Einspieler in Heute-Show Warum sich Oliver Welke jetzt bei dem stotternden AfD-Politiker entschuldigt

Dienstag, 06. Februar 2018
Welke distanziert sich von seiner Moderation in der Heute-Show: Er habe nichts von der Sprachbehinderung gewusst
Welke distanziert sich von seiner Moderation in der Heute-Show: Er habe nichts von der Sprachbehinderung gewusst
© ZDF
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Oliver Welke AfD Dieter Amann ZDF


Was darf Satire und was nicht? An dieser Frage scheiden sich seit jeher die Geister. Doch nun ging Moderator Oliver Welke in der ZDF-Heute-Show zu weit. Er scherzte darin über AfD-Politiker Dieter Amann, der stottert - und erregte damit die Gemüter. Die Sendung lief zwar bereits am 2. Februar im ZDF, doch offenbar wurden viele erst gestern auf den Ausschnitt aufmerksam. Jetzt distanzieren sich sowohl das ZDF als auch Welke von dem Scherz. Grund ist die Sprachbehinderung Amanns. Davon habe man nichts gewusst, heißt es.
Die AfD und ihre Vertreter bekommen oft ihr Fett weg in der Heute-Show, doch eine Moderation von Oliver Welke sorgt nun für Tumulte. Der Auslöser für die Aufregung um die Heute-Show-Sequenz (circa 15. Minute) war vor allem die fehlende Einordnung. So wurde in der Heute-Show ein circa einminütiger Ausschnitt von einer Rede des AfD-Sachverständigen Dieter Amann gezeigt, der darin den meisten Flüchtlingen die Fähigkeit zur Integration abspricht. Dies habe vor allem damit zu tun, dass Immigranten nicht in der Lage wären, sich die deutsche Sprache anzueignen, sagte Amann. Dass er selbst dabei stotterte, war eine Steilvorlage für die Heute-Show. Was vor dem Vortrag kam, wurde in der Heute-Show allerdings nicht gezeigt: Amann erklärte zunächst, dass dies seine erste Rede vor einer großen Runde sei und wies auf seine Sprachbehinderung hin, "damit sich keiner wundern möge". In der ZDF-Sendung war dies nicht zu sehen, stattdessen machte sich Welke mit den Worten "Absolu-lu-lut, meine Damen und Herren" über das Stottern des AfD-Mannes lustig.

Die AfD reagierte mit diversen Posts in den sozialen Netzwerken auf den Einspieler und forderte von Welke eine öffentliche Entschuldigung in der nächsten Sendung. Die baden-württembergische AfD-Landtagsfraktion geht noch einen Schritt weiter und pocht auf eine Distanzierung des ZDF vom Moderator sowie die "Entfernung des selbsternannten Satirikers aus dem Programm". Doch nicht nur die AfD heißt Welkes Auftritt nicht gut, auch das ZAPP-Medienmagazin (NDR) kritisiert den Moderator für seine Aussage.

Das ZDF reagierte noch am selben Tag auf die Vorwürfe und räumt ein, man habe nichts von der Sprachbehinderung gewusst und sei von Versprechern aus Nervosität ausgegangen. "Hätten wir davon Kenntnis gehabt, hätten wir den Ausschnitt natürlich nicht gesendet", lautet der Schlusssatz der ZDF-Stellungnahme.

Welke selbst schickt eine Entschuldigung hinterher. Dem Moderator zufolge hat der Heute-Show-Redaktion lediglich der in die Sendung integrierte Ausschnitt der Rede ohne vorangegangene Erklärung vorgelegen. Dieser sei zuvor in dieser Form im ARD-Mittagsmagazin gelaufen. Zudem beteuert der Satiriker, dass es ihm persönlich sehr leid täte, sollte sich Amann durch den Ausschnitt sowie die zugehörige Moderation in der Heute-Show verletzt fühlen. bre
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