"Eine Message an die Branche" Moritz von Laffert über "Shokunin"

Freitag, 30. August 2013
Moritz von Laffert, Deutschland-Chef von Condé Nast (Bild Verlag)
Moritz von Laffert, Deutschland-Chef von Condé Nast (Bild Verlag)

200 Seiten, 800.000 Exemplare Auflage: Am 13. November erscheint erstmals die Condè-Nast-Entwicklung "Shokunin" als Beilage der verlagseigenen Magazine "Vogue", "Glamour", " Myself", "GQ" und "AD", deren Chefredakteure den Hochglanz-Titel auch konzipieren. Wird es eine Marketingaktion oder ein journalistisches Glanzstück? Wissen wird man das erst, wenn "Shokunin" an die Kioske kommt. HORIZONT sprach mit Moritz von Laffert, Chef von Condé Nast Deutschland, über das Projekt.

Herr von Laffert, die ganze Welt spricht vom Printsterben, und Sie leisten sich im November mit "Shokunin" ein üppiges Projekt: 200 Seiten, 800.000 Auflage, aufwendige Produktion.
Es geht um Mut und um die Idee vom Medienmachen als eine Art Kunsthandwerk. Shokunin ist implizit auch ein Statement gegen den übertriebenen Pessimismus in unserer Branche, aber in erster Linie ein Bekenntnis zur Philosophie von Condé Nast. Von einer Printkrise spüren wir hier praktisch nichts, im Gegenteil. Die September-Ausgabe von Vogue ist die anzeigenstärkste seit 20 Jahren, und die neue GQ Style die umsatzstärkste seit dem Launch.

"Wie bei einer Jam-Session"

"Wie bei einer Jam-Session"
Ein Heft, fünf Chefredakteure: Oliver Jahn ("AD"), Sabine Hofmann ("Myself"), José Redondo-Vega ("GQ"), Christiane Arp ("Vogue") und Andrea Ketterer ("Glamour") sind an der Entwicklung von "Shokunin" beteiligt.

Das Magazin erscheint am 13. November als Beilage der Condé-Nast-Magazine, deren Chefredakteure den Hochglanz-Titel konzipieren. "Es ist, als würden sich ein paar Musiker in einer Jazz-Kneipe zu einer Jam-Session treffen", beschreibt Oliver Jahn den Spirit hinter "Shokunin". An dem sollen möglichst viele Menschen teilhaben können: Condé Nast hat gerade den Blog shokunin.condenast.de gestartet.

Das Interessante an "Shokunin" ist, ein Gemeinschaftsprojekt von fünf Chefredakteuren zu sein. Kommen sich die Egos da nicht gegenseitig gehörig in die Quere? Eben nicht, und das ist ja das Überraschende es zeigt vielleicht auch ein wenig den neuen Geist bei Condé Nast. Shokunin entsteht neben der eigentlichen Aufgabe, quasi in der Freizeit. Das Team trifft sich circa zwei Mal die Woche, zum Teil sogar in den Privatwohnungen. Es ist hier ein Teamspirit entstanden, der das ganze Haus erfasst. Und es sind ja nicht nur die fünf Chefredakteure, sondern auch die Führungskräfte aus allen Abteilungen und die Art Direktoren dabei. Von den Führungskräften kommt im Übrigen auch die Idee für Shokunin. Wir wollen mit dem Projekt für den Wert von gut gemachten Medien sensibilisieren. Condé Nast steht für den Manufakturgedanken im Medienbusiness. Das ist die Message an unsere Leser und die Branche.

"Shokunin" ist ein klassischer One Shot. Im Moment handelt es sich um ein einmaliges Projekt, ja eine Fortsetzung ist aber nicht ausgeschlossen.

Geld werden Sie mit "Shokunin" aber kaum verdienen. Das wird sich zeigen, aber darum geht es bei Shokunin auch gar nicht. Natürlich stellen wir das Projekt auch bei Kunden vor. Die Resonanz ist hervorragend, wir haben schon viele Reservierungen. Mal sehen, was am Ende dabei herauskommt. Interview: Jürgen Scharrer
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