Ende einer Ära Bertelsmann macht Buchclubs endgültig dicht

Mittwoch, 18. Juni 2014
Bertelsmann macht seine verbliebenen Buchclubs dicht
Bertelsmann macht seine verbliebenen Buchclubs dicht


Bis Ende 2015 will Bertelsmann seine Club- und Direktmarketinggeschäfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz schließen. Damit reagiert Europas größter Medienkonzern auf die anhaltend schwierige wirtschaftliche Lage des Geschäfts. Die Einstellung soll schrittweise erfolgen.
"Die Entscheidung, unsere deutschsprachigen Club- und Direktmarketinggeschäfte einzustellen, ist uns nicht leicht gefallen", sagt Fernando Carro, im Group Management Committee von Bertelsmann unter anderem verantwortlich für die Club- und Diretmarketinggeschäfte. Das GMC berät den Bertelsmann-Vorstand. "Trotz intensiver Versuche, das Clubmodell weiterzuentwickeln, hat sich nun im deutschen Markt gezeigt, dass das Geschäftsmodell des Clubs wirtschaftlich keine tragfähige Perspektive mehr hat", so Carro weiter.

In den vergangenen Jahren hat die Direct Group bereits begonnen, die Unternehmensgröße zurückzufahren. Im März 2014 hatte das Unternehmen angekündigt, die Club-Filialen zu schließen. Derzeit gibt es noch 52 Filialen und eine hoch sechstellige Anzahl an Club-Mitgliedern. Für die Kunden ändert sich vorerst nichts. Sie erhalten weiterhin Kataloge und können bestellen.

Auf den Buchclubs gründet der Erfolg von Bertelsmann. Der 2009 verstorbene Gründer Reinhard Mohn hatte diese 1950 als Bertelsmann Lesering ins Leben gerufen. Die Mitglieder verpflichteten sich zum Kauf von Büchern und anderen Medien und erhielten dafür Rabatte. In den Hochzeiten zählten die Buchlubs über sieben Millionen Mitglieder und 320 Filialen.

Derzeit liegt der Umsatz noch bei rund 100 Millionen Euro. Betroffen sind 520 Beschäftigte. Laut Christoph Mittendorf, Geschäftsführer der Direct Group Germany, soll mit den Arbeitnehmern ein Sozialplan entwickelt werden. Nach der Schließung der deutschen Geschäfte bleiben dann nur noch die Aktivitäten in Ukraine, Russland und Spanien bestehen, wo Bertelsmann eine 50-Prozent-Beteiligung hält. pap
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