"Entscheidung ist schrecklich und falsch" Bild.de Chef Julian Reichelt poltert nach Kritik gegen Medienhüter

Freitag, 11. März 2016
Julian Reichelt, Chefredakteur von Bild.de
Julian Reichelt, Chefredakteur von Bild.de
Foto: Axel Springer

Das musste offensichtlich raus: Bild.de-Chefredakteur Julian Reichelt wettert in einem wütenden Kommentar gegen ein Urteil der Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten (KJM). Die Medienhüter werfen dem Nachrichtenportal vor, bei seiner Berichterstattung über den Bürgerkrieg in Syrien gegen die Menschenwürde verstoßen zu haben.
Stein des Anstoßes ist ein Bericht von Bild.de über die Folgen der Bombenangriffe des Assad-Regimes auf die syrische Zivilbevölkerung. Dabei hatte Bild.de Fotos von schwer verletzten und getöteten Kindern und Babys gezeigt. Da die Gesichter der Opfer auf den Bildern nicht verpixelt wurden, sieht die KJM darin einen Verstoß gegen die Bestimmungen zur Menschenwürde. Das Leiden und Sterben der Kinder werde laut KJM "zur Schau gestellt" und zu "Objekten der Schaulust degradiert". Vorwürfe, die Bild.de-Chef Julian Reichelt nicht auf sich sitzen lassen will. In einem vor Wut schäumenden Kommentar wehrt sich der Bild.de-Chef gegen die Entscheidung der Medienhüter: "Um es gleich zu sagen: Die Entscheidung, die Sie getroffen haben, ist schrecklich und falsch", heißt es in dem auf Bild.de veröffentlichten, direkt an den KJM-Vorsitzenden Andreas Fischer gerichteten Text. "Wir werden sie nicht akzeptieren, sie nicht hinnehmen und mit allen Mitteln – juristisch, journalistisch, politisch – dagegen vorgehen, bis Sie sich korrigieren oder korrigiert werden und anerkennen, dass Sie bei der Wahrnehmung des Ihnen erteilten Auftrags schlicht versagt haben."

Er habe sich nicht vorstellen können, "dass ausgerechnet eine deutsche Institution im Angesicht von Menschheitsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit eine solche Entscheidung trifft und Berichterstattung über Tyrannei in irgendeiner Form zu beschneiden und einzuschränken versucht", so Reichelt weiter. Die Entscheidung der Kommission und deren "infame Begründung" sei "ein Schlag ins Gesicht all jener, die aus der deutschen Geschichte gelernt und aus ihr heraus unser Grundgesetz geschaffen haben. Und es ist nicht weniger als ein Angriff auf einen anderen Artikel unseres Grundgesetzes, nämlich auf die Pressefreiheit", poltert Reichelt weiter.
Focus Köln
Bild: Focus

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Er habe als Reporter in Syrien solche Szenen selbst erlebt und fotografiert: "Nicht das Foto ist die Verletzung der Menschenwürde, sondern die Fassbombe, der Giftgasangriff, das Schrapnell, das ein Kind von innen zerfetzt. Niemals werden wir uns vorschreiben lassen, wie wir solch abscheuliche Taten, diesen Zivilisationsbruch zu dokumentieren haben."

Die KJM sah aber genau in der Abbildung der Opfer solcher Gräueltaten die rote Linie überschritten. Auch wenn es sich um ein tatsächliches Geschehen handele, bestehe nach Meinung der Medienhüter "kein berechtigtes Interesse an dieser Art der Darstellung, da eine Verpixelung der Bilder die Aussagekraft des Artikels nicht geschmälert hätte". dh
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