Einigung Scripted Reality wird künftig klarer gekennzeichnet

Mittwoch, 16. April 2014
Sendungen wie "Familien im Brennpunkt" werden künftig einheitlich gekennzeichnet
Sendungen wie "Familien im Brennpunkt" werden künftig einheitlich gekennzeichnet


Die Landesmedienanstalten haben sich mit den Sendern auf einheitliche Regeln für die Kennzeichnung von Scripted-Reality-Formaten geeinigt. Zuvor hatten die Medienhüter den Druck auf die Sender noch einmal erhöht und mit einer gesetzlichen Regelung gedroht. "Wir haben uns auf einen Katalog von Kriterien für die Kennzeichnung von
Scripted-Reality-Sendungen verständigt", bestätigt Winfried Engel, Vorsitzender der Gremienvorsitzendenkonferenz der Landesmedienanstalten (GVK), gegenüber HORIZONT. Nun werde noch an einer "Verbesserung der Erkennbarkeit" der entsprechenden Hinweise gearbeitet. Eine Arbeitsgruppe wird in den kommenden Monaten die konkrete Umsetzung erarbeiten, bis Mitte des Jahres soll feststehen, wie gescriptete Formate klar und deutlich kenntlich gemacht werden. In einem ersten Schritt habe man sich zunächst auf "verschiedene Begrifflichkeiten" verständigt. So sollen die Hinweise dem jeweiligen Format angepasst werden.

Die Kennzeichnung von Scripted Reality treibt die für die Überwachung der privaten TV-Sender zuständigen Landesmedienanstalten schon seit geraumer Zeit um. Die großen Privatsender füllen seit Jahren immer mehr Programmfläche mit den vergleichsweise günstigen Pseudo-Dokus. Laut dem jüngsten Programmbericht der Landesmedienanstalten machen Scripted-Reality-Formate im fiktionalen Bereich mittlerweile einen großen Teil der Sendezeit von RTL (24 Prozent), Vox (25 Prozent) und Sat 1 (32 Prozent) aus. Die Landesmedienanstalten sahen vor allem aus Jugendschutzgründen Handlungsbedarf: Kinder könnten von Laiendarstellern inszenierte Sendungen wie "Berlin Tag & Nacht" und echte dokumentarische Formate kaum unterscheiden.

Die Sender hatten sich lange gegen starre Regeln für die Kennzeichnung gewehrt und darauf verwiesen, dass die Sendungen bereits entsprechende Hinweise auf den fiktionalen Charakter enthalten. Das räumt auch der GVK-Vorsitzende Engel ein, betont aber: "Die Situation war aus unserer Sicht nicht zufriedenstellend. Wir wollen eine gewissen Einheitlichkeit bei der Kennzeichnung."

In der vergangenen Woche hatten die Medienanstalten den Druck auf die Sender daher noch einmal erhöht und mit einer gesetzlichen Regelung gedroht. Der Appell hat offensichtlich gefruchtet. Engel, der die jüngste Gesprächsrunde für die Landesmedienanstalten begleitet hat, lobt die "konstruktiven Gespräche" mit den Sendervertretern. Deren Einlenken ist aber natürlich nicht ganz uneigennützig: Mit einer freiwilligen Vereinbarung kommen die Sender einer möglichen Zwangsregelung zuvor. Engel: "Die Notwendigkeit zu einer gesetzlichen Regelung wäre bei einer Einigung mit den Sendern nicht mehr gegeben." dh
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