"Ein Monopölchen" Ökonom hält Angst vor Google für überzogen

Montag, 28. April 2014
Justus Haucap ist Direktor des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie
Justus Haucap ist Direktor des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie


Die Kritik an Google hat mittlerweile ebenso beängstigende Ausmaße angenommen wie die Marktmacht der scheinbar übermächtigen Datenkrake. "Wir haben Angst vor Google", bekannte kürzlich Springer-Chef Mathias Döpfner. Der Wettbewerbsforscher Justus Haucap hält die Kritik an Google indes für übertrieben. Google habe aus seiner Sicht kein unangreifbares Monopol, eine Zerschlagung des Internetkonzerns würde vor allem den Nutzern schaden.
Haustechnik, Drohnen, Roboterhersteller - die beeindruckende Einkaufstour von Google in den vergangenen Wochen hat den Ängsten vor dem scheinbar übermächtigen Internetkonzern zuletzt wieder kräftig Nahrung gegeben. Der Konzern stößt gezielt in sämtliche Lebensbereiche der vernetzten Welt vor. Aus der Politik werden bereits Forderungen laut, Google in die Schranken zu weisen. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat in einer TV-Sendung vorgeschlagen, die Monopol-Kommission der Bundesregierung solle eine Zerschlagung des Internetriesen prüfen, der ehemalige Wirtschaftsminister Rainer Brüderle forderte sogar ganz konkret: "Zerschlagt Google".

Der Ökonom Justus Haucap, selbst Mitglied der Monopolkommission der Bundesregierung, ist solchen Forderungen nun entgegengetreten: "Aus meiner Sicht gibt es im Augenblick zu viel Google-Bashing", so der Direktor des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Der Monopol-Experte relativiert außerdem die scheinbar übermächtige Position des Unternehmens. In den USA habe Google im Bereich der klassischen Suchmaschinen einen Marktanteil von 60 Prozent: "Das ist vielleicht kein Monopol, aber ein Monopölchen", so Haucap.

In einigen Bereichen habe Google durchaus ernst zu nehmende Konkurrenten, beispielsweise bei spezialisierten Suchmaschinen für Hotels wie HRS oder dem Versandhändler Amazon: "Es kann also keine Rede davon sein, dass Google ein Monopol für den Zugang der Menschen zum Internet hat." Im Internet gebe es derzeit ein ständiges Kommen und Gehen von Unternehmen: "Die neuen Unternehmen haben immer eine Zeitlang eine gewisse Marktmacht - bis wieder neue kommen und sie ablösen." Auch Google sei im Bereich der Internetsuche erst seit etwa zehn Jahren dominierend.

Entscheidend sei, ob Google bereits ein sogenanntes resistentes Monopol habe: "Das heißt, es ist wichtig, ob andere Anbieter Google Konkurrenz machen können. Das ist aus meiner Sicht sehr wohl der Fall", so der Wettbewerbsexperte - und verweist auf den kürzlich von Facebook gekauften Messengerdienst WhatsApp, der innerhalb weniger Jahre mit gerade einmal 50 Mitarbeitern zu einem milliardenschweren Unternehmen aufgestiegen ist. Eine Zerschlagung von Google würde aus Sicht von Haucap daher wenig bringen und vor allem den Nutzern schaden. dh
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