Eklat um Gelbe Engel ADAC räumt jahrelange Manipulationen ein

Montag, 20. Januar 2014
Verspricht vollständige Aufklärung: ADAC-Chef Karl Obermair (c) ADAC
Verspricht vollständige Aufklärung: ADAC-Chef Karl Obermair (c) ADAC

Die am Wochenende bekannt gewordenen Manipulationen beim ADAC-Preis "Gelber Engel" sind möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs. Der Münchner Automobilclub geht inzwischen davon aus, dass beim Leserpreis "Das Lieblingsauto des Deutschen" schon in den Vorjahren nicht alles mit rechten Dingen zuging. Jetzt verspricht der ADAC "größtmögliche Aufklärung". Am Sonntag war Michael Ramstetter, ADAC-Kommunikationschef und Chefredakteur der "ADAC-Motorwelt", wegen der Affäre von allen Ämtern zurückgetreten. Ramstätter, der heute in der "Süddeutschen Zeitung" mit den Worten "Ich habe Scheiße gebaut" zitiert wird, hatte zuvor zugegeben, bei dem Leserpreis "Das Lieblingsauto der Deutschen" die Zahlen geschönt zu haben. Für den VW-Golf, der in diesem Jahr das Rennen machte, haben nicht wie ursprünglich angegeben 34.299 Leser, sondern nur 3409 abgestimmt. Mit der Verzehnfachung der Teilnehmerzahl wollte Ramstetter offenbar die Bedeutung des ADAC-Preises künstlich nach oben schrauben. Die Reihenfolge der in dem Ranking bewerteten Autos soll aber korrekt sein. Weder die Geschäftsführung noch das Präsidium des ADAC sollen informiert gewesen sein. Daher übernehme Ramstetter auch "die alleinige Verantwortung".

Michael Ramstetter (c) ADAC
Michael Ramstetter (c) ADAC
Der ADAC wird mit dem Skandal noch einige Zeit zu kämpfen haben. Grund: Die Manipulationen fanden sehr wahrscheinlich nicht nur in diesem Jahr statt. "Nach derzeitigen Erkenntnissen ist davon auszugehen, dass auch in den Vorjahren die Teilnehmerzahlen beim Leserpreis geschönt wurden", erklärt ein ADAC-Sprecher gegenüber HORIZONT.NET. Die übrigen acht Kategorien des ADAC-Preises "Gelber Engel" sollen nicht betroffen sein. "Es gibt keinerlei Anhaltspunkte, dass es auch bei anderen Kategorien zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist", so der Sprecher weiter.

Um den Imageschaden möglichst gering zu halten, verspricht der ADAC nun, die Affäre vollständig aufzuklären. Laut dem Sprecher wurde bereits eine interne Prüfung angeordnet, die alle Preisverleihungen der vergangenen 10 Jahre aufarbeiten soll. "Hier werden wir mit der größtmöglichen Offenheit und Transparenz vorgehen", so der Sprecher. mas
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