Eine Welle, 60 Minuten Landtag stimmt Werbereduzierung beim WDR zu

Mittwoch, 27. Januar 2016
Kritisiert die Entscheidung: WDR-Intendant Tom Buhrow
Kritisiert die Entscheidung: WDR-Intendant Tom Buhrow
Foto: ARD

Drastische Reduzierung der Werbezeiten im WDR: Ab 2019 darf die öffentlich-rechtliche Anstalt nur noch auf einem Radiosender Werbung schalten - und das auch nur für 60 Minuten am Tag. Dies hat der Landtag mit der rot-grünen Mehrheit heute beschlossen. "Medienpolitische Amateure" seien am Werk, twitterte OWM-Geschäftsführer Joachim Schütz. Nicht nur für den WDR, der auf Einnahmen verzichten muss, sondern auch für die Werbewirtschaft wird die Entscheidung spürbare Folgen haben.
"Ich halte dies für eine kurzsichtige Entscheidung, die ausschließlich den Interessen der Verleger und unseren kommerziellen Radio-Konkurrenten folgt", kommentiert WDR-Intendant Tom Buhrow die Entscheidung. Im Vorfeld der Abstimmung hatte sich bereits Elke Schneiderbanger, Geschäftsführerin des nationalen Vermarkters ARD-Werbung Sales & Services, zu Wort gemeldet und davor gewarnt, dass das frei werdende Werbegeld nicht etwa zur privaten Radio-Konkurrenz abwandert, sondern zu Google und Facebook. Zu einer ähnlichen Einschätzung kamen ältere Gutachten im Auftrag des Kundenverbandes Organisation Werbungtreibende im Markenverband.
Die private Konkurrenz frohlockt jedoch. Florian Ruckert, Vorsitzender der Geschäftsführung des privaten Vermarkters RMS glaubt, dass "die Anwendung des NDR-Modells auf NRW keinen bedrohlichen Einfluss auf die Stellung von Radio im intermedialen Wettbewerb" haben wird und begrüßt die Entscheidung als "Optimierung der Schieflage im dualen System". Die "aktuelle Werbepraxis" bedrohe mittelfristig die Existenz kleinerer Privatsender, deren wirtschaftliche Basis in Gefahr gerate, so Ruckert. Eigene Gutachten hätten ergeben, dass sich mit Radio auch bei einer Werbereduzierung hohe Nettoreichweiten erzielen ließen.
Elke Schneiderbanger, Geschäftsführerin ARD-Werbung Sales & Services
Bild: Alexander Hassenstein

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