit Magazin Mann", mit einem immerhin stolzen Copy-Preis von 8,50€ richtet sich an die klassische Leserschaft der Zeit und ist eine Weiterführung oder auch Zusammenfassung der Social-und Lifestyle- Seiten aus der Zeit. Nun halt im Magazin-Format.  Auch macht sich das Magazin zunächst recht rar und erscheint nur alle halbe Jahr. Die Themen scheinen anzukommen. Zumindest im Online-Shop ist es jetzt schon ausverkauft.

Das Bauer Portal spricht eine ganz andere Klientel an, bleibt aber seiner Marketing Strategie treu, lediglich Content für Werbeflächen zu liefern. Durch die Ankündigung des Website-Launches über Facebook kann der Verlag immerhin schon eine beachtliche Besucherfrequenz von bis zu 10 Tsd. Seitenabrufen pro Tag verzeichnen.  Kann das gehalten und sogar noch ausgebaut werden, ist maennersache.de sicherlich eine interessante Werbeplattform.

Ist im Markt überhaupt noch Platz für neue Männermedien?
Das Zeit Magazin Mann ist im Online-Shop schon nach 10 Tagen vergriffen und  maennersache.de hat nach 10 Tagen Online schon eine beachtliche Zahl an Seitenabrufen. Diese beiden Tatsachen sprechen auf jeden Fall schon mal dafür.

Guido Friebel, Director Print Publicis Media

Guido Friebel, Director Print Publicis Media
Guido Friebel, Director Print Publicis Media (Bild: Publicis Media)
Mit dem "Zeit Magazin Mann" und dem Bauer-Portal Männersache buhlen zwei neue Medienangebote um männliche Leser. Welches Angebot finden Sie überzeugender?
Unterschiedlicher können zwei Konzepte kaum sein – und ich meine in diesem Zusammenhang nicht den Unterschied zwischen Print und Digital. Im Gegensatz zum "Zeit Magazin Mann", das seinen Geschichten Raum gibt und seinen Lesern Zeit und Intellekt abverlangt, kommt Maennersache.de direkt auf den Punkt.

Im "Zeit Magazin Mann" stellt der Schauspieler Ethan Hawke seine persönlichen Helden auf fünf Seiten vor – von Leo Tolstoi über Nelson Mandela bis hin zu Eleanor Roosevelt. Maennersache.de berichtet über die Tattoos des UFC (Ultimate Fighting Champignonship)-Champs Conor McGregor. Er verfügt über diverse Tattoos (u.a. Gorilla und Tigergrasmücke). Eines ließ er sich im Vollsuff für 20 Euro stechen. Für diese Information ist nicht besonders viel Raum erforderlich.

Maennersache.de berichtet in einem 2-Minuten-Video über die weiblichen Kultstars von Beverly Hills 90210, Baywatch und Melrose Place; im "Zeit Magazin Mann" schreibt Chefredakteur Christoph Amend über ein Treffen mit Schauspieler und Oscarpreisträger Christoph Waltz. Die Bilder dazu liefert Starfotograf Peter Lindbergh.

43 Anzeigenseiten zählt das "Zeit Magazin Mann". Große Luxus- und Lifestyle-Marken von Cartier über Armani bis Lacoste umrahmen dieses journalistische Kleinod. Maennersache.de ist nicht ganz so gut gebucht, aber das kann ja noch kommen.

Ob noch Platz ist für neue Männermedien? Für das "Zeit Magazin Mann" definitiv.
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