Erdogan-Auftritt Offener Brief der "Bild" schlägt in der Türkei hohe Wellen

Montag, 26. Mai 2014
Der offene Brief von "Bild" an den türkischen Ministerpräsidenten
Der offene Brief von "Bild" an den türkischen Ministerpräsidenten


Der Offene Brief der "Bild"-Zeitung an den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan schlägt in der Türkei hohe Wellen. In dem auch in türkischer Sprache veröffentlichten Brief heißt es unter anderem, Erdogan sei in Deutschland "nicht willkommen". Türkische Politiker drohen der mit Springer verbundenen Medienholding Dogan Konsequenzen an. Die "Bild" hatte am Samstag auf seiner Website einen offenen Brief an den türkischen Ministerpräsidenten veröffentlicht, in dem Erdogan unter anderem seine Reaktion auf das Grubenunglück in Soma oder die Sperrung von Online-Diensten wie Youtube und Twitter vorgeworfen werden. "Politiker wie Sie wollen wir in Deutschland nicht haben. Sie sind hier nicht willkommen", heißt es in dem auch auf Türkisch veröffentlichten Text.

Der offene Brief hat auch in der Türkei für erhebliche Aufmerksamkeit gesorgt. Am Sonntag habe es keine Zeitung in der Türkei gegeben, die das Schreiben nicht thematisiert hätte, so die Beobachtung von Bülend Ürük, Chefredakteur des Mediendienstes Newsroom.de. Er vermutet außerdem, dass der Brief für die Medienholding Dogan, zu der die auch in Deutschland erscheinende Tageszeitung "Hürriyet" gehört, negative Folgen haben könnte. So gebe es in Kreisen der türkischen Regierungpartei AKP Bestrebungen, das Unternehmen für den Brief "haftbar" zu machen. Das Unternehmen solle für die "vergifteten Worte aus Berlin bluten", zitiert er einen namentlich nicht genannten AKP-Funktionär.

Der Grund für die markigen Worte: Axel Springer ist an Dogan TV, der Fernsehtochter des Medienunternehmens beteiligt. 2009 wollte Springer sogar mit 29 Prozent bei dem Mutterkonzern einsteigen. Die Pläne liegen wegen eines immer noch nicht abgeschlossenen und vermutlich politisch motivierten Rechtsstreits von Dogan mit den türkischen Steuerbehörden aber auf Eis. "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann sitzt außerdem im Beirat der zu Dogan gehörenden Tageszeitung "Hürriyet".

Nach dem offenen Brief an Erdogan haben sich dessen Anhänger auch auf den "Bild"-Chef eingeschossen. Der nahm den Fehdehandschuh auf und twitterte am Samstag: "Erdogans digitale Propaganda-Truppen sind emsig unterwegs". Am Sonntagabend schickte Diekmann einen Gruß an "meine Erdogan-Freunde, die sich in den letzten 24 Stunden so qualifiziert geäussert haben!" hinterher. dh

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