Ende des Jalag-Deals Medweth lässt sich ab 2017 von G+J vermarkten

Samstag, 10. September 2016
"Madame" wird künftig von G+J EMS vermarktet
"Madame" wird künftig von G+J EMS vermarktet
Foto: Medweth
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Medweth G+j Jahreszeiten Verlag


„Madame“ sattelt um: Die Media Group Medweth lässt ihr Portfolio ab 2017 von Gruner + Jahrs Werbesparte G+J EMS vermarkten. Dies erfuhr HORIZONT Online aus Verlagskreisen. Damit kappt Medweth die letzten Verbindungen zum Jahreszeiten Verlag und der einst gemeinsamen Vermarktungsfirma Brand Media. Für alle drei beteiligten Häuser bringt das neue Herausforderungen.

Medweth und der Jahreszeiten Verlag (Jalag) hatten Brand Media erst Ende 2011 als 50/50-Joint Venture gegründet; schon der Start verlief holprig und wirkte schlecht vorbereitet. Doch auch später überwog weiter das gegenseitige Misstrauen der formal gleichberechtigten Partner, dass der jeweils andere Verlag seine eigenen Titel bevorzuge. Im vergangenen Jahr schließlich hat der Jalag die Medweth-Anteile an Brand Media komplett übernommen.

Allerdings blieben Medweths Massenmarkt-Titel (unter anderem „Madame“, „Jolie“, „Popcorn“, „Familie & Co“) für 2016 via Mandantenvertrag bei Brand Media. Doch auch der Vermarktungsauftrag für „Madame“, „Jolie“ und Co an die nunmehr 100-prozentige Jalag-Tochter Brand Media lief zumindest aus Sicht von Medweth offenbar nicht optimal. Es mag auch sein, dass Medweth von vornherein eine vollständige Trennung wollte, aber noch das Jahr 2016 brauchte, um sich umzuorientieren – eben nun zum Großvermarkter G+J EMS, der Medweths Populär-Titel samt ihren Onlineauftritten ab 2017 betreuet.

Medweths Medien müssen sich jetzt – eine generelle Schwierigkeit bei Mandatsvergaben an größere Verlage – im Portfolio von G+J gegen deren Titel behaupten und gegen mögliche neue Rabattbegehren erwehren. Andererseits könnten die Münchner besonders in der Online- und Mobile-Vermarktung von der Marktstellung, den Zugängen und der Technologie der Hamburger profitieren.

Für den Großverlag G+J wiederum bedeutet der neue Vermarktungsmandant einen prestige- und umsatzträchtigen Zugewinn; gerade ein monatlicher Frauenluxustitel wie „Madame“ fehlte dort bisher. Allerdings muss G+J EMS die neuen Medweth-Titel erstmal organisatorisch verdauen – und zwar bereits in diesem Herbst, wenn die Vermarktungsrunde für 2017 beginnt. Kein Selbstläufer angesichts zahlreicher eigener Titel, die im vergangenen Jahr gestartet wurden und in den kommenden Monaten neu starten sollen. Möglicherweise auch deshalb hat G+J manchen eigenen Launch ins kommende Jahr verschoben.

Und der Jalag (unter anderem „Für Sie“, „Petra“, „Feinschmecker“) mit Brand Media? Die Hamburger müssen aufpassen, dass sie mit geschrumpftem Portfolio ab 2017 im Relevanz-Ranking der Werbekunden nicht abrutschen. Andererseits kamen („Foodie“) und kommen („Robb Report“ sowie wohl noch eine weitere Ess-Zeitschrift mit dem Fernsehkoch Johann Lafer) hier neue eigene Magazine hinzu. Zudem dürfte der Jalag nun versuchen, für einzelne große Kunden und Kampagnen verstärkt mit anderen kleineren Verlagen zusammenzuarbeiten. Solche Kooperationen (letztlich gegenseitige Trading-Deals, um die Kampagnenreichweiten zu vergrößern) gab es dem Vernehmen aus Verlags- und Agenturkreisen nach schon bisher mit Klambt, Inspiring Network ("Emotion") und dem Zeit-Verlag. rp

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